Gastronomie im Wandel Zu wenige Restaurants in der Krummhörn?
Wer in Rysum Lust auf Kuchen hat, steht oft vor verschlossenen Türen, bemängelt eine Nutzerin bei Facebook. Mit diesem Problem ist die Gemeinde Krummhörn nicht allein.
Krummhörn - Dass im ländlichen Raum Gastronomiebetriebe schließen müssen, ist keine neue Entwicklung. Eine Nutzerin bei Facebook ärgerte sich jüngst darüber, dass man in der Krummhörn, wenn man nicht gerade in Greetsiel ist und abends etwas essen gehen möchte, mindestens fünf Kilometer weit fahren müsse. „Gerade für Ältere, die im Urlaub nicht kochen wollen, ist das sehr schlecht“, schreibt sie. In ihrem Post bezieht sie sich insbesondere auf das gastronomische Angebot in Rysum.
Das bei vielen so beliebte Gasthaus am Markt in Rysum hat nämlich nur noch eingeschränkt geöffnet. Gleiches gilt für das Café Rundherum im Fuhrmannshof. Das Restaurant „Rysumer Plaats“ ist seit dem Sommer 2024 geschlossen. Das ehrenamtlich betriebene Mühlencafé ist lediglich an den Samstagnachmittagen von Mai bis Oktober geöffnet. Wer spontan Lust auf ein Stück Kuchen oder ein gemeinsames Abendessen hat, steht also oft vor verschlossenen Türen oder muss sich auf eine längere Fahrt einstellen. Besonders für ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind, ist das ein Problem.
Gastronomisches Angebot in ländlichen Regionen deutlich ausgedünnt
Wiebke Leverenz, Sprecherin der Ostfriesland Tourismus GmbH, sieht die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. „Wenn ein Ort kein touristischer Hotspot ist, dann gibt es dort natürlich auch weniger Angebote“, sagt sie auf Nachfrage. Kein Gastronom könne einen Betrieb führen, wenn es nicht die nötige Kundschaft gebe. „Gerade in Zeiten von Personalmangel und gestiegenen Kosten müssen die Betriebe natürlich schauen, dass sie eine gute Auslastung haben.“
Die Situation in Rysum ist kein Einzelfall. Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Niedersachsen ist das gastronomische Angebot in vielen ländlichen Regionen deutlich ausgedünnt. Traditionsreiche Lokale, die vorher Teil des Dorflebens waren, mussten schließen oder öffnen nur noch an wenigen Tagen, zu eingeschränkten Uhrzeiten oder ausschließlich für Veranstaltungen und an Feiertagen. Die Suche nach Nachfolgern gestaltet sich schwierig und oft stehen Betriebe, wie aktuell zum Beispiel auch die Mühle in Uttum, leer, weil sich kein neuer Pächter findet. Wer ein Café oder Restaurant betreibt, muss genau kalkulieren.
Stimmung in der Gastronomie allgemein eher schlecht
Die Herausforderungen der Gastronomie sind enorm, wie auch die aktuelle Saisonumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg zeigt. Zwar sei der Start der Saison 2025 dank des guten Wetters über Ostern vielversprechend gewesen, doch die Stimmung in den Betrieben sei trotzdem verhalten.
24 Prozent der befragten Betriebe bewerten die aktuelle Lage, ähnlich wie im Vorjahr, als gut, 48 Prozent als befriedigend und 28 Prozent als schlecht. Die Umsätze sind nach Einschätzung der Befragten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Vor allem heimische Gäste gaben weniger Geld aus, aber auch Urlaubs- und Geschäftsreisende. Auch die Erwartungen an die Saison sind eher bescheiden. So erwarten 44 Prozent eine ungünstigere Geschäftsentwicklung, 21 Prozent eine günstigere, 36 Prozent eine gleichbleibende Geschäftslage. In der Gastronomie erwartet sogar jeder zweite befragte Betrieb eine Verschlechterung.
Kunden achten mehr aufs Geld
Ein Hauptgrund für die schlechte Stimmung sind laut IHK die hohen Kosten. Vor allem die hohen Arbeitskosten, also Löhne und Versicherungen, bereiteten den Gastronomen große Sorgen – erstmals werden sie als größtes Risiko für die Geschäftsentwicklung genannt. 83 Prozent der befragten Betriebe sehen hierin die größte Gefahr, dicht gefolgt von steigenden Energie-, Rohstoff- und Lebensmittelpreisen. Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und der anhaltende Personalmangel drücken auf die Stimmung.
Nach einem Bericht der Deutschen Presseagentur liegen die Gründe für diese Entwicklung auch in der Coronazeit. Das Gastgewerbe war einer der Wirtschaftszweige, die am stärksten von der Pandemie betroffen waren. Viele Fachkräfte orientierten sich im Zuge dessen in andere Berufe oder Branchen um. Auch Jahre nach der Pandemie kommt die Branche teilweise noch immer nicht auf die Beine. Neben den Personalproblemen sparten auch die Kunden zuletzt vielfach bei der Nutzung gastronomischer Angebote. Jeder Dritte gab an, dabei in den vergangenen Jahren stärker auf den Preis geachtet zu haben.
Durchaus auch Gastronomieangebote außerhalb von Greetsiel
Obwohl die Aussichten nicht gerade rosig sind, zeigt sich Wiebke Leverenz von der Ostfriesland Tourismus GmbH trotzdem nicht hoffnungslos: „Ein bisschen was findet man eigentlich immer.“ Insbesondere von dem zunehmenden Fahrrad- und Aktivtourismus, an den auch viele Orte in der Krummhörn angebunden sind, profitieren auch die Einheimischen.
Und: In der Krummhörn gebe es ja durchaus auch gastronomische Angebote außerhalb des Hotspots Greetsiel. Da wäre etwa Campen mit dem Angebot am Leuchtturm oder am Landwirtschaftsmuseum, das Burgcafé in Groothusen, das gastronomische Angebot am Trockenstrand sowie die Pizzeria in Upleward, das Eiscafé, die Pizzerien sowie das Grillstübchen in Pewsum, die Alte Brauerei und der Nienhof in Pilsum.