Osnabrück So erlebte Johannes Oerding im Schlossgarten einen „perfekten Abend“ mit seinen Fans
Lieder und Geschichten lieferte Johannes Oerding am Samstagabend beim Schlossgarten Open Air ab. 12.000 Zuschauern feierten den Sänger, der seit dem Start seiner Karriere Stammgast in Osnabrück ist. Als Überraschung entpuppte sich die Band Bruckner im Vorprogramm, die zum ersten Mal hier auftrat: Sie überzeugte mit treibendem Indiepop.
Es ist voll im Schlossgarten, aber nicht „sardinenbüchsig“. Diesen Ausdruck hatte Johannes Oerding geprägt, als er vor zehn Jahren im Rosenhof aufgetreten war. Damals hatte er den Live-Club gleich an zwei Abenden komplett ausverkauft. Obwohl der in Münster geborene Sänger jetzt auf 12.000 Fans schaut, ist es auf dem Areal hinter dem Schloss nicht „sardinenbüchsig“. Die Sonne scheint, die Leute bekommen frische Luft und haben sogar ein bisschen Platz, um sich zu Oerdings Musik zu bewegen.
Trotzdem will der Sänger an alte Zeiten erinnern: „Stellt Euch jetzt mal vor, wir wären in einem kleinen Club“, fordert er das Publikum auf und startet seinen Auftritt. Sofort ist das Eis gebrochen. Die Fans hängen an seinen Lippen, singen jeden Song mit und hören gerne zu, wenn Oerding Geschichten erzählt. Denn genauso gerne, wie er singt, so gerne sabbelt er. Dafür geht er auch mal gerne auf Tuchfühlung mit den Zuschauern oder unterbricht ein Lied, um einen Kommentar dazu abzugeben. Oder er sucht sich ein Pärchen, das vor der Bühne steht, interviewt es und widmet ihm ein improvisiertes Lied über „Zitronentorte und Liebe“.
Apropos Pärchen. Bevor Oerding die Bühne entert, hatte sich das Kamerateam, das die großen Videoleinwände bespielt, den mittlerweile beliebten Spaß erlaubt, unter dem Motto „Küsst Euch mal“ Zuschauer herauszupicken und sie zur physischen Kontaktaufnahme aufzufordern. Offenbar gab es keine Zwischenfälle mit Paaren, die hier ihre außerehelichen Aktivitäten auslebten und nicht dabei beobachtet werden wollten – wie es kürzlich in den USA während eines Coldplay-Konzertes bei einer „Kiss-Cam“-Aktion geschehen war.
Eröffnet hatte den zweiten Abend des Schlossgarten Open Air das Duo Brunke, das mit lässigem Pop einheizte. Für eine Überraschung sorgte der zweite Act: Bruckner, zwei Brüder aus Regensburg, die sich von einem Schlagzeuger begleiten ließen. Obwohl sie von der Anzahl der Besucher überwältigt waren, weil sie eigentlich nur mit 3.000 Zuschauern gerechnet hatten, lieferten sie ihren Indiepop mit deutschen Texten sehr überzeugend ab. Der Song „Wer wir sind“ rockte zum Schluss so mitreißend, dass das Publikum die Bruckners, die zum ersten Mal in Osnabrück waren, regelrecht feierte.
Und dann Oerding. In der Dämmerung steht er auf der Bühne, schaut auf seine Fans und sagt: „Ihr seht gut aus!“ Dann folgt eine Mixtur aus Stadionrock, Pop, nachdenklichen Liedern und balladesken Lagerfeuersongs. „Das hier ist eine ganz tolle Location und ich habe den perfekten Abend“ meint er und fragt, wo man den denn in Osnabrück mit einer Aftershow-Party ausklingen lassen kann.
Als jemand vor der Bühne kollabiert, unterbricht er seinen Song und vergewissert sich, dass Feuerwehr und Sanitäter sich um die Person kümmern. Und dann gibt er ein klingendes Statement ab, dem viele Fans sofort zustimmen würden: „Hier gehör ich hin!“ Richtig, die Bühne ist Oerdings Welt, in der er aufblüht. Daher verspricht er ebenfalls mit einem Song: „Ich bin bald zurück“. Das Publikum freut sich und spendiert tosenden Applaus.