Windhose vor Langeoog Tornado sauste 15 Minuten lang über die See
Die Crew eines Fischkutters beobachtete einen Tornado vor Langeoog. Es ist die erste bestätigte Sichtung einer Windhose in Ostfriesland in diesem Jahr.
Langeoog - Rund 15 Minuten lang war die Windhose gut über der Nordsee zu sehen: Die Besatzung des Fischkutters „Orion“ (Acc 8) aus Dornumersiel beobachtete den Tornado am 15. Juli 2025 gegen 9:45 Uhr nördlich von Langeoog. Es ist die erste bestätigte Tornadosichtung des Jahres für Ostfriesland und Niedersachsen.
Im vergangenen Jahr waren die ersten Tornados bereits am 20. Mai in Holtefehn und am 28. Mai vor Borkum gemeldet worden. Am 8. August 2024 hatten gleich mehrere Windhosen, die von See kamen, an Borkums Strand einiges durcheinandergewirbelt, ließen Strandkörbe und Stühle und alles, was nicht niet- und nagelfest war, durch die Luft wirbeln und erschreckten die Urlauber.
Labile Wetterlagen fördern Tornados
Tornados oder Wasserhosen sind in Ostfriesland gar nicht so selten: Sie treten immer dann auf, wenn entsprechend labile Wetterlagen herrschen, sagte im vergangenen Sommer Frank Kahl vom Deutschen Wetterdienst in Hamburg. Er stammt von Langeoog und erlebte schon unzählige Tornados über dem Watt und vor den Inseln. „Die Statistiken zeigen, dass Tornados oder Funnel clouds im Watt öfter vorkommen“, sagt er. Von Funnel clouds – zu Deutsch: Trichterwolken – sprechen die Experten, wenn der Luftwirbel nicht bis zum Boden reicht.
„Man sollte schon vermeiden, dass sich solch ein Tornado direkt über einen bewegt, denn sonst kann es gefährlich werden“, sagt Kahl. Nicht ganz einfach sei dabei, die Richtung zu bestimmen, in die sich der Wirbel bewegt: „Wichtig ist, nicht auf das untere Ende des Rüssels zu schauen, sondern nach oben in die Wolken, um die Richtung abschätzen zu können“, so der Experte.
So bilden sich Tornados
Wie sich Tornados bilden, ist bis ins Detail noch gar nicht geklärt, sagt Steffen Lüpkes, Hobbymeteorologe aus Osteel und „Wetterfrosch“ dieser Zeitung. Bekannt ist, dass sie entstehen, wenn feuchtwarme Luft aufsteigt, bis sie auf kalttrockene Luft trifft und sich Gewitterwolken bilden.
Die aufsteigende Luft wird von Seitenwinden in Rotation versetzt und es bildet sich ein wirbelnder Schlauch. Reicht dessen Rüssel bis zur Erde, spricht man von einem Tornado. „Zum Spätsommer hin geschieht das gerade an unserer Küste über dem warmen Wasser häufiger“, hat Lüpkes beobachtet.
In diesem Sommer erst ein Tornado in Ostfriesland
Auch auf dem ostfriesischen Festland sind Windhosen gar nicht so selten: Die Plattform tornadoliste.de zählte für das Jahr 2024 für Niedersachsen insgesamt 13 bestätigte und 28 Verdachtsfälle für Tornados auf. Sechs davon waren in Ostfriesland beobachtet worden: am 24. August über Logabirum, Holtland und Hesel – damals herrschte ein schweres Gewitter –, über Langeoog und Borkum am 8. August, Dornumersiel am 28. Juli, Borkum am 28. Mai, Holterfehn am 20. Mai.
Die Aufzählung ist aber vermutlich nicht vollständig, denn Sichtungen müssen aktiv erfasst werden. Deutschlandweit wurden 2024 insgesamt 196 Tornados erfasst.
Tornadosichtungen kann man melden unter: https://tornadoliste.de/