Radweg-Ausbau  So kam es zu Verzögerungen beim Radweg am Emsdeich in Jemgum

Oliver Bär
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Von Oliver Bär
| 12.08.2025 14:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eine Radtour am Deich in Jemgum ist beliebt. Foto: Tatjana Gettkowski/Archiv
Eine Radtour am Deich in Jemgum ist beliebt. Foto: Tatjana Gettkowski/Archiv
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Der Ausbau des beliebten Radwegs zwischen Soltborg und Ditzum hat sich erneut verzögert. Lämmer und bürokratische Hürden sorgten für Probleme bei der Umsetzung.

Jemgum - Das Ziel ist klar gesteckt und die Gemeindeverwaltung in Jemgum hat es fest im Blick. Für mehr als 400.000 Euro soll der bei Touristen und Einheimischen beliebte Radweg entlang des Emsdeichs zwischen Soltborg und Ditzum in der Gemeinde Jemgum ausgebaut und auf einen modernen Stand gebracht werden. Doch der Weg dorthin ist dorniger, als es Bürgermeister Hans-Peter Heikens (parteilos) und seine Mitstreiter im Rathaus erwartet haben. Lämmer haben jetzt für eine weitere Verzögerung gesorgt, nachdem bereits zuvor die Zeitplanung – ausgerechnet in den Ferien – und rücksichtslose Radfahrer für Verdruss gesorgt hatten.

Schon im Jahr 2022 wollten die Bürgermeister der Rheiderland-Kommunen Heiko Abbas (Weener, von links), Hans-Peter Heikens (Jemgum) und Uwe Sap (Bunde) die Viehsperren entlang der Dollart-Route erneuern. Foto: Gemeinde Jemgum/Archiv
Schon im Jahr 2022 wollten die Bürgermeister der Rheiderland-Kommunen Heiko Abbas (Weener, von links), Hans-Peter Heikens (Jemgum) und Uwe Sap (Bunde) die Viehsperren entlang der Dollart-Route erneuern. Foto: Gemeinde Jemgum/Archiv

Schon die Vorgeschichte hat es in sich: Bereits im Januar 2022 verkündeten die Bürgermeister der drei Rheiderland-Kommunen Hans-Peter Heikens (Jemgum), Uwe Sap (Bunde) und Heiko Abbas (Weener), dass es einen Zuschuss in Höhe von rund 455.700 Euro für die Erneuerung und den barrierefreien Ausbau der 67 Viehsperren entlang der Internationalen Dollart Route geben werde. Die Kosten für das gesamte Projekt wurden mit rund 607.000 Euro beziffert. „An der Zählstelle bei uns in Soltborg wurden in den vergangenen Jahren weit mehr als 90.000 Radfahrer registriert, Tendenz weiter steigend. Das macht deutlich, welchen Stellenwert diese Radstrecke bei uns im Rheiderland inzwischen eingenommen hat und welch großes Potenzial darin steckt“, sagte damals Hans-Peter Heikens.

Fördergeld überraschend auf dem Konto

Wenige Monate später folgte die Ernüchterung. Der Zuschuss fließe nur, wenn die Internationale Dollard Route durch aufwändige bauliche Maßnahmen barrierefrei gestaltet und zertifiziert werde, hieß es. „Das würde Millionen kosten“, verdeutlichte Heikens das Problem. Die an die Zertifizierung geknüpften Voraussetzungen seien zum Teil nur schwer umsetzbar. Im Bereich von Kirchborgum bis Ferstenborgum müsste beispielsweise ein komplett neuer Radweg gebaut werden, weil dort die Radfahrer zusammen mit Autofahrern auf der Straße fahren, sagte Heikens. Als mögliche Lösung stand im Raum, nur die Viehsperren an sich zu zertifizieren.

Einige uneinsichtige Radfahrer hielten sich nicht an die Beschilderung und setzten sogar die Absperrungen zur Seite oder beschädigten diese. Foto: Gemeinde Jemgum/Archiv
Einige uneinsichtige Radfahrer hielten sich nicht an die Beschilderung und setzten sogar die Absperrungen zur Seite oder beschädigten diese. Foto: Gemeinde Jemgum/Archiv

Mehrfach sei eine mögliche Förderung zurückgestellt worden, berichtet Heikens jetzt. Am Ende ging es nur noch um den Radweg von Soltborg bis Ditzum, um das Förderprogramm „Radnetz Deutschland“, um 29 Viehsperren, zwei überdachte Fahrradrastplätze mit Sitzplätzen, zwei E-Bike-Ladestationen, zwei öffentliche Trinkbrunnen und eine neue Zählstelle. Eine Woche vor Weihnachten sei dann völlig überraschend die Anfrage gekommen, ob der gestellte Förderantrag der Gemeinde Jemgum überhaupt noch aktuell sei. Auf das „Ja“ der Gemeindeverwaltung sei die Antwort gekommen: „Wir überweisen das gleich“, erzählt Heikens. „Wir hatten plötzlich das Geld auf dem Konto, aber noch keine Planung“, betont der Jemgumer Bürgermeister.

Von der Bürokratie ausgebremst

Flugs begannen die Jemgumer Heikens zufolge zum Jahresbeginn mit der Planung und wurden prompt ausgebremst. „Schreiben Sie mal eine Viehsperre aus, das ist in Deutschland ein Abenteuer“, zeigte sich der Jemgumer Bürgermeister im Gespräch mit unserer Redaktion entnervt. Bis das Papier den Vorstellungen und Wünschen des möglichen Fördergeldgebers entsprach, dauerte es seine Zeit. „Das Misstrauen, das einem entgegenschlägt hat ein Maß erreicht, dass nicht mehr vertretbar ist. Als ob wir bei jeder Investition betrügen wollten“, ärgert sich Heikens. Am Ende mussten die Ausschreibung der Viehsperren drei Mal ausgearbeitet werden. „Das kostet nicht nur Zeit, das kostet auch Nerven“, betont der Rathauschef.

Mehrfach waren Deichschafe ausgebüxt, als Radfahrer die Baustellenabsperrungen eigenhändig zur Seite räumten. Foto: DPA
Mehrfach waren Deichschafe ausgebüxt, als Radfahrer die Baustellenabsperrungen eigenhändig zur Seite räumten. Foto: DPA

Nachdem die Viehsperren dann doch fertig waren, kamen die Lämmer ins Spiel. „Glauben Sie bloß nicht, dass Viehsperren einfach Viehsperren sind“, sagt Heikens. Denn als das erste Lamm die Viehsperre betrat, rutschte es mit den Beinen durch den Rost. „Das geht ja gar nicht. Wir wollen ja nicht, dass sich die Tiere verletzen.“ Und so mussten die Viehsperren, wohl oder übel noch einmal überarbeitet und ausgetauscht werden. „Das haben wohl wir verbockt“, räumt Heikens ein.

Kritik am Zeitplan bleibt

Während auf die neuen Viehsperren gewartet wurde, löste sich ein weiteres Problem in Luft auf. Anfang Juli hatte sich der Bürgermeister erbost an die Öffentlichkeit gewandt, nachdem uneinsichtige Radfahrer die Baustellenabsperrungen eigenhändig zur Seite geräumt hatten, um offensichtlich auf dem wegen der Arbeiten gesperrten Radweg weiter voranzukommen. In der Folge büxten Schafe aus, die mit viel Aufwand wieder eingefangen werden mussten. Verständnis dafür hatten weder die Baufirma noch die Verwaltung. „Das hat sich zum Glück gelegt“, sagt Heikens.

Bleibt die Kritik am Zeitplan: „Eine andere Möglichkeit hatten wir nicht“, bittet der Bürgermeister um Verständnis. Der Grund: Das Fördergeld, das im Zuge das Programms „Radnetz Deutschland“ bereitgestellt wurde, muss bis zum 31. Oktober ausgegeben werden. „Einen Planungsspielraum hatten wir da nicht.“ Und hier sieht Heikens die Gemeinde Jemgum gut im Plan – auch soweit es die Investitionssumme angeht. Von den veranschlagten 430.000 Euro, von denen rund 90 Prozent mit einem Zuschuss gefördert werden, dürfte wohl etwas übrig bleiben. „Zumindest beim Budget liegen wir voll im Plan“, betont der Rathauschef.

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