Aktion für Spenden  Leeraner tätowiert auf Festival – was kommt da unter die Haut?

Vera Vogt
|
Von Vera Vogt
| 25.07.2025 10:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Tätowierer aus Leer hat auf dem Free for all-Festival einige Symbole zu stechen. Foto: Marcel Queder
Der Tätowierer aus Leer hat auf dem Free for all-Festival einige Symbole zu stechen. Foto: Marcel Queder
Artikel teilen:

Der Leeraner Tätowierer Ananda Malte Ayral hat auf einem Festival Leuten Tattoos gestochen. Was kam da spontan unter die Haut und wie läuft sowas ab? Er hat es uns verraten.

Leer - Als Erinnerung, als Statement, als Kunst oder einfach aus einer Laune heraus: So vielfältig wie die Motive sind die Gründe für Tattoos. Kürzlich haben eine ganze Reihe Kurzentschlossene Tinte verpasst bekommen. Der Leeraner Tätowierer Ananda Malte Ayral war beim „Free for all“-Festival mit einem Stand vertreten. Für den guten Zweck sammelte er Geld und Leute sammelten ein weiteres Bild auf ihrer Haut.

Am Stand war der Bär los. Foto: Marcel Queder
Am Stand war der Bär los. Foto: Marcel Queder

Nach einer Befragung des Meinungsinstitutes You-Gov aus 2019 ist allerdings ein Grund fürs Tattoo durch die Bank vorne mit dabei – im Gesamtvergleich und auch im Geschlechtervergleich: Für jeweils ein Viertel (27 Prozent) der befragten tätowierten Frauen und Männer ist ihr Tattoo ein Statement. Für Frauen ist zu 18 Prozent auch die Assoziation und Erinnerung an einen besonderen Menschen Grund für ihre Tätowierung sowie zu 15 Prozent modische Selbstverwirklichung. Knapp ein Zehntel (acht Prozent) der Männer gaben ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe als Begründung an. Bei Frauen trifft diese Aussage nur für vier Prozent zu. Das zeigt sich auch bei den Motiven, die beim Festival besonders beliebt waren. Aber eines nach dem anderen.

Konzentration: Ananda Malte Ayral sticht ein Tattoo auf einem Festival. Foto: Marcel Queder
Konzentration: Ananda Malte Ayral sticht ein Tattoo auf einem Festival. Foto: Marcel Queder

Wie kamen die Tattoos zum Festival?

Seit 2011 ist Ayral in Leer tätig – und manchmal eben einen Tag in Stapelmoor. „Es kam eigentlich rein zufällig so“, sagt er. Mit einigen aus dem Orgateam des Festivals sei er schon lange verbunden, sei selber bei jedem Festival gewesen. „Vor und auch nach der Pause war ich jedes Jahr Besucher“, so der Tätowierer. Man sei ins Gespräch gekommen, man habe die Idee gehabt, einen Tattoo-Stand zum Festival hinzufügen zu wollen. „Ich hatte erst an einen reinen Infostand gedacht, mit Flyern und hatte erst Bedenken, ob das mit dem Tätowieren funktioniert“, sagt er. „Aber ich wollte auch was Cooles für den guten Zweck draus machen.“

Andreas Huisinga vom Orga-Team des Free for all-Festivals und Tätowierer Ananda Malte Ayral sitzen im Zelt. Foto: Marcel Queder
Andreas Huisinga vom Orga-Team des Free for all-Festivals und Tätowierer Ananda Malte Ayral sitzen im Zelt. Foto: Marcel Queder

Aber alles fügte sich, im vergangenen und in diesem Jahr gab es viele zufriedene Kunden. Beziehungsweise Beschenkte. Denn Ayral hat Spenden für die Streunerkatzen Rheiderland (1500 Euro) und die Hospiz-Initiative in Leer (700 Euro) gesammelt. „Wer wollte, konnte spenden, aber jeder konnte seinen Namen in den Lostopf werfen und konnte dann ein Tattoo oder einen Gutschein gewinnen“, sagt er. „Ich bin ein totaler Katzenmensch, so kam ich direkt auf den Tierschutzverein. Mit den Tieren passiert so viel Mist, da dachte ich, ich will was machen. Dann kam mehr Geld zusammen als gedacht. Den Überschuss wollte ich dann in etwas stecken, das für Kinder ist.“

Wie funktioniert es denn mit der Hygiene?

Natürlich kann es draußen nicht so ein sicherer Raum sein, wie in einem Studio, sagt Ayral. Deswegen gebe es extra Einverständniserklärungen, über die den Tattoo-Interessierten das erklärt werde. „Es sind keine Studio-Konditionen, aber natürlich haben wir alles bestmöglich eingerichtet“, so der Tätowierer. Es werde viel desinfiziert und die Tattoos und die Haut auch direkt auf die Belastungsprobe Festival vorbereitet: Die Motive seien klein, „mit möglichst nicht zu vielen Schwarzflächen“, sagt er. So komme es eben auch nicht zu größeren Wunden.

Kleinere Tattoos standen beim Festival für die Losgewinner zur Auswahl. Foto: Marcel Queder
Kleinere Tattoos standen beim Festival für die Losgewinner zur Auswahl. Foto: Marcel Queder

„Außerdem nutzen wir eine Heilsalbe, die auch UV-Schutz hat“, erklärt er. Denn die frischen Tattoos bleiben ja zunächst auch beim Festival. Dann komme noch eine sogenannte „Zweite Haut“ zum Einsatz. Das ist eine Art Schutzfolie, die die frisch tätowierte Haut vor Bakterien und Schmutz schützt und die Heilung unterstützen soll. „Trotzdem sollte man alles nicht übertreiben und muss sie zu Hause einmal abmachen, das Tattoo abwaschen und eincremen“, so der Tätowierer. „Da gibt es auch eine extra Pflegeanleitung von mir. Ich bin ja auch erreichbar bei Fragen“, sagt er. Er habe auch keine Beschwerden gehört, dass ein Tattoo schlecht abgeheilt sei. „Es sind aber auch Leute, die schon einige Tattoos haben.“

Wie funktioniert es mit dem Alkohol?

Gar nicht. „Wer eine Chance auf ein Tattoo haben will, muss nüchtern sein“, sagt er. Und volljährig, schiebt er hinterher.

Kumpel Leon Herdt (vorne) hat bei der Tattoo-Aktion mit angepackt. Foto: Marcel Queder
Kumpel Leon Herdt (vorne) hat bei der Tattoo-Aktion mit angepackt. Foto: Marcel Queder

Was lassen sich Leute spontan stechen?

Kleine Tattoos, das hat Ayral schon erklärt. Er hatte einige Motive vorbereitet. „Eine Schutzrune und der Buchstabe für ‚Kind‘, einen Halbmond, mein Logo und das vom Festival wurden dieses Jahr oft gewählt“, sagt er. Auch Hunde- und Katzenpfoten seien unter die Haut gegangen. „So piktogrammige Sachen“, sagt er.

Ein Tattoo-to-go: Ist das ein Trend?

Ja. Dass bei Festivals, Festen und Feiern Tattoos gestochen werden, ist keine Seltenheit mehr. Auch nicht in Ostfriesland. Bei der Langen Modenacht im September 2023 in Leer konnten sich Kunden, die Waren im Wert von 250 Euro bei Leffers gekauft hatten, im Anschluss ein kostenloses Tattoo im Modehaus stechen lassen. Die Tätowiererin Leila Janssen hatte dafür ihr Equipment aufgebaut und rund 200 Motive vorbereitet.

Auch bei der Gewerbeschau in Moormerland in diesem Jahr war eine Tätowiererin, die an beiden Tagen „Wannado-Tattoos“ anbot. „Dabei handelt es sich meist um Motive, auf die der jeweilige Artist einfach Lust hat, jedoch keinen Kundenwunsch dazu erhalten hat“, schreibt das Tattoo-Magazin Feelfarbig.

Ähnliche Artikel