Berlin/Brindsi  „Viele Airlines lassen Passagiere im Stich“ – neue Studie zeigt große Defizite

Maximilian Matthies
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Von Maximilian Matthies
| 19.08.2025 09:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Decken statt Hotelzimmer: Zahlreiche europäische Airlines enttäuschen beim Umgang mit Kunden. Foto: IMAGO/Eibner
Decken statt Hotelzimmer: Zahlreiche europäische Airlines enttäuschen beim Umgang mit Kunden. Foto: IMAGO/Eibner
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Gestrandete Condor-Passagiere mussten nach einer Notlandung die Nacht am Flughafen verbringen. Der neue Flightright-Index zeigt: Solche Service-Probleme sind bei Airlines in Europa offenbar keine Ausnahme.

Nach einer Notlandung eines Condor-Flugzeugs in Süditalien haben etliche Passagiere die Nacht am Flughafen verbringen müssen – ohne Hotelunterkunft. Der Vorfall verdeutlicht Probleme, die auch im neuen Flightright-Index 2025 sichtbar werden: Viele Airlines schneiden beim Kundenservice und im Umgang mit außergewöhnlichen Situationen schlecht ab.

Der Condor-Flug DE 3665 war am Samstag auf dem Weg von Korfu nach Düsseldorf, als eine Störung am Triebwerk die Besatzung zu einer außerplanmäßigen Landung im italienischen Brindisi zwang. An Bord befanden sich 273 Passagiere. Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall und sichtbaren Flammen. Condor betonte, es habe keinen Triebwerksbrand gegeben, zeitweise seien jedoch Flammen aufgetreten. Videos dazu kursieren im Internet.

Für die Weiterreise setzte die Airline ein Ersatzflugzeug ein, das die Passagiere am Sonntag nach Düsseldorf brachte. Für die erzwungene Übernachtung standen in Brindisi jedoch nicht genügend Hotelzimmer bereit. Einige Fluggäste mussten am Flughafen bleiben, wo sie mit Decken und Gutscheinen versorgt wurden. Condor erklärte, Kosten für selbst organisierte Unterkünfte würden erstattet, und entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Belastungen von Fluggästen in Ausnahmesituationen – und passt zu den Ergebnissen des aktuellen Flightright-Index. Das Verbraucherportal bewertete die 20 größten europäischen Airlines nach Zuverlässigkeit, Entschädigungspraxis und Kundenzufriedenheit. Auffällig: Keine Gesellschaft erreicht in der Kategorie Kundenzufriedenheit mehr als drei von fünf Sternen.

Am schlechtesten schnitten Finnair (2,48 Sterne), Vueling (2,52) und Ryanair (2,58) ab. Insbesondere Finnair fiel mit schwacher Zuverlässigkeit auf. Beim Zahlungsverhalten – also der Schnelligkeit, mit der Airlines Entschädigungen leisten – erhielten Vueling, Ryanair und Turkish Airlines nur zwei Sterne.

Condor landet beim Flightright-Index 2025 im Mittelfeld. Die Ferienfluggesellschaft erreicht solide, aber keine Spitzenwerte: Bei der Zuverlässigkeit liegt sie leicht über dem Durchschnitt, beim Zahlungsverhalten kommt sie auf drei Sterne – ein Hinweis darauf, dass Entschädigungen zwar überwiegend geleistet, aber nicht immer zügig ausgezahlt werden. In der Kategorie Kundenzufriedenheit schneidet Condor wie alle untersuchten Airlines schwach ab und bleibt unter der Drei-Sterne-Marke.

Überraschend an der Spitze liegt in diesem Jahr die deutsche Discover Airlines. Sie erreichte 3,33 Sterne und erhielt in der Kategorie Zahlungsverhalten die Bestnote. Auch Eurowings (3,32) und Iberia (3,25) lagen weit vorn.

Die Auswertung basiert auf Millionen Flugdaten, Analysen zum Zahlungsverhalten sowie einer umfassenden Kundenumfrage. „Viele Airlines lassen Passagiere weiterhin im Stich – beim Service, bei der Pünktlichkeit und vor allem bei der Entschädigungszahlung“, sagte Flightright-Expertin Feyza Türkön in einer Mitteilung.

Die Veröffentlichung des Index fällt in eine Phase, in der auf EU-Ebene über eine Reform der Fluggastrechte beraten wird. Nach den bisherigen Plänen könnten Entschädigungen erst ab vier Stunden Verspätung greifen und zudem gedeckelt werden. Verbraucherschützer warnen vor einem Rückschritt beim Schutz von Reisenden.

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