Wochenglosse  Zweigleisig abwehrbereit

Karin Lüppen
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Eine Kolumne von Karin Lüppen
| 09.08.2025 09:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Deutschland wird von Boris Pistorius kriegstüchtig gemacht. Zum Glück gibt es genug Rüstungsprojekte vor der Haustür. Eine Glosse

Wir können Donald Trump nicht dankbar genug sein. Ohne ihn müssten wir bis zum nächsten Urknall warten, bevor der Bundeshaushalt genug Geld hergäbe, um zum Beispiel neue S-Bahngleise zwischen Ahrensburg und Hamburg zu legen. Oder der Bau der Schienenanbindung zum Fehmarnbelt-Tunnel finanzierbar wäre. Nun läuft es: Unsere Freiheit wird nicht länger am Hindukusch verteidigt, sondern am S-Bahn-Halt Pulverhof. Denn der Gleisbau wird von Verteidigungsminister Boris Pistorius zum Rüstungsprojekt erklärt. Auf diese Weise können wir locker drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Rüstung verplanen.

Für die Landesverteidigung brauchen wir dringend den Radweg zwischen Oldersum und Riepe – für Fahrradkuriere mit eiligen Depeschen. Man weiß ja, dass in einem künftigen Krieg die Nachrichtennetze als erstes lahmgelegt werden. Der Sous-Turm in Aurich wird saniert und auf Hochglanz poliert – mit den drehbaren Elementen werden feindliche Piloten geblendet. Moorvernässung wird zum Rüstungsprojekt, unsicheres Terrain wurde schon Varus zum Verhängnis. Die Eisenbahnbrücke in Emden ist von überragender Bedeutung für den Verteidigungsfall. Über das rötterige Bauwerk kriegt man keinen Panzer heile rüber, also wird sie aus Edelstahl neu gebaut, mindestens zweigleisig. Zum Dank erhält sie den Namen „Pistoriusbrücke“.

die Autorin erreichen Sie unter k.lueppen@zgo.de

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