Osnabrück Schattenseiten der Digitalisierung: Kreiselternrat Osnabrück beklagt hohe Schulkosten
Der Kreiselternrat Osnabrück kritisiert steigende Kosten für Schulbücher und Tablets. Trotz oder sogar wegen der Digitalisierung müssen viele Familien hohe Ausgaben tragen. Unterstützungen bleiben oft begrenzt.
Die Schule geht wieder los – das bedeutet für manche Familien auch: Das Geld wird knapp. Denn wie das Statistische Bundesamt errechnet hat, lagen die Preise für Schul- und Lehrbücher im Juni 2025 um 3,8 Prozent über denen des Vorjahres. Die allgemeine Inflationsrate liegt bei lediglich zwei Prozent. Und das ist noch nicht alles.
Die allenthalben geforderte Digitalisierung hat längst die Klassenzimmer erreicht. Auch das bringt Kosten mit sich, die oft vom Elternhaus getragen werden müssen. Obwohl es rechtlich gesehen niemand vorschreiben kann: Vielfach wird schlicht vorausgesetzt, dass Tablets oder Laptops zur Verfügung stehen. Wer nicht darauf zugreifen kann, gerät ins Hintertreffen.
Allerdings fehlt nach Einschätzung von Bernd Pauk, Vorsitzender des Osnabrücker Kreiselternrats, oft ein Plan, wie die Lernmaterialien sinnvoll eingesetzt werden. Sein Sohn komme am Gymnasium Bad Iburg jetzt in eine Tablet-Modelklasse. Trotzdem brauche er auch noch die klassischen Bücher. Software-Lizenzen, Endgeräte – „es läppert sich“, sagt Pauk. Auch die Kosten für Klassenfahrten seien übrigens gestiegen.
Pauks Urteil ist eindeutig: „Ich finde Lernmaterialien viel zu teuer und frage mich, wie manche Familien das stemmen sollen.“ Bei der Hardware müsse es oft das (vermeintlich) Beste vom Besten sein, vor allem Apple. Dabei gebe es, so der Bad Laerer, im benachbarten Nordrhein-Westfalen wenigstens die Bücher umsonst. Und manchmal würden sogar die Tablets von der Schule verliehen. In Niedersachsen seien ärmere Familien oft auf Unterstützung durch Fördervereine oder Wohltäter angewiesen.
Von Bekannten hat Pauk eine Aufstellung erhalten, was sie für ihr Kind im achten Jahrgang einer Integrierten Gesamtschule (IGS) zahlen müssen:
Gesamtkosten unter dem Strich: 844,50 Euro.
Der Sozialverband VdK kritisierte gegenüber der „Tagesschau“, dass Schulbedarf immer teurer werde. Präsidentin Verena Bentele: „Gerade für arme Familien oder Alleinerziehende ist das kaum mehr bezahlbar. Unser System geht davon aus, dass Eltern Zeit und Geld investieren, das können aber längst nicht alle. Die Bildungsungleichheit wird größer.“
Bernd Pauk vom Osnabrücker Kreiselternrat kommt zu dem Schluss: Grundlegende Lernmittel – und das seien heute eben auch digitale Endgeräte – zur Verfügung zu stellen, „sollte Aufgabe des Staates sein.“ Auch das Land Niedersachsen hat die Problematik erkannt – und verspricht Abhilfe. Die Ausstattung mit Tablets hatten SPD und Grüne bereits 2022 im gemeinsamen Koalitionsvertrag festgehalten. Allein das Geld für die Umsetzung fehlte bislang.
Ab dem Schuljahr 2026/27 will die Landesregierung schrittweise Tablets zur Verfügung stellen. Zunächst ab Jahrgang 7 sollen in Niedersachsen kostenlose Leih-Tablets zum Einsatz kommen. Anschließend sollen höhere Jahrgänge die Leihgeräte erhalten. Die Schüler sollen ihr Tablet zunächst bis zur 10. Klasse mitnehmen. Ob für die Oberstufe neue Geräte folgen, ist noch offen. Bis 2031 plant die Regierung dafür rund 800 Millionen Euro ein.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde nachträglich um Informationen zur geplanten Leih-Tablet-Initiative des Landes Niedersachsen ergänzt.