Hundesuchhilfe Ostfriesland Warum Auslandshunde so oft weglaufen
Die Hundesuchhilfe Ostfriesland rückt aus, wenn Hunde weggelaufen sind. Fast immer sind es Auslandshunde. Diese Einsätze haben dramatisch zugenommen.
Norden - Anke Klopsteg aus Norden hat so ihre Erfahrungen mit Auslandshunden – ihren Verein „Hundesuchhilfe Ostfriesland“ hat sie praktisch eigens zum Einfangen solcher Tiere gegründet. „Ja“, schreibt Klopsteg auf eine schriftliche Nachfrage, „90 Prozent unserer Fälle sind Auslandshunde.“ Also Hunde, die von Tierschutzvereinen aus dem Ausland – zum Beispiel Bulgarien, Rumänien, Türkei, Spanien – nach Deutschland importiert werden, um ihnen hier ein besseres Leben zu ermöglichen.
In der Recherche zu solchen Auslandshunden in Ostfriesland führt die Spur schnell zu Klopstegs Verein. Sie gründete ihn nach eigener Auskunft 2016. Damals habe sie ehrenamtlich in einem Tierheim gearbeitet, erzählt sie, und mitbekommen, dass ein entlaufener Auslandshund wochenlang durch die Gegend lief, ohne dass sich jemand um ihn kümmerte. Ein Zustand, den sie nicht hinnehmen wollte. Aus den ersten Such- und Einfangaktionen wurden schließlich immer mehr. Heute sagt sie: „Das ist zu viel geworden mit den Auslandshunden.“
Auslandshunde – ein paar Zahlen
Anke Klopsteg nennt auch Zahlen zu den Einsätzen des Vereins. Noch vor wenigen Jahren hätten sie in Ostfriesland pro Jahr vielleicht drei- oder viermal ausrücken müssen, um entlaufene Hunde wieder einzufangen. Ab der Corona-Pandemie sei das dann eskaliert. Mittlerweile gebe es drei bis vier Einsätze pro Monat. Dabei seien sie im Moment eigentlich nur zu zweit, sagt sie noch. Tatsächlich hat der Verein Mitte Juli angekündigt, aktuell nur noch nach sogenannten Angsthunden zu suchen. Das sind meistens Auslandshunde. Die Suche nach alten oder gesundheitlich angeschlagenen Tieren wird nicht übernommen.
Eine Nachfrage beim Veterinäramt Jade-Weser bestätigt die Wahrnehmung der Vereinsvorsitzenden über die drastische Zunahme an Auslandshunden. Der Zweckverband ist für die Landkreise Wittmund, Friesland und Wesermarsch sowie die Stadt Wilhelmshaven zuständig. Für den Kreis Wittmund lieferte das Amt kürzlich konkrete Vergleichszahlen: 2015 kamen hier demnach sechs Importhunde an. 2024 seien es dann schon 50 gewesen. Die Zahl hat sich also innerhalb weniger Jahre verachtfacht.
Auslandshunde – warum sie weglaufen
Natürlich sind auch Auslandshunde nicht alle gleich. Viele, so ist immer wieder aus Tierschutzkreisen zu hören, seien zutraulich und zugewandt und eine große Freude für ihre neuen Besitzer. Allerdings gebe es unter ihnen eben auch die sogenannten Angsthunde. Diese Tiere, erklärt Klopsteg, hätten kein Zutrauen zu Menschen und möglicherweise in ihrem bisherigen Leben auch kaum Berührung mit Menschen gehabt.
„Wenn die dann nach einem 20- oder 30-Stunden-Transport in einer Box hier ankommen, sind die total verstört“, sagt sie. Seien die Hunde dann nicht ordentlich gesichert – etwa mit Sicherheitsgeschirr und zusätzlicher Leine –, würden sie schnell weglaufen. Entweder gleich bei der Übergabe oder wenig später aus dem neuen Zuhause. Sie wieder einzufangen sei oft nicht einfach, da die Tiere bei jedem Annäherungsversuch wieder wegliefen. Der Verein nutzt deshalb große Käfige, in die die Hunde mit Futter gelockt werden.
Auch das Veterinäramt Jade-Weser geht in seiner Stellungnahme auf das Vermitteln solcher Angsthunde ein. Das seien oft Tiere, die für das Leben im engen Kontakt mit Menschen gar nicht sozialisiert seien, heißt es. Tatsächlich bewertet das Amt eine solche Vermittlung sogar als tierschutzwidrig. Diese Hunde würden aufgrund der dauerhaften Überschreitung ihrer Anpassungsfähigkeit erheblich leiden, heißt es zur Begründung.
Auslandshunde – worauf Interessenten achten sollten
Klopsteg übt im Gespräch mit dieser Zeitung auch deutliche Kritik: „Es gibt Vereine, die unbedacht Auslandshunde holen und sich dann nicht mehr kümmern, wenn es bei den neuen Besitzern Probleme gibt“, sagt sie. Und dann gebe es natürlich auch Leute, die sich völlig unbedarft einen solchen Hund holen. „Dabei muss man immer mit allem rechnen, da kommt ja eigentlich eine Art Überraschungspaket“, sagt sie.
Wichtig sei, sich einen seriösen Verein zu suchen, der vielleicht auch mit Pflegestellen zusammenarbeite. Also mit Leuten, die das Tier möglicherweise erst mal übernehmen, sollte es mit den neuen Besitzern nicht klappen. Konkrete Tipps, wie man einen seriösen von einem unseriösen Verein unterscheidet, gibt es übrigens beim Deutschen Tierschutzbund.