Schwierige Autogramm-Jagd Kickers Emden bietet Werder vor 7200 Fans ordentlich Paroli
Bei besten Wetter boten der Regionalligist und der Bundesligist am Samstag beste Fußball-Unterhaltung. Für die Fans, Trainer und Spieler gab es viele besondere Momente.
Emden - Es war ein Fußball-Fest am Sonnabend im Emder Ostfriesland-Stadion. Bei bestem Wetter sahen 7200 Zuschauer – mehr waren nicht möglich – eine muntere Partie, mit deren Verlauf beide Teams durchaus zufrieden sind. Letztendlich setzte sich der Bundesligist SV Werder Bremen beim Regionalligisten Kickers Emden mit 3:1 (1:1) durch. „Wir haben uns teuer verkauft“, sagte Kickers-Coach Stefan Emmerling. „Wir mussten gegen einen spielstarken Gegner etwas leiden, haben aber nicht viel zugelassen.“ Emmerlings ehemaliger Mitspieler in Duisburg und aktueller Werder-Coach Horst Steffen sprach von einer „ordentlichen Leistung“ des SVW, der im Gegensatz zu Emden erst noch am Anfang der Vorbereitung steht. „Kickers hat uns gewaltig was abverlangt“, so Steffen.
Während beim vergangenen Gastspiel des SV Werder 2016 in Emden noch das Spielfeld nach Abpfiff für die Zuschauer freigegeben worden war und sich die Werder-Stars viel Zeit für die Fans nahmen, war es für Foto- und Autogrammjäger diesmal weitaus schwieriger. Die Anhänger mussten an den Zuschauer-Zäunen und vor allem am Spielertunnel zwischen Spielfeld und den Kabinen ihr Glück versuchen. Oder zwischen Kabine und Bus. Die Sicherheitsvorgaben ließen nichts anderes zu.
Werder-Coach zeigt sich sympathisch und fan-nah
Manch ein Fan ergatterte durch das Gitter Unterschriften der Werder-Profis oder Fotos mit diesen. Die meisten Bremer waren aber recht schnell im Kabinentrakt verschwunden. Eine Dreiviertelstunde nach Abpfiff fuhr der Mannschaftsbus des SVW auch schon wieder. Da hatte Werders neuer Trainer Horst Steffen gerade erst seinen Interview-Marathon hinter sich gebracht und auch noch geduldig einige Foto- und Autogrammwünsche vor allem von kleinen SVW-Fans erfüllt. Zu diesem Zeitpunkt war der große Andrang längst vorüber.
Greifbarer waren die Emder Spieler, die mittlerweile auch immer Fananfragen bekommen. Die Kickers-Fanschar ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen – was auch am sportlichen Aufschwung liegt. 2016 ist Kickers Emden als Landesligist dem Bundesligisten noch deutlich unterlegen gewesen, hatte nach einem 1:6 zur Pause mit 1:8 verloren. Diesmal bot Kickers – mittlerweile Titelkandidat in der Regionalliga Nord – dem SV Werder ordentlich Paroli.
Buntes Fan-Miteinander im Publikum
Die Gastgeber gingen sogar in Führung. Mika Eickhoff vergoldete einen überragend über Tobias Steffen ausgeführten Konter nach einer Werder-Ecke mit einem Schuss aus 16 Metern unter die Latte (26. Minute). Ausgerechnet Eickhoff, der jahrelang beim SVW fußballerisch ausgebildet worden war. „Es war ein schönes Gefühl, zu treffen – auch weil es mein Ex-Verein ist“, sagte Eickhoff. „Läuft bisher ganz gut gegen Werder.“ Auch beim 5:1-Sieg gegen Werders U23 in der abgelaufenen Regionalliga-Saison in Emden hatte Eickhoff getroffen.
Spieldaten
Kickers: Quindt (70. Djokovic), Herbst (62. Eilerts), Kaissis (62. Schmidt), Eickhoff (62. Steffens), Steffen (62. Steinwender), Igwe (46. Stöhr), Andresen (62. Eickschläger), Schröder (46. Adou), Gumpert (62. Siderkiewicz), Engel (62. Stepantsev), Oduah (62. Schiller).
Werder, 1. Halbzeit: Zetterer, Stark, Friedl, Lynen, Topp, Schmid, Malatini, Covic, Álvaro, Opitz, Wöber.
Werder, 2. Halbzeit: Kolke, Coulibaly, Pieper, Bittencourt, Grüll, Kownacki, Hansen-Aaroen, Agu, Adeh, Schmetgens, Musah.
Tore: 1:0 Eickhoff (26.), 1:1 Malatini (33.), 1:2 Grüll (56.), 1:3 Adeh (76.).
Nach dem Eickhoff-Tor wurde es erstmals auch etwas lauter im Ostfriesland-Stadion. An sich war die Stimmung während der Partie auf den Rängen eher ruhig und verhalten – was bei Freundschaftsspielen nichts Ungewöhnliches ist. Es war ein friedliches Miteinander. Es gab keine Fantrennung im Stadion, überall war eine Mischung aus blauen Kickers- und grünen Werder-Trikots zu sehen.
Was Emmerling zur Aufstellung sagt
Julian Malatini – der wie schon im ersten Werder-Testspiel (6:0 in Verden) als Rechtsverteidiger getestet wurde – erzielte aus kurzer Distanz den 1:1-Halbzeitstand (33.). Werder wechselte für den zweiten Durchgang komplett durch. Emmerling nahm zu diesem Zeitpunkt lediglich zwei Änderungen vor, neben Julian Stöhr kam auch Testspieler Emanuel Adou. Die Emder Verantwortlichen besprechen jetzt ihre Eindrücke aus zwei Trainingseinheiten und dem Werder-Spiel von Adou, ehe eine Entscheidung getroffen wird, ob der vereinslose 23-Jährige verpflichtet wird.
Gleich fünf Neulinge standen am Samstag in der Kickers-Startelf. Ein Fingerzeig Richtung Aufstellung für den Ligastart am Freitag gegen den SV Meppen? „Niemand kann sich Schwächephasen erlauben und sicher sein, dass er spielt. Wir haben jetzt einen sehr ausgeglichenen Kader“, sagt Kickers-Trainer Stefan Emmerling. Die Startelf hat gegen Werder jedenfalls eine starke Leistung gezeigt. Nach dem Seitenwechsel wurde Werder spielüberlegener. Marco Grüll (56.) und Wesley Adeh (76.) nutzten zwei der Werder-Chancen „Es wirkte von beiden Seiten in der zweiten Halbzeit etwas passiv“, fand Tido Steffens, der in der 62. Minute bei einem Achtfach-Wechsel ins Spiel kam. „Das 1:3 als Ergebnis ist in Ordnung. Jetzt freuen wir uns auf Meppen“, so Steffens.
Kickers Emden gegen Werder Bremen – im Liveticker zum Nachlesen