Einschulungen in Ostfriesland Vom Partyservice bis zur Hüpfburg
Immer mehr Familien in Ostfriesland feiern die Einschulung eines Kindes mit großem Aufwand und besonderen Extras. Das sorgt für volle Auftragsbücher bei Dienstleistern und höhere Ausgaben für Eltern.
Ostfriesland - Der erste Schultag – ein besonderes Erlebnis für jedes Kind. Doch war früher die bunte Schultüte mit Süßigkeiten, Stiften und kleinen Geschenken der Höhepunkt, wird die Einschulung heute in vielen Familien groß gefeiert. Mit einer Schultüte und einem kleinen Mittagessen im engsten Familienkreis ist es längst nicht mehr getan. Die Einschulung wird groß gefeiert. Viele Eltern scheuen keine Kosten und Mühen, um diesen Tag zu einem unvergesslichen zu machen.
Ansturm auf die Partyservices in der Region
So haben die Partyservices in Ostfriesland jetzt alle Hände voll zu tun. „Der Einschulungssamstag wird ein sehr arbeitsintensiver Tag“, sagt beispielsweise der Ihrhover Unternehmer Holger Schütte. Mehr zu tun habe er nach eigenen Angaben nur an den Tagen, an denen Konfirmationen gefeiert werden. Schütte betreibt seit Oktober 2024 zusammen mit Jana Wienekamp auch das „Gasthuus up Dörp“ in Flachsmeer. In der dortigen Großküche wird das Essen für die mehr als 20 Einschulungsfeiern zubereitet, die das Team um das Ihrhover Gastronomenpaar mit seinem Partyservice beliefern wird. „Wir hatten die ersten Anfragen bereits am Einschulungstag vor einem Jahr. Im Januar 2025 haben wir die letzten Bestellungen entgegengenommen, danach mussten wir Anfragen ablehnen, weil wir ausgebucht waren“, sagt Schütte.
Nicht weniger Arbeit gibt es am Samstag beim Partyservice Zerlegebude in Idafehn. Marlies Janßen, die die Termine koordiniert, berichtet: „Bei uns gibt es an diesem Tag im Betrieb eine Urlaubssperre. Wir beliefern insgesamt 30 Einschulungsfeiern.“ Die meisten Kunden würden das Essen für die Mittagszeit bestellen. Es werde zumeist Grillfleisch oder warmes Büfett geliefert. „Wir mussten aber auch frühzeitig mehrere Anfragen ablehnen, da wir an diesem Tag auch noch weitere größere Veranstaltungen wie Hochzeiten haben“, erklärt Marlies Janßen.
Hüpfburgen sind ausgebucht
Früher waren sie etwas ganz Besonderes, heute gehören sie bei Kindergeburtstagen, Familienfeiern und natürlich Einschulungen schon fast zum Standard dazu: Hüpfburgen. Schon zum Beginn der Sommerferien seien sie komplett ausgebucht gewesen, sagt Cüneyt Arik vom Hüpfburg-Verleih Ostfriesland seiner Arik-Entertainment-Company aus Rechtsupweg. Dabei sei wichtig, zu erwähnen, dass sie einer der größten, wenn nicht gar der größte, Anbieter in der Region seien, betont er. Hätten andere Verleiher vielleicht 20 Hüpfburgen, habe er aktuell 204. Alle Buchungen vor den Sommerferien seien für Einschulungen in Ostfriesland und bis nach Oldenburg gewesen, sagt er. Wie lange sieht er schon den Trend? Seit gut zehn Jahren, sagt er. Was kostet der Spaß? Für 50 Euro bekommen Familien, die nicht gleich aufs Ganze gehen wollen, schon eine kleine Hüpfburg zum Leihen, so Arik. Wer seine Nachbarn ärgern will und ein bisschen mehr Platz hat, kann sich eine Spiellandschaft buchen, die per Lastwagen geliefert werden muss. Die Maße: sechs mal 15 Meter. Der Preis: ab 600 Euro.
Niko Hoffmeyer hat erst im September 2023 mit seinem Hüpfzauber Ostfriesland in Aurich angefangen, also nach den Einschulungen. „Im Dezember 2023 kam dann die erste Anfrage für August 2024“, sagt er. Da hätten sie sich noch gewundert, warum so früh gebucht wird. Als ihre drei Hüpfburgen schon im Januar für den August ausgebucht waren, hat er nachgefragt: Der Grund waren natürlich Einschulungen. „Wir haben viel dazu gekauft“, sagt er. Das Geschäft boomt. Vor drei Monaten seien sie schon für diese Einschulungen ausgebucht gewesen, hätten dann noch mal mehr Hüpfburgen dazu gekauft. Jetzt haben sie 30. Auch bis zu 80 könnte er locker vermietet kriegen, ist er sich sicher. Und dabei gebe es in Ostfriesland mittlerweile viele Anbieter – zehn bis 15 allein im Landkreis Aurich, schätzt er. Der Anspruch der Eltern, ihren Kindern zur Einschulung und zum Geburtstag immer mehr zu bieten, wachse stetig, sagt er.
Und nicht nur die Einschulungsfeier geht ins Geld
Doch nicht nur die familiären Einschulungsfeiern mit Hüpfburg und Festschmaus gehen ins Geld. Auch die Schulsachen an sich sind ein wachsender Kostenfaktor. Ranzen, Mappen, Stifte, Füller – was muss da nicht alles zusammengetragen werden, um das Kind für seinen Schulstart auszustatten.
Viele Leute erledigen diese Besorgungen inzwischen im Internet. Das ist eine Beobachtung von Kirsten Borde von der Buchhandlung „Bücher Borde“ in Leer. Immer öfter höre sie von Kunden den Satz: „Das haben wir schon im Internet bestellt.“ Das gelte gerade für die Bücher. Bei ihr würden dann nur noch die Reste besorgt. Insgesamt seien die Einkaufskosten für den Schulbeginn gestiegen: „Besonders Materialien wie Stifte und Papier werden teurer.“
Der Zeitpunkt, zu dem die Schulsachen gekauft werden, ist nach Angaben von Kirsten Borde ganz unterschiedlich. So gibt es diejenigen, die schon vor Ferienbeginn an das neue Schuljahr denken und ganze Listen bei ihr abgeben, um den Einkauf frühzeitig fertig zu haben. Und dann gibt es diejenigen, die ganz am Ende der Sommerferien erst kommen oder gar, wenn die Schule schon begonnen hat. Die „Last-Minute-Kunden“ könnten dann aber unter Umständen Probleme bekommen: Wenn es wegen des Andrangs zu Lieferengpässen kommt und es länger dauert, die bestellten Materialien zu bekommen.