Straßenbau im Herrentor Jetzt wird Emdens zwölfte Fahrradstraße fertiggestellt
Die Braunsberger Straße wird ab Herbst zur zwölften Fahrradstraße in Emden. Für andere marode Straßen im Stadtteil bleibt die Sanierung aber weiter offen.
Emden - Das Dutzend wird jetzt vollgemacht oder besser: vollendet. Emdens zwölfte Fahrradstraße wird fertiggestellt. Es ist die Braunsberger Straße im Stadtteil Herrentor. 350 Meter der Straße stehen noch aus. Los gehen wird es im September.
Der erste Bauabschnitt vom Abzweig Rudolf-Eucken-Straße/Jahnstraße bis zu dem verjüngenden Rad- und Gehweg hinter dem Sportplatz von FT 03 Emden war bereits Ende des vergangenen Jahres fertig geworden. Jetzt erfolgt also Teil 2 bis zur Einmündung Marienburger Straße. Er wird sich optisch an den ersten anpassen, erläuterte Wolfgang Fecht, Abteilungsleiter für Straßen- und Brückenbau beim Bau- und Entsorgungsbetrieb Emden (BEE), am Dienstagabend, 22. Juli 2025, bei einer Informationsveranstaltung den Anliegern.
Schnellweg zum Herrentor
Doch auch wenn erst einmal nur die Anwohner von den voraussichtlich bis Februar nächsten Jahres andauernden Sanierungsarbeiten betroffen sind: Alle, die künftig per Rad aus Richtung Borssum/Petkumer Straße eine schnelle Verbindung ins Herrentor wollen, können bald eine komfortable Abkürzung nutzen. Es gibt zwei „Auslässe“ an der Lärmschutzwand, die das Herrentor von der Petkumer Straße trennt. Einer ist schon neu asphaltiert. Der zweite folgt nun auch in Kürze.
Auf etwa 655.000 Euro werden die Kosten des zweiten Ausbauabschnitts beziffert. Dafür gibt es einseitig einen neuen gepflasterten Gehweg, 200 Meter neuen Regenwasserkanal, eine neue Fahrbahn mit frischer Asphaltdecke. Statt fünf allumfassend ausleuchtenden Pilzlampen – „bis ins Wohnzimmer“, so Fecht – werden elf LED-Leuchten aufgestellt, die nur noch Gehweg und Straße anstrahlen. Das Straßen- und Tiefbauunternehmen Hermann Jansen aus Aschendorf hat den Auftrag zur Ausführung bekommen.
Kein Ausbau zum Tierheim
Ein Stück weit soll bei dem Ausbau die Zuwegung Richtung Tierheim noch mitberücksichtigt werden. Doch unterhalb der Brücke beziehungsweise dem Autobahnzubringer ist Schluss. Das sei Gebiet der Landesbehörde, erklärte Fecht. Dort dürfe die Stadt gar nichts machen, wenngleich der Weg zur städtischen Straße „Zum Buschplatz“ auch nicht der beste ist. Aber wer weiß? Wenn die Frieslandumgehung einmal fertiggestellt ist, könnte auch diese Landesstraße vielleicht an die Stadt Emden übergehen, sofern sie die denn überhaupt geschenkt haben will.
Nun geht es aber erst einmal um die Sanierung der Bestandsstraßen, für die nach Möglichkeit Fördertöpfe zum Ausbau der Fahrradmobilität angezapft werden. Ob es solche Möglichkeiten auch für andere, dringend sanierungsbedürftige Straßen im Stadtteil Herrentor gibt, ist offen. Die zur Infoveranstaltung erschienenen Stadtteilbewohner nannten dafür insbesondere die Königsberger Straße. Kaum eine Straße in Emden sei in einem schlechteren Zustand.
Eine der schlechtesten Straßen
Straßenbauchef Fecht gab diesem Einwand recht und erklärte, dass er die gesamte Straße schon einmal „durchrechnen lassen“ habe. „Das wird einen mehrfachen Millionenbetrag kosten“, sagte er. Wenn Stadt und Rat dafür das Geld freigeben würden, werde seine Abteilung aber gerne in die Umsetzung gehen. Bis es so weit ist, wolle er auch einen Vorschlag der Anwohner prüfen: eine Einbahnregelung als Rundkurs durch die Hamhuser und Königsberger Straße, um die Verkehrsbelastung zu minimieren.
Dass es sich lohnt, Vorschläge bei Bürgerinformationsveranstaltungen anzubringen, zeigt sich jetzt auch im Nachgang der vor einer Woche veranstalteten Info zur finalen Straßensanierung der Uphuser Straße. Dort hatten Anwohner mokiert, dass es an entscheidender Stelle an einer überdachten Bushaltestelle fehle und die wartenden Schulkinder dort Wind und Wetter aushalten müssten. Hier hat Fecht bereits mit der zuständigen Abteilung gesprochen. Die vorgeschlagene zusätzliche Bushaltestelle werde jetzt eingeplant, sagte Fecht dieser Zeitung.
Die anderen elf Fahrradstraßen
Anders als die Ausfallstraße durch Wolthusen wird die Braunsberger Straße nun also insgesamt zur Fahrradstraße. Das bedeutet natürlich nicht, dass dort nur Fahrräder erlaubt sind. Allerdings: Autos, Motorräder und andere Kraftfahrzeuge dürfen den Radverkehr weder behindern noch gefährden, heißt es vom ADAC. Sie dürfen also nicht drängeln, wenn Radler nebeneinander fahren – was hier ausdrücklich erlaubt ist.
Beim Überholen von Fahrradfahrern müssen Kraftfahrzeuge – das ist aber überall der Fall – immer einen Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten. Ist der Abstand nicht möglich, müssen sie warten. Auch auf Fahrradstraßen gelten aber das Rechtsfahrgebot sowie die üblichen Vorfahrtsregeln wie „rechts vor links“, wenn es nicht anders ausgeschildert ist.
Emdens erste Fahrradstraße war übrigens die Lienbahnstraße, die 2003 als solche freigegeben worden ist. Nach Angaben der Stadt folgten die Straße Außer dem Beckhofstor, die Oldersumer Straße, ein Teilstück des Conrebberswegs, die Straßen Außer dem Nordertor/Am Treckfahrtstief, die Uferstraße, die Grasstraße, die Ziegeleistraße, die Hermann-Löns-Straße sowie die Straße Alte Heringsfischerei. Andere Straßen sollen auch fahrradgerechter ausgebaut werden, beispielsweise die Martin-Faber-Straße. Hier werden Radwege mit aktuell empfohlenen Breiten angelegt sowie farblich gekennzeichnet. Der Stadtrat hat sich die Ziele gesetzt, dass Emden bis 2050 klimaneutral sein soll und der Radverkehrsanteil auf 40 Prozent erhöht wird. Aktuell liegt der Anteil bei etwa 32 Prozent, was im bundesweiten Vergleich bereits sehr hoch ist.