Prozess am Landgericht Aurich Emder wegen schweren Kindesmissbrauchs vor Gericht
Ein 47-Jähriger soll sich an zwei Kindern vergangen haben. Die Mutter glaubte zunächst den Andeutungen ihrer Tochter nicht.
Aurich/Emden - Ein 47-jähriger Emder soll zwei Kinder sexuell schwer missbraucht haben. Wegen acht Taten muss er sich seit Dienstag, 12. August 2025, vor dem Auricher Landgericht verantworten. Er befindet sich in Untersuchungshaft in der JVA Oldenburg und schweigt bisher zu den Vorwürfen. Der Mann ist einschlägig vorbestraft, weshalb er von November 2014 bis Mai 2018 im Gefängnis gesessen hat.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, zwischen November 2022 und Oktober 2024 in Emden eine zu Tatbeginn Zwölfjährige mehrfach angefasst und vergewaltigt zu haben. Auch an ihrem siebenjährigen Halbbruder soll er sich schwer vergangen haben.
Verteidiger bezweifelt Vielzahl der Taten
Verteidiger Ralf Giese signalisierte Gesprächsbedarf. Er räumte ein, dass sein Mandant Grenzen überschritten hätte, bezweifelte jedoch die Vielzahl der vorgeworfenen Taten. Zum aktuellen Zeitpunkt wolle man sich nicht zu den Vorwürfen einlassen, sondern zunächst die Beweisaufnahme abwarten, erklärte er.
Giese erbat einen Ausblick auf die ungefähr zu erwartende Gefängnisstrafe im Falle eines umfassenden Geständnisses. „Nach unserer beider vorläufigen Einschätzung würden wir zu sieben oder acht Jahren kommen“, antwortete der Vorsitzende Richter Bastian Witte bezüglich seiner bisherigen Beratungen mit Beisitzerin Laumann.
Mutter sagt als Zeugin aus
Die 37-jährige Mutter der mutmaßlichen Opfer sagte als Zeugin aus. „Der Angeklagte ist der Cousin meines Mannes“, erklärte sie. Er habe ihnen im Garten geholfen. Der Angeklagte sei sehr hilfsbereit gewesen. Von den Taten habe sie „nicht wirklich viel mitgekriegt“.
Eines Tages habe sie den Angeklagten auf den Dachboden geschickt, um Gartenstühle und deren Auflagen zu holen. Ihr Sohn habe ihn begleitet: „Weil das so lange dauerte, habe ich meine Tochter hochgeschickt.“ Sie sei zurückgekommen und habe berichtet, die beiden hätten sich angefasst. „Ich weiß nur, dass meine Kinder verstört sind“, hob sie hervor. Zeitlich hatte die Zeugin große Probleme mit der Chronologie der Ereignisse. Den Dachboden-Vorfall datierte sie auf Frühsommer 2023.
Mutter glaubte der Tochter nicht
Ihre Tochter habe „vorher schon einen Satz geäußert“, fuhr sie fort. Dass der Angeklagte sie angefasst habe, während sie einkaufen gewesen sei. „Wir haben gesagt, das können wir uns nicht vorstellen. Wenn ich gegen ihn vorgehen soll, brauche ich Beweise“, so die Zeugin. Ihre Tochter habe sie schon öfter angelogen: „Man sagt ja, wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“ Dann habe die Tochter ein Audio von einer Missbrauchshandlung aufgenommen. Das sei im Herbst 2023 oder 2024 gewesen.
Die vorherigen Tatvorwürfe ordnete die Mutter unscharf in Sommer und Herbst 2022 ein. Ihre Tochter habe damals schon ein auffälliges Verhalten gezeigt: „Ich habe mich gefragt, warum sie sich zurückzieht.“
Angeklagter äußert sich schließlich doch
Zur Anzeige gebracht wurden die Vorfälle kurz vor Weihnachten 2024. Die Tochter wollte Strafanzeige stellen.
Der Angeklagte meldete sich nach der Einlassung der Zeugin zu Wort. Er wollte erzählen, wie es in der Familie zugehe. „Die haben alle ein Alkoholproblem. Die Erziehung ist auch gerade nicht so richtig, weil sie überfordert sind. Der Junge hat früh schon geraucht. Wenn sie abends am Feiern sind, kriegen die Kinder Kurze mit.“ Er selbst habe sich im Sommer 2024 von der Familie abgewandt, weil es ihm mit dem Rasenmähen zu viel geworden sei.
Ein weiterer Zeuge ist nicht erschienen. Die polizeilichen Videovernehmungen der Kinder wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit angeschaut. Der Prozess wird am 20. August 2025 um 9 Uhr in Saal 003 fortgesetzt. Zwei weitere Termine sind am 2. und 9. September 2025 angesetzt.