Kleiderordnung für Touristen  Im Bikini durch die Innenstadt?

Petra Herterich
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Von Petra Herterich
| 05.08.2025 14:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der französische Badeort Les Sables- d’Olonne verbietet nackte Oberkörper in den Straßen - Badekleidung ist nur am Strand erlaubt. Foto: Nicolas Mollo/AP/dpa
Der französische Badeort Les Sables- d’Olonne verbietet nackte Oberkörper in den Straßen - Badekleidung ist nur am Strand erlaubt. Foto: Nicolas Mollo/AP/dpa
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In vielen südeuropäischen Urlaubsorten drohen zum Teil saftige Strafen für zu freizügige Kleidung. Auch in Ostfriesland sind Ordnungsgelder für halbnackte Touristen möglich.

Ostfriesland - Im Urlaub möchten manche Menschen am liebsten nur in Bikini oder Badehose herumlaufen – sofern es das Wetter zulässt. Vor allem in den südlichen Ländern bummeln Touristen in Badekleidung und barfuß über Promenaden, essen halb nackt in Restaurants oder gehen einkaufen. An einigen Urlaubszielen will man das nicht länger hinnehmen: Orte in Italien, Spanien, Kroatien oder Portugal haben inzwischen teils empfindliche Strafen für unangemessene Kleidung verhängt. Jetzt zog auch Frankreich nach – und Ostfriesland?

Restaurants achten auf gepflegtes Erscheinungsbild ihrer Gäste

In Ostfrieslands Urlaubsgebieten ist das bisher kein Thema – nicht mal bei Sonnenschein. „Mir ist nichts bekannt, was darauf hindeuten würde, dass unzureichend bekleidete Urlauber auf Norderney ein Problem darstellen oder diesbezüglich besondere Auffälligkeiten zu beobachten wären“, teilt Bürgermeister Frank Ulrichs auf Nachfrage der Redaktion mit. „Unsere klimatischen Bedingungen unterscheiden sich allerdings auch deutlich von denen Südeuropas“, merkt er an. „Ein Anlass, sich wärmebedingt außerhalb des Strandes oberkörperfrei in der Öffentlichkeit zu zeigen, ergibt sich hier also eher selten, wenngleich dass im Sommer bei jungen Leuten immer mal zu beobachten ist, aber dann eher in Bereichen, wo es keinen Anstoß nimmt.“

Eine offizielle Regelung zum Thema Kleidung gebe es auf Norderney nicht. „Gleichwohl ist es gelebte Praxis, dass Restaurants und Cafés mit einem gewissen Anspruch auf ein gepflegtes Erscheinungsbild ihrer Gäste achten“, betont Ulrichs. „Ein nackter Oberkörper wird dort in aller Regel eher nicht geduldet, ist aber wie gesagt auch kein alltägliches Problem.“

Norderney weist auf geltende Umgangsformen hin

Gäste, die sich auf der Insel „unangemessen oder respektlos“ verhalten, werden „freundlich, aber bestimmt auf die geltenden Umgangsformen hingewiesen“, so der Bürgermeister.

Sein Kollege auf Borkum hat bisher auch keine Beschwerden über spärlich bekleidete Urlauber im Stadtgebiet erhalten. „Es gibt hier weder eine Kleiderordnung noch sind Beschwerden über zu viel Haut bekannt“, teilt Bürgermeister Jürgen Akkermann kurz und bündig mit.

Frank Ulrichs, Bürgermeister der Stadt Norderney, weist Gäste wenn nötig auf „geltende Umgangsformen“ hin. Foto: Sina Schuldt/dpa
Frank Ulrichs, Bürgermeister der Stadt Norderney, weist Gäste wenn nötig auf „geltende Umgangsformen“ hin. Foto: Sina Schuldt/dpa

Auch am Erscheinungsbild der Urlauber auf dem Festland, beispielsweise in Greetsiel, gibt es bisher nichts zu meckern. „In unserer Gemeinde sind uns keine Beschwerden bezüglich unangemessener Bekleidung bekannt. Insofern gab und gibt es für uns keinen Anlass, dazu Regelungen zu erlassen“, erklärt Hilke Looden, Bürgermeisterin der Gemeinde Krummhörn. „Ich denke, die Krummhörn oder auch nur Greetsiel sind bei diesem Thema mit den Urlaubsorten in Südeuropa nicht vergleichbar.“

In Badesachen durch Innenstadt schlendern kann teuer werden

Sollte es in Ostfriesland trotzdem noch so heiß werden wie in Südeuropa und die Urlauber die Hüllen bis auf die Badekleidung fallen lassen, gilt: „Wenn jemand in Badebekleidung durch die Innenstadt läuft, könnte dies unter Umständen als ,Belästigung der Allgemeinheit’ gewertet werden – insbesondere, wenn sich andere dadurch erheblich gestört fühlen – und als Ordnungswidrigkeit bei Verstoß gegen die öffentliche Ordnung geahndet werden“, erklärt Brigitte Hainzer, Leiterin Marketing bei der Tourismus-Agentur Nordsee GmbH. In privaten Räumen oder Einrichtungen wie Supermärkten könne Badebekleidung per Hausordnung untersagt sein, erläutert sie.

Das sei aber eher ein Thema bei touristischen Hotspots in Südeuropa, etwa in Städten, in denen viele Kreuzfahrtschiffe stoppen, weiß Hainzer. Trotzdem gelte es auch in der Urlaubsregion an der Nordseeküste, „die Gäste dafür zu sensibilisieren, dass sie sich in einem Lebensraum von Einheimischen bewegen und Rücksicht nehmen“, betont Hainzer. „Dies ist zunehmend ein Thema, mit dem sich auch die Touristiker und Touristikerinnen der Niedersächsischen Nordseeregion beschäftigen“, teilt sie mit.

Orte in Südeuropa kassieren bis zu 2500 Euro bei Verstößen

Bei den Nachbarn an der Ostsee gelten übrigens auch schon Bekleidungsregeln. So müssen Touristen im polnischen Teil der Insel Usedom mit einer Geldstrafe rechnen, wenn sich jemand in der Stadt Swinemünde über zu viel nackte Haut beschwert. Laut polnischem Gesetz müsse man den Oberkörper zwar nicht komplett bedecken, schreibt die „Ostsee Zeitung“. Wenn jedoch ein solches Verhalten bei jemandem Beleidigung oder Anstoß erregt, kann das zu einer Geldstrafe von bis zu 1500 Zloty (rund 345,50 Euro) führen. Im Vergleich zu einem Verstoß im portugiesischen Albufeira geradezu ein Schnäppchen - dort kostet ein Bummel in Badekleidung laut Medien bis zu 1500 Euro, im spanischen Malaga noch immerhin die Hälfte, bis zu 750 Euro.

Auf Borkum hat es bisher keine Beschwerden über spärlich bekleidete Urlauber im Stadtgebiet gegeben. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Auf Borkum hat es bisher keine Beschwerden über spärlich bekleidete Urlauber im Stadtgebiet gegeben. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Auch für das richtige Schuhwerk gibt es inzwischen Vorschriften: In der italienischen Touristenregion Cinque Terre an der ligurischen Küste gilt ein striktes Verbot für das Tragen von Flip-Flops auf den Wanderwegen, wie der Nationalpark auf seiner Website informiert. Wer mit ungeeignetem Schuhwerk erwischt wird, muss mit empfindlichen Strafen zwischen 50 und 2500 Euro rechnen. Im Badeort Portofino hingegen ist es auch verboten, barfuß durch die Altstadt zu laufen.

Zuletzt hatte der französische Badeort Les Sables-d’Olonne an der Atlantikküste seine Strandgäste zu angemessener Kleidung auf den Straßen ermahnt und ein Bußgeld von 38 Euro angedroht. Bürgermeister Yannick Moreau sagte laut der Deutschen Presse-Agentur, es sei eine Frage des Respekts gegenüber den Einwohnern, die nicht wollten, dass man halbnackt durch ihre Stadt laufe, und eine grundlegende Regel der öffentlichen Hygiene auf Märkten und in Geschäften. Moreau betonte in Richtung der Touristen: „Um Ihre Brustmuskeln und Ihre schönste Badehose in Les Sables-d’Olonne zur Schau zu stellen, stehen Ihnen elf Kilometer Strand zur Verfügung.“

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