Kein Fleischer  Biohof in Not – so kann er gerettet werden

Rilana Kubassa
|
Von Rilana Kubassa
| 22.07.2025 15:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Theo Schneider betreibt seinen Hof seit 2004 in Ostgroßefehn. Seine Tiere sind vor allem alte Haustierrassen, wie hier die Angler Rinder. Foto: Klaus Ortgies
Theo Schneider betreibt seinen Hof seit 2004 in Ostgroßefehn. Seine Tiere sind vor allem alte Haustierrassen, wie hier die Angler Rinder. Foto: Klaus Ortgies
Artikel teilen:

Nach dem Brand einer Fleischerei bei Cuxhaven gibt es bei einem Biobauern in Großefehn einen Notstand. Nun hat Theo Schneider eine Idee, wie es dennoch weitergehen könnte. Er sucht Mitstreiter.

Ostgroßefehn - Bio-Landwirt Theo Schneider (38) gehen die Ideen aus. Wo kann er seine geschlachteten Tiere verarbeiten lassen? Seit am 3. Juni 2025 in Hemmoor im Landkreis Cuxhaven eine Bio-Fleischerei abgebrannt ist, kann er sein Fleisch nicht mehr gemäß den Auflagen veredeln lassen.

Der Grund: In Ostfriesland gibt es kaum noch Betriebe, die das Fleisch seiner Tiere nach den Kriterien für Bio-zertifizierte Produkte verarbeiten dürfen – oder noch Kapazitäten dafür haben. In seinem Biohofladen in der Kanalstraße Nord fehlt es nun zum Beispiel an Schweinefleisch und Wurstwaren.

Rindfleisch ist gerade „ausreichend“ da, sagt Theo Schneider. An Schweinefleisch und anderen Fleischsorten fehlt es aber. Foto: Klaus Ortgies
Rindfleisch ist gerade „ausreichend“ da, sagt Theo Schneider. An Schweinefleisch und anderen Fleischsorten fehlt es aber. Foto: Klaus Ortgies

„Wir finden hier im Umkreis keine Fleischerei“

Zum ersten Mal berichtete diese Zeitung am 17. Juni über das Dilemma, in dem sich der Bio-Landwirt nach dem Brand befand. Damals berichtete sein Mitarbeiter Lars Hassler, der für den Hofladen zuständig ist, bei Instagram von einem Engpass bei den Fleischwaren.

Eine Lösung war damals nicht in Sicht. Was aus der abgebrannten Fleischerei werden würde, war unklar. „Wir finden hier im Umkreis keine Fleischerei“, sagte Schneider. Jetzt hat sich die Situation verschärft. Denn die Fleischerei habe nun entschieden, nicht wieder aufzubauen, berichtet Schneider auf Nachfrage der Redaktion.

Lars Hassler ist seit 2024 für den Hofladen zuständig. Wurstwaren und Eingekochtes können derzeit nicht hergestellt werden. Foto: Klaus Ortgies
Lars Hassler ist seit 2024 für den Hofladen zuständig. Wurstwaren und Eingekochtes können derzeit nicht hergestellt werden. Foto: Klaus Ortgies

Es fehlt an zertifizierten Schlachtereien

Immerhin konnte er mittlerweile eine Lösung für das Zerlegen von Rindfleisch finden. Eine Ladung Burger-Pattys habe er nun nach den Vorgaben herstellen lassen können, erzählt er. Die flachen Frikadellen für Burger brauchte er für eine Veranstaltung am 4. Juli, das „Live Grillen am Hofladen“. Mit Veranstaltungen wie dieser habe man gerade erst angefangen und sie würden gut angenommen.

Die Produktion von Würsten sei aktuell aber nicht möglich. Seine Tiere könnten zwar geschlachtet werden, aber das Fleisch könne nicht zu Produkten verarbeitet werden, erklärt Schneider. Neben 150 Rindern der Rasse Shorthorn sowie einigen Angler- und Glanrindern hält er auch Bentheimer Landschweine, Hühner, Schafe und Ziegen. „Das ist so nicht in meinem Sinn“, meint der Landwirt. „Ich brauche mehr als nur zerlegtes Fleisch.“ Gedacht war es so, dass er die Produkte seiner Tiere im Hofladen verkaufen kann. Dafür braucht eine Fleischerei oder Metzgerei jedoch die nötigen Zertifikate. Aus diesem Grund habe er schon mit der Fleischerei im knapp 150 Kilometer entfernten Cuxhaven zusammengearbeitet, so Schneider gegenüber der Redaktion.

Auf dem Hof von Theo Schneider gibt es auch Schweine. Foto: privat
Auf dem Hof von Theo Schneider gibt es auch Schweine. Foto: privat

Eine Idee aus der Not heraus

Für den Landwirt bedeutet die aktuelle Situation also auf mehreren Ebenen Einbußen. Dass das Fleisch nicht für den Verkauf im Hofladen verarbeitet werden kann, hat nämlich noch weitere Nachteile. Noch stehen die Tiere, die eigentlich schon geschlachtet werden sollen, auf der Weide – das sei kein Problem für ihn, so Schneider. Doch wenn im Herbst die Tiere in den Stall kommen, fehlt es an Platz. Sechs Bullen müssen spätestens dann zum Schlachten gegeben werden. Produkte für den Weihnachtsbetrieb können nun ebenfalls nicht hergestellt werden. Theo Schneider braucht also dringend eine Lösung.

Schon im Juni ließ Schneider eine Idee durchblicken, die ihm und anderen Landwirten aus der Region helfen könnte: „Andere Betriebe aus der Gegend haben ähnliche Probleme“, sagte er im Juni der Redaktion. Würden die sich als Genossenschaft zusammentun und mit einem Schlachter gemeinsam eine Schlachterei gründen, könnte man eine langfristige Lösung finden, meint er.

Jetzt sucht er nach Mitstreitern für eine genossenschaftliche Fleischerei.

Gründung einer Genossenschaft

Wer wie Theo Schneider über eine genossenschaftliche Fleischerei nachdenkt oder die Idee interessant findet, kann sich direkt bei ihm melden:

Telefon: 04943 - 6919836

E-Mail: schneiders@landleckereien.de

Web: https://schneiders-biohofladen.de/

Eine Erzeugergenossenschaft bietet einige Vorteile

Eine Genossenschaft, also eine Unternehmensform, bei der sich mehrere Personen zusammenschließen, um gemeinsam eine Fleischerei zu betreiben, hätte viele Vorteile, nicht nur für hiesige Bio-Landwirte. Bekannt ist das Genossenschaftsprinzip in der Landwirtschaft bereits, etwa in Form der Agrargenossenschaften, deren Mitglieder im Idealfall von dem Zusammenschluss profitieren, indem die Marktposition gestärkt wird. Tun sich, wie in Schneiders Idee, Bio-Landwirte zusammen, um ihre eigenen Produkte herzustellen und zu vertreiben, wäre dies eine Erzeugergenossenschaft.

So etwas gibt es bereits in Nordrhein-Westfalen. Die Biofleisch NRW eG (eingetragene Genossenschaft) gibt auf ihrer Webseite an, dass über 125 Mitgliedsbetriebe einen Zerlege- und Verarbeitungsbetrieb in Bergkamen betreiben. Seit 2001 gibt es die Biofleisch NRW, die mit mehr als 300 Artikeln, darunter über 100 Wurstsorten, für sich wirbt. „Gemeinsam setzen wir uns für Erhalt und Förderung regionaler bäuerlicher Strukturen und den Schutz der natürlichen Ressourcen ein. Die Schlachtung der Tiere erfolgt in regionalen, biozertifizierten Schlachthöfen, um die Transportzeiten so kurz wie möglich zu halten“, heißt es im Online-Auftritt.

Das Problem: Wo findet man einen Fleischer?

Doch so einfach ist es dann doch nicht mit der Genossenschaft. Nicht nur fehlt es an Fleischereien in der Umgebung – sondern vor allem an Menschen, die das Handwerk überhaupt noch betreiben. Seit Jahren beklagt sich die Branche über einen Mangel an Nachwuchs, der zum einen den Beruf noch lernen will und zum anderen die Betriebe weiterführt. Regelmäßig berichtet diese Zeitung von Fleischereibetrieben aus der Region, die ihre Türen schließen.

Dass die Genossenschaftsidee nicht umsetzbar ist ohne einen Fachmann, der das Fleischerhandwerk übernimmt, ist auch Schneider klar. „Das ist die größte Herausforderung“, sagt er. Trotzdem: „Wer Interesse hat, soll sich bei mir melden!“ sagt er. Vielleicht bieten solche Genossenschaften neue Möglichkeiten für die Region.

Ähnliche Artikel