Gerüchte um Anlage Die Ängste der Nortmoorer – und was Tennet dazu sagt
In Nortmoor wundern sich viele Menschen über das geplante Großprojekt von Tennet. Zu den Gerüchten äußert sich die Firma nun. Einige Ängste davon scheinen unbegründet zu sein.
Nortmoor - In Nortmoor blicken viele Anwohner mit Sorge auf das geplante Multiterminal-Hub von Stromnetzbetreiber Tennet. Es könnte hier Realität werden. Fest steht das jedoch noch nicht, betont Tennet auf Anfrage ausdrücklich.
Trotzdem wird innerhalb der Gemeinde schon viel über das Projekt gesprochen und darüber, welche Risiken es mit sich bringt. Diese Zeitung hat die Ängste aufgelistet und Tennet nach einem Statement gefragt.
Abstand zu Wohngebieten
Vorwurf: Die Anlage wird nur wenige Meter von den Wohnhäusern entfernt stehen.
Tennet: Ziel der Planung ist es, möglichst große Abstände zu Wohnhäusern einzuhalten. Die konkrete Anordnung der Gebäude auf der Fläche wird erst in späteren Verfahrensschritten entwickelt, noch befinden wir uns in der grundsätzlichen Prüfung der Standorteignung.
Stromleitungen
Vorwurf: Die Stromleitungen werden quer durch das Dorf gehen, über Häuser und Felder.
Tennet: Es ist ausgeschlossen, dass Leitungen durch die Siedlung geführt werden, denn Überspannungen von Wohngebäuden sind grundsätzlich verboten. Ein wichtiges Ziel der Planung ist, größtmögliche Abstände zu Wohnbebauung zu halten.
Dauerbeleuchtung
Vorwurf: Die Anlage wird Tag und Nacht beleuchtet sein.
Tennet: Die Anlage wird nach derzeitigem Stand grundsätzlich nicht beleuchtet sein. Eine Beleuchtung ist nur in Ausnahmefällen erforderlich, da die Anlage fernüberwacht und ohne permanente Personalbesetzung betrieben wird.
Geräuschpegel
Vorwurf: Die Anlage und die Freileitungen werden zu laut sein und die anliegenden Bürger stören.
Tennet: Die Anlage wird alle gesetzlichen Grenzwerte einhalten, das ist Voraussetzung für die Genehmigung gemäß Bundesimmisionsschutzverordnung (BImSchV). Aufgabe der technischen Planung ist es, die Geräusche zu minimieren. Je nach Witterung können Freileitungen im unmittelbaren Umfeld wahrnehmbare Geräusche erzeugen, auch deshalb sollen sie mit möglichst großem Abstand zu Wohnbebauung geführt werden.
Größe
Vorwurf: Mit 20 bis 25 Metern Höhe sind die Anlagen viel zu groß.
Tennet: Wie hoch die Gebäude konkret werden, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.
Anmerkung der Redaktion: „Die Höhe von Konverter und Schaltanlage liegt voraussichtlich zwischen 20 und 25 Metern“, hieß es Anfang Juni noch seitens Tennet auf Anfrage dieser Zeitung.
Aussehen und Natur
Vorwurf: Das Hub und die Strommasten werden hässlich sein und die Natur in Nortmoor zerstören.
Tennet: Bei der äußeren Gestaltung der Anlagen können wir auf lokale Präferenzen Rücksicht nehmen. Beispielsweise können für Hallen Farben gewählt werden, die ins Landschaftsbild passen. Sichtachsen können durch gezielte Anpflanzungen begrünt werden. Ein geringer Eingriff in die Natur und ins Landschaftsbild ist ein wichtiges Kriterium für die Bewertung möglicher Standorte.
Gesundheit
Vorwurf: Durch die Anlage wird Elektrosmog erzeugt. Das schadet der Gesundheit.
Tennet: Für elektrische und magnetische Felder gelten Grenzwerte, deren Einhaltung Voraussetzung für die Betriebserlaubnis ist. Selbst bei Vollauslastung werden diese Grenzwerte in der Regel deutlich unterschritten. Von den Anlagen werden keine gesundheitlichen Auswirkungen ausgehen.
Anmerkung der Redaktion: Das Bundesamt für Strahlenschutz schreibt, dass in diesem Zusammenhang bislang keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit nachgewiesen werden konnten. Gänzlich ausgeschlossen werden können diese allerdings auch nicht. „Insbesondere mögliche Langzeiteffekte werden weiter erforscht“, heißt es.
Pilotprojekt
Vorwurf: Weil das ein Pilotprojekt ist, kann Tennet selbst noch gar nicht wissen, was da auf die zukommt.
Tennet: Umspannwerke und Konverter stellen etablierte Technik dar, mit der Tennet jahrzehntelange und umfangreiche Erfahrungen hat. Bei Multiterminal-Hubs ist lediglich die direkte Verknüpfung von Gleichstromverbindungen innerhalb der Anlage neu, was einen effizienteren Betrieb des Stromnetzes ermöglichen wird.
Entscheidung
Vorwurf: Die Entscheidung, dass das Multiterminal-Hub in Nortmoor gebaut wird, steht schon fest.
Tennet: Das ist nach wie vor nicht der Fall. Derzeit werden im gesamten sogenannten „Suchraum Nüttermoor“ verschiedene Standorte geprüft. In Nortmoor liegt einer dieser Standorte. Ein Zwischenstand dieser Prüfungen wird voraussichtlich im Herbst präsentiert werden können.
So entstehen doch nur Gerüchte
Ein Kommentar von Lars Löschen
Nachdem es am 30. Juni 2025 und am 5. Juli 2025 zwei Proteste in Nortmoor gegen das Vorhaben von Tennet gegeben hat, ist es wieder etwas ruhiger geworden. Doch es wird immer weiter geredet. Die Anwohner sorgen sich um das, was auf sie zukommt. Nun sind es Artikel wie dieser, die zeigen, dass manche Ängste eigentlich unbegründet sind. Nehmen wir die Dauerbeleuchtung, die von einigen Menschen im Gespräch mit dieser Redaktion genannt worden ist. Tennet bestreitet das, will die Anlage grundsätzlich nicht beleuchten. Außerdem macht das Thema Gesundheit und Elektrosmog den Leuten Sorgen. Elektrosmog, also künstliche elektromagnetische Felder, sind im Alltag allgegenwärtig. Etwa gehen sie von unseren Handys aus. Das Bundesamt für Strahlenschutz konnte in diesem Zusammenhang bislang keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit nachweisen. Warum können es dann auf einmal die Anwohner? Doch wie die Firma Tennet mit Informationen spart, ist auch nicht richtig. Auf einmal kann nicht mehr genannt werden, wie groß die Anlage wird. Zudem gibt es bei der Standort-Frage – also wo das Multiterminal-Hub stehen wird – von Tennet immer noch nichts genaueres. Mit Verlaub, aber genau so entstehen Gerüchte. Und das kann doch nicht im Interesse der Firma sein. Den Autor erreichen Sie unter l.loeschen@zgo.de.