Einkaufen im Wandel Wie Auricher Einzelhändler mit Onlineshopping konkurrieren
Onlineshopping boomt, der lokale Einzelhandel hat es immer schwerer. Das tun die Auricher Unternehmer, um der Dominanz des Onlinehandels zu trotzen.
Aurich - Seit etwas mehr als 30 Jahren gibt es den Online-Handelsriesen Amazon. Seither hat Onlineshopping immer mehr an Relevanz gewonnen. Wie geht es Einzelhändlern in Aurich damit? Kaufen noch genug Menschen vor Ort? Wie bindet man Kunden an den stationären Laden, wenn das Onlineshopping nur einen Klick entfernt ist? Wir haben mit einigen Auricher Einzelhändlern gesprochen.
Lokaler Einzelhandel als Mittel gegen Einsamkeit
„Wenn man den Kundenkontakt verliert, verliert man die Innenstädte“, sagt Susanne Kranz, Inhaberin der Buchhandlung am Wall. Der Laden ist selbst schon mit einem eigenen Shop in den Onlinehandel eingestiegen. Man merke aber trotzdem, dass der Onlinehandel Konkurrenz für den Laden und die gesamte Innenstadt ist, sagt Mitarbeiterin Lilian Musa. Vor allem in der Corona-Pandemie hätten viele Buchhandlungen ihre Onlineshops genutzt, um den Umsatz mit möglichst wenig Kundenkontakt zu sichern.
Kranz betont den direkten Kundenkontakt als wichtigstes Merkmal des stationären Einzelhandels. Man müsse den Kunden Möglichkeiten bieten, die das Internet nicht bieten kann. In der Buchhandlung am Wall gebe es mittlerweile Stammkunden, deren Präferenzen die Mitarbeiter beim Bestellen neuer Bücher berücksichtigen.
„Für mich ist es total wichtig, dass man die Leute vom Onlinehandel wegkriegt und wieder in die Stadt“, sagt Kranz. Dabei sei ihr nicht nur wichtig, dass die Leute bei ihrer Buchhandlung kaufen, sondern auch, dass sie die sozialen Kontakte nicht verlieren. „Auf unserem Sofa hier im Laden sitzen oft Menschen, denen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt“, sagt Kranz. Der Onlinehandel schüre ihrer Meinung nach die Einsamkeit vieler Menschen, die ohnehin schon zu einem großen Thema geworden ist.
Eine Strategie, die in der Buchhandlung am Wall gut funktioniert, seien die vielen Veranstaltungen, die dort angeboten werden. „Wir wollen den Leuten etwas bieten, das ihnen Lust macht, vom Sofa aufzustehen“, so Kranz. Die Kunden bringen den Mitarbeitern dafür viel Dankbarkeit entgegen, sagt sie.
Silomon setzt auf maximale Kundennähe
Auch bei einem der größten Auricher Einzelhändler, dem Modehaus Silomon, macht sich der Einfluss des Onlinehandels bemerkbar. Für Silomon sei das aber „kein Grund zur Sorge“, sagt Sascha Zitz, Geschäftsführer für Einkauf und Verkauf. „Persönliche Beratung, gelebter Service und echte Kundennähe“ seien Silomons größte Stärken, so Zitz. Das lasse sich online nicht ersetzen. Unter anderem wird diese Philosophie durch „Personal Shopping“ umgesetzt. Kunden können einen Termin bei einem Modeberater buchen. Das soll das Einkaufen bei Silomon möglichst persönlich gestalten.
Bei Silomon beobachte man als Konsequenz von Onlineshopping zum Beispiel, dass Kunden mit immer konkreteren Vorstellungen in den Laden kommen. Die Kunden informieren sich oft vorab im Netz, bevor sie bei Silomon nach neuen Kleidern suchen, so Zitz. Das sehe man als Chance. „Wir helfen unseren Kundinnen und Kunden dabei, ihre Ideen zu konkretisieren und das perfekte Outfit gemeinsam zu finden,“ sagt er. „Wir glauben daran, dass man von seinen Kundinnen und Kunden lernen muss.“ Die Wünsche der Kunden stets zu erfüllen sei eine der größten Aufgaben für die Mitarbeiter von Silomon.
Man habe sich aus Überzeugung bewusst gegen einen Silomon-Onlineshop entschieden, so Zitz weiter. „Wir wollen präsent, nahbar und ansprechbar sein.“ Ähnlich wie die Buchhandlung am Wall setzt auch Silomon auf besondere Veranstaltungen, die Kunden in den Laden lockt. Der „Echte Freunde“-Abend, spezielle Modenschauen oder der „Premium Brunch“ sollen dafür sorgen, dass „Mode, Austausch und Gemeinschaft auf besondere Weise zusammenkommen.“
Riechen und Schmecken kann man nur im Laden
Die Teemanufaktur in der Burgstraße setzt neben persönlicher Beratung auf das Einkaufen mit allen Sinnen. Versandt wurden die selbstgemischten Tees schon immer in ganz Deutschland. Mittlerweile auch über einen eigenen Onlineshop. Doch die Stammkunden, die gerne Tee bestellen, kennen ihn meistens aus erster Hand. In den Läden in Aurich und Norden darf an jeder Teemischung gerochen werden. Und probieren kann man sie. Wer einmal vom Tee der Manufaktur überzeugt ist, der nutzt danach auch den Onlineshop, sagt Mitarbeiterin Beate Hansen. Stammkunden, sogenannte „Wiederholungstäter“, bekommen besondere Rabatte. Dadurch werden sie noch stärker an die Teemanufaktur gebunden.
Trotzdem merken die Mitarbeiter auch hier, dass das Kaufverhalten anders geworden ist, so Hansen. Gerade die hohen Preise für die besonderen Waren in den Läden schrecken Besucher ab. „Wenn größere Läden ähnliche Ware viel günstiger anbieten, als wir es können, ist das natürlich geschäftsschädigend“, sagt sie. Der Tee, den die Manufaktur produziert, sei aber quasi „konkurrenzlos“, da die Teemischungen eben selbst gemischt werden. Außerdem legen die Mitarbeiter Wert darauf, mit den Kunden das Gespräch zu suchen, sobald sie den Laden betreten. „Wir stehen auf keinen Fall in der Ecke und warten, bis wir angesprochen werden“, sagt Hansen. „Und die Kunden freuen sich immer, wenn sie das Produkt, das sie kaufen, vorher probieren dürfen.“
Ihre Meinung ist gefragt?
Kaufen sie lieber lokal oder im Internet? Welche Produkte kaufen sie lieber lokal, bei welchen bevorzugen sie Onlineshops? Schicken sie uns ihre Meinung an: eva.vanloh@on-online.de.