Emder Werft als Pionier Erstes Schiff wird in Deutschland abgewrackt – in Emden
Schiffe auch aus Deutschland werden bislang hauptsächlich in Südostasien abgewrackt. Das soll sich noch in diesem Jahr ändern. Die Emder Werft EWD hat ehrgeizige Pläne.
Emden - Bislang hat in Deutschland keine andere Werft den Ehrgeiz und den Mut für diese Premiere – die Emder EWD Benli Recycling GmbH & Co. KG aber will es anpacken. Sie verfügt als bundesweit erstes Unternehmen über eine genehmigte Anlage zum Abwracken von Altschiffen. Seit April liegt diese Genehmigung vor, am 11. August 2025 machte sich der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer (Grüne) nun ein Bild vom derzeitigen Stand der Dinge.
Bevor es richtig losgehen kann, sind noch letzte Formalien und vorbereitende Arbeiten zu erledigen. So erklärte Dr. Sebastian Jeanvré von der Relog GmbH, mit der die EWD beim Abwracken kooperiert, dass sie wohl noch im August oder September in der EU-Liste für Schiffsrecycling-Einrichtungen aufgenommen werden. Noch in diesem Jahr wollen sie dann ein, zwei kleinere Schiffe abwracken, um dann im April 2026 mit einem größeren Schiff richtig zu starten. Ihre Zielmarke ist es, zwei Schiffe pro Monat zu recyclen. „Das trauen wir uns zu“, sagte Jeanvré.
Was für Schiffe kann die EWD abwracken?
Die Emder Werft will sich auf das Abwracken von „Küsten- und standortnahen kleinen Einheiten, kleinere Fahrgastschiffe, aber auch Industrie- und Offshore-Anlagen“ spezialisieren, heißt es in einer Mitteilung des Umweltministeriums. Auch Windkraftanlagen könnten sie theoretisch recyclen. Die Genehmigung betrifft staatliche Schiffe in nicht gewerblicher Nutzung, also beispielsweise Marine- und Behördenschiffe, Binnenschiffe, Küstenschiffe und Seeschiffe. Das seien ja eigentlich alle Schiffe, die es so gibt, meinte Christian Meyer mit einem Lachen.
Seinem Eindruck nach seien jetzt viele Schiffe in Deutschland von 1900 bis 1940 kurz vor der Verschrottung, sagte Jeanvré. Da sei natürlich eine besondere Herausforderung, dass viele mit Asbest belastet sind. Er denkt aber auch an Schiffe, die Windparks versorgen, viele Schuten, also Lastschiffe, aus Hamburg seien in die Jahre gekommen. Christian Meyer sprach von einem „riesigen Bedarf“ und „vielen Schiffen“. Erste Anfragen seien da, sagte Sebastian Jeanvré. Bevor man Aufträge annehme, soll aber erst einmal alles in trockenen Tüchern sein.
Mehr Arbeitsplätze und Rohstoffe für Deutschland
Klar ist aber: Die Schiffe müssen auch in das Trockendock der EWD passen, sagte Jeanvré. Das ist 218 mal 30 Meter groß. Aktuell ist eines der Schwimmdocks in der Wartung in dem Trockendock. Die zwei Schwimmdocks der EWD sind 176 mal 27 Meter und 136 mal 17 Meter. Seine Hoffnung: In Zukunft sollen im Trockendock parallel Recycling und Wartung laufen können. Je nach Größe könnten zwei Schiffe oder mehr dort gleichzeitig reinpassen. Zunächst sollen 20 bis 30 Mitarbeiter der EWD für das Abwracken eingesetzt sein. Nach und nach würden dann nach Bedarf mehr Leute eingestellt, also weitere Arbeitsplätze geschaffen.
Christian Meyer hob hervor, dass in Zukunft Schiffe nicht nur sozial- und umweltverträglich in Emden recycelt werden können, statt am Strand von Südostasien unter schlimmen Arbeits- und Umweltbedingungen, sondern auch Rohstoffe im Land bleiben. Stahlwerke in Deutschland arbeiteten fast nur noch mit „Schrott“, sagte er. Pro Schiff seien es etwa 30 Tonnen Schrott, im Jahr also 24.000 Tonnen Schrott, der aus Emden auf dem Wasserweg an Stahlwerke in Niedersachsen und darüber hinaus gebracht werden können, so Jeanvré.
Schiffe dürfen nur in Betrieben der EU-Liste abgewrackt werden
Auch würden die Schadstoffe, die beim Abwracken aus dem Schiff gelöst werden, richtig entsorgt, betonte er. Beim Recycling solle ein „Schadstoff-Mapping“ gemacht und einen Plan für den bestmöglichen Umgang mit den Stoffen erstellt werden, der in Deutschland und Europa von anderen Unternehmen genutzt werden könnte. Es sei wichtig, dass Deutschland bei der Entsorgung der Schadstoffe aus deutschen Schiffen hier Verantwortung übernehme und sie nicht an andere Ländern abwälze, sagte Meyer.
Ob das einen großen Einfluss auf die Menge der Schiffe hat, die weiterhin in Südostasien abgewrackt werden, ist sicher fraglich. Gleichzeitig haben sich in Europa schon mehrere Länder wie Dänemark und die Niederlande auf den Weg gemacht, Recycling-Einrichtungen aufzubauen. Den Impuls für diesen Wandel hat das Inkrafttreten des Hongkong-Abkommens und der Schiffsrecycling-Verordnung der EU gegeben, wonach Seeschiffe nur noch in zugelassenen Abwrackeinrichtungen, die von der EU gelistet sind, zurückgebaut werden dürfen.