Campingplatz am Ottermeer Sorgt das schlechte Wetter für eine Camper-Flaute in Wiesmoor?
Macht der regnerische Sommer den Campingplätzen einen Strich durch die Rechnung? Wir waren am Ottermeer und haben bei Campingplatz-Chefin Anita Blöchl nachgefragt.
Wiesmoor - Auf dem Campingplatz am Ottermeer in Wiesmoor ist es still. Alles schläft. Es ist 22 Uhr. Man liegt in seinem dicken Schlafsack und hört, wie der Regen auf die Zelte prasselt. Die Szene klingt wie aus einem Roman, den man in eben diesem Zelt gemütlich lesen könnte. Gemütlich ist es aber nicht mehr, wenn man sich wirklich aus seinem warmen Schlafsack schälen und aus dem Zelt treten muss.
Dann denkt man sich wahrscheinlich eher: „Warum hab ich mich für einen Camping-Urlaub entschieden?“ Sorgt das schlechte Wetter also dafür, dass weniger Besucherinnen und Besucher auf dem Campingplatz sind? Oder tauscht man das Zelt in diesem Sommer einfach gegen einen Bungalow?
Gäste trotzen dem Schietwetter
Anita Blöchl ist die Leiterin des Campingplatzes am Ottermeer. Sie ist gerade aus dem Urlaub wiedergekommen – da hat es auch nur geregnet. In einer kurzen Pause zwischen zwei Terminen steht sie an einem Tisch draußen vor der Rezeption. Nur mal kurz die wenigen Sonnenstrahlen genießen, sagt sie lachend. Das geht nicht nur ihr so.
Einige Camperinnen und Camper fahren mit Fahrrädern oder laufen an dem Tisch vorbei. Auch sie scheinen den selten gewordenen Sonnenschein ausnutzen zu wollen. So wenige Gäste gebe es auf dem Platz aber gerade gar nicht: „Wir haben eine gute Auslastung“, sagt Blöchl – trotz des regnerischen Sommers. Eine Veränderung gebe es trotzdem: das Campingverhalten. Vor noch drei Jahren hätten die Menschen weit im Voraus gebucht. „Jetzt sind sie eher spontaner“, berichtet die Campingplatz-Leiterin.
Eine weitere Besonderheit: Die Besucherinnen und Besucher bleiben kürzer, kommen dafür aber öfter. Früher hätten die Gäste ihre Zelte gerne für mehrere Wochen aufgeschlagen. Jetzt campen sie oft nur vier oder fünf Nächte, berichtet Blöchl. „Wir haben zwar viele Gäste aus NRW, aber auch aus dem Emsland, dem Ammerland, Aurich und Leer.“ Das Ostfriesland vor allem für die Menschen aus NRW ein beliebtes Reiseziel ist, bestätigte auch der letzte Tourismusatlas der Statistischen Landesämter.
Freizeitangebot lockt nach Wiesmoor
Auch die Freilichtbühne spiele eine entscheidende Rolle bei der Auslastung des Campingplatzes. Sie ist nur einen kurzen Fußmarsch vom Campingplatz entfernt. Wenn dort größere Veranstaltungen stattfinden, sei die Auslastung laut Blöchl sehr hoch. Besonders am Wochenende.
Aber Campen bedeutet nicht gleich Zelten. Auf dem Campingplatz am Ottermeer stehen viele Wohnmobile, Wohnwagen und auch Bungalows. Letztere kann man mieten, genauso wie einige Wohnwagen, die bald kommen sollen. Das ist zumindest eine neue Idee des Campingplatzes: „Wir gucken immer, was man noch besser machen kann“, sagt Blöchl. Sie zieht ihr Handy aus der Hosentasche und entschuldigt sich kurz. Sie muss noch schnell etwas klären. Nach einigen Sekunden steckt sie das Handy wieder weg. „Es ist immer etwas los“, sagt sie mit einem Lachen auf dem Gesicht.
Dieser Artikel ist Teil des Projekts „Ausgesetzt in Wiesmoor“. Eine Woche lang sind Nachwuchsjournalisten dieser Zeitung in der Blumenstadt unterwegs. Ihr „Lager“ ist der Campingplatz. Ihr Ziel: ganz nah an den Menschen, kreativ im Erzählen und offen für Unerwartetes sein. Täglich stellen sie sich neuen journalistischen Herausforderungen und berichten multimedial auf allen Kanälen. Fragen, Themenvorschläge oder Feedback gerne an c.hock@zgo.de.Volo-Projekt: Ausgesetzt in Wiesmoor