Abschied  Zwei Urgesteine verlassen die VHS in Leer

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 19.08.2025 16:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Jörg Furch (vorne) ist Vorsitzender des Vereins der Volkshochschule, sein Stellvertreter ist Hans Fricke. Beide hören jetzt auf. Foto: Klaus Ortgies
Jörg Furch (vorne) ist Vorsitzender des Vereins der Volkshochschule, sein Stellvertreter ist Hans Fricke. Beide hören jetzt auf. Foto: Klaus Ortgies
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Jörg Furch und Hans Fricke waren über Jahrzehnte an der Spitze des Vereins der Volkshochschule in Leer. Was sie bewogen hat, nun aufzuhören.

Leer - Über sich selbst machen die beiden nicht viel Worte. Mit 83 Jahren sei es wohl an der Zeit, sich zurückzuziehen, merkt Jörg Furch an. Der Rhauderfehner war 29 Jahre lang Vorsitzender des Vereins Volkshochschule für die Stadt und den Kreis Leer. Sein Stellvertreter war Hans Fricke aus Leer – immerhin für 22 Jahre. Nun geben beide bei der Mitgliederversammlung am Mittwoch, 20. August 2025, die Ämter ab.

„Bei einer so langen Zeit muss es einem am Herzen gelegen und Spaß gemacht haben“, sagt Fricke bei einem Pressegespräch. Dann schränkt er ein: „Es hat nicht immer nur Spaß gemacht.“ Sofort schiebt er hinterher, dass es aber auf keinen Fall an der VHS oder an den Mitarbeitern gelegen hat. Den Spaß haben ihm offenbar andere verdorben, und dann ging es wohl meistens um Geld.

Integration schon seit 45 Jahren ein Thema

Denn Fricke beklagt, dass „Mandatsträger“ zwar in Sonntagsreden über die Leistungen der Volkshochschule prahlten. Weniger motiviert seien Kommunalpolitiker – der 82-Jährige hat selbst viele Jahre lang dem Stadtrat Leer und dem Kreistag angehört – wenn es darum gehe, die Hand für die Finanzierung zu heben. Dabei übernehme die Volkshochschule viele Aufgaben, die eigentlich Sache des Staates seien, sagt Jörg Furch.

Als Beispiel nennt er die Bildung von Menschen mit Migrationshintergrund. „Schon vor 45 Jahren waren Flüchtlinge und Integration ein Thema“, hebt der Vorsitzende hervor. Gerade feiert die VHS für die Stadt und den Kreis Leer ihr 80-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde in alte Programm geschaut: In den 80er- und 90er-Jahren seien die sogenannten „Auslandsdeutschen“ zurückgeholt worden.

Gesellschaftliche Aufgabe

Menschen, die als deutsche Minderheit in Russland, Weißrussland und anderen ehemaligen Ostblockstaaten lebten, konnten zu dieser Zeit in die Bundesrepublik kommen. Furch erinnert sich daran, dass er seinerzeit als Gemeindedirektor mit der Integration von Russlanddeutschen zu tun hatte. „Es ging darum, eine Ghettoisierung zu vermeiden“, sagt er. Bei der Volkshochschule gab es Angebote für die Eingliederung dieser Neubürger, darunter auch Sprachkurse.

Im Juli wurde in der Haneburg gefeiert: 20 Jahre Integrationskurse bei der VHS. Archivfoto: Vera Vogt
Im Juli wurde in der Haneburg gefeiert: 20 Jahre Integrationskurse bei der VHS. Archivfoto: Vera Vogt

Das geschieht noch heute so: Die VHS organisiert seit 20 Jahren die Integrationskurse für Geflüchtete und Asylbewerber. „Wir freuen uns, dass die Finanzierung für die Integrationskurse weiter geht“, sagt VHS-Leiterin Sabine Kasimir. 192 Teilnehmer sind aktuell dabei, weitere 170 stehen auf einer Warteliste. In zwei weiteren Kursen erfolge eine Alphabetisierung.

Finanzierung nicht immer leicht

Furch macht noch darauf aufmerksam, dass die Volkshochschule sich um die Fortbildung für Kindertagesstätten und Krippen kümmert. „Wenn wir es nicht machen, dann macht es niemand“, sagt er. Für solche Aufgaben müsse die Einrichtung aber auch finanziell ausgestattet werden, betonen die scheidenden Vorsitzenden. Leider seien „die Sonntagsredner dann nicht mehr präsent“, so Fricke. Es sei wichtig, dass die gesellschaftlichen Aufgaben ausreichend unterstützt würden.

Trotzdem muss die Vorstandsarbeit auch Freude bereitet haben, sonst wären beide wohl nicht so lange aktiv geblieben. „Unsere VHS ist gut aufgestellt und hat hervorragende Mitarbeiter“, versichern sie. Die Leeraner Einrichtung ist eine von nur neun Volkshochschulen in Niedersachsen, die in Trägerschaft eines Vereins liegen. Natürlich sei es mit der Finanzierung einfacher, wenn diese aus dem Kreishaushalt erfolge, wie in Aurich. Doch Furch betont, dass ein Verein den Vorteil habe, dass nicht versucht werde, „von außen auf die Programmgestaltung Einfluss zu bekommen“.

So geht es nun weiter

Bei der Mitgliederversammlung sollen Jörg Furch und Hans Fricke verabschiedet werden. Die 68 Mitglieder (Landkreis, Städte und Gemeinden sowie Institutionen und Unternehmen) werden einen neuen Vorstand wählen, dem vier freie Mitglieder angehören. Der Vorstand wählt dann einen Vorsitzenden oder eine Vorsitzende sowie die Stellvertretung.

Was ist die Voraussetzung für das Amt? „Zeit“, versichern beide. Die habe er nach dem Eintritt in den Ruhestand mit 60 Jahren reichlich gehabt, sagt Furch. Hans Fricke kannte den Verein zwar schon aus seiner Zeit als Kommunalpolitiker, aber kam ebenfalls als Rentner in den Vorstand. In einem weiteren Punkt sind sie sich ebenso einig: „Diese Arbeit hält einen geistig in Bewegung.“

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