Wochenglosse  Aus die Maus im World Wide Web

Karin Lüppen
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Eine Kolumne von Karin Lüppen
| 16.08.2025 09:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Finger hoch, wer noch ein Modem hat. Was für ein Ding? AOL hat den Zugang zum Internet mit diesem Technikdino abgeschaltet. Eine Glosse.

Etwas Sonderbares hat sich in dieser Woche zugetragen: AOL hat den Internetzugang über Modem abgeschaltet. Wer nichts außer abgeschaltet an diesem Satz versteht, ist vermutlich jünger als 30 Jahre. Damals, in diesen sonnigen Zeiten ohne Smartphone und Multimedia, konnte man sich tatsächlich über die Telefonleitung (diesem Ding mit Schnur!) in das World Wide Web einwählen. Wer Zutritt in dieses weltweite Netz begehrte, stöpselte seinen Computer in die Telefondose ein und legte eine CD von AOL ein. Die wiederum klebte als Gratisgimmick auf allen Zeitschriften von „Selbst ist der Mann“ bis „Bild der Frau“ vorne drauf. Sodann grunzte, pfiff und knarzte es, wenn sich die Maschine ins Netz eingewählt hat. Danach konnte man surfen – so hieß das damals.

Nun ist also Schluss damit. Unbekannt bleibt, wer überhaupt noch mit dieser Technik hantiert hat. Vielleicht Nerds in nordkalifornischen Wäldern oder Puristen in Düdinghausen (Hochsauerlandkreis). Das Modem gehört jetzt in die Reihe anderer ausgestorbener Kommunikationsmittel wie rennender oder reitender Bote, Brieftaube, Postkutsche und Ausrufer. Aus den ersten drei wurden später Sportarten oder Hobbys, die beiden anderen zu Amüsements für Touristen. Welche Zukunft mag dem Modem bevorstehen? Wird AOL-CD-Weitwerfen eine Trendsportart oder werden die Silberlinge teure Sammelobjekte? Vielleicht werden sich weißhaarige Männer in dunklen Kaschemmen treffen, um dort mit einer simulierten Modemschaltung Tetris und Pacman zu spielen.

Die Autorin erreichen Sie unter k.lueppen@zgo.de

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