Gefährliche Partydroge Wie reagiert Aurich auf den Lachgas-Trend?
Immer mehr Jugendliche entdecken Lachgas als Rauschmittel. Die Stadt Leer reagiert und verbietet den Verkauf an Minderjährige. Wie sieht es in Aurich aus?
Aurich/Leer - Lachgas gewinnt als Partydroge immer mehr an Beliebtheit – gerade unter Jugendlichen. Der Name klingt harmlos, doch der Konsum kann gefährliche Folgen haben. Zu den möglichen Folgen zählen Schwindel und Kopfschmerzen, aber auch Taubheitsgefühle, Bewusstlosigkeit und im schlimmsten Fall der Tod durch Ersticken. Die Stadt Leer hat deshalb schon ein Verkaufsverbot an Minderjährige beschlossen. Doch wie sieht es in Aurich aus?
Jeder fünfte Jugendliche in Deutschland hat die Droge schon einmal konsumiert. Das besagt eine Untersuchung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Auch in Aurich ist das Rauschmittel angekommen. Besorgte Eltern hatten sich bereits vor einigen Wochen bei dieser Redaktion gemeldet. Sie berichteten vom Lachgaskonsum ihrer eigenen Kinder. Einige Jugendliche konsumierten die Droge demnach regelmäßig, viele andere hätten sie zumindest einmal probiert. Es ist für Minderjährige nicht schwer, an das Lachgas zu gelangen. Es wird beispielsweise in Geschäften verkauft, etwa als kleine Kartuschen für Schlagsahne. Eine Altersbeschränkung für die Abgabe wie beispielsweise bei Zigaretten oder Alkohol gibt es bislang nicht.
Auch Todesfälle gab es schon in der Region. Im November 2024 sind ein 21-Jähriger aus Apen und ein 19-Jähriger aus Oldenburg an den Folgen des Lachgaskonsums gestorben. Nach dem Inhalieren des Gases litten die beiden jungen Männer unter Sauerstoffunterversorgung, was für sie tödliche Folgen hatte.
Kein Verkauf an Jugendliche mehr in Leer
Die Stadt Leer reagierte. Anfang Juni hat der Leeraner Stadtrat einstimmig beschlossen, den Verkauf der Droge an Minderjährige zu verbieten. Das Verbot gelte auch für Automaten und für das unentgeltliche Weitergeben der Droge an Minderjährige, erklärte Bürgermeister Claus-Peter Horst. In Hamburg und seit Neustem in Schleswig-Holstein ist der Verkauf von Lachgas an Jugendliche verboten.
Auch das Bundeskabinett hat sich mit einem Verkaufsverbot befasst. Am 2. Juli 2025 wurde beschlossen, ein entsprechendes Gesetz auf den Weg zu bringen. Auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums heißt es dazu: „Für Kinder und Jugendliche gilt dann ein Erwerbs- und Besitzverbot, der Verkauf an Kinder und Jugendliche und der Verkauf über Automaten und den Versandhandel wird verboten.“
Was sagt die Sucht-Expertin aus Aurich?
Antje Schrader, Suchttherapeutin bei der Drobs Aurich, befürwortet ein Verkaufsverbot für Lachgas. Das Problem sei in Aurich zwar nicht so groß wie in Leer oder in Emden. Trotzdem stelle Lachgas bei häufigem Konsum eine Gefahr dar – gerade für Jugendliche. Wenn sich das Gehirn noch in der Entwicklung befindet, so Schrader, kann übermäßiger Konsum schnell zu neurologischen Schäden führen. Gerade junge Menschen, die mit psychischen und emotionalen Problemen zu kämpfen haben, neigen ihren Worten zufolge dazu, mit dem Konsum der Droge zu übertreiben. Und nicht nur das: Der Konsum von Drogen wie Lachgas führe in späteren Lebensphasen oft zu dem Konsum härterer Drogen. Gerade deshalb seien Regulierung, Aufklärung und Prävention wichtig.
Der Konsum von Drogen aller Art ist gefährlich. Dazu zählt auch Lachgas. Bei Problemen mit Sucht und Drogen hilft die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention (Drobs) in Aurich, Norden, Leer und Emden weiter. Kontakt für Aurich: Telefon: 04941/67967 E-Mail: aurich@drobs.infoHier gibt es Hilfe
Aber warum ist das Problem in Leer und Emden nach Einschätzung der Suchttherapeutin präsenter als in Aurich? Ein Faktor seien die Bahnhöfe, so Schrader: An Bahnhöfen gebe es noch häufiger Kioske und Automaten, an denen die Droge verkauft werde. Dort kämen die Konsumenten zusammen. Ohne Bahnhof gibt es in Aurich so einen Sammelplatz nicht.
Rathaus und Schulen sehen die Lage entspannt
Wie beurteilt man im Auricher Rathaus die Lage? Ist ein Verkaufsverbot von Lachgas an Jugendliche wie in der Nachbarstadt hier ein Thema? Auf Anfrage dieser Redaktion übermittelt Stadtsprecher Cord Cordes eine kurze und eindeutige Antwort des Auricher Ordnungsamtes: „Eine Problemlage bezüglich Lachgas ist in Aurich nicht bekannt“, heißt es. Auch die IGS Aurich sowie das Gymnasium Ulricianum gaben auf eine Anfrage dieser Redaktion an, dass ihnen keine Probleme mit Lachgaskonsum an den Schulen bekannt seien.