München Die Baustellen des FC Bayern und der Hoffnungsschimmer Woltemade
Musiala-Schock, Viertelfinal-Aus bei der Klub-WM und eine stockende Kaderplanung: Bisher ist es ein schwieriger Sommer für den FC Bayern. Doch nun gibt es wieder positive Nachrichten.
Es ist nur ein Zufall, aber ein passender. Seit Wochen wird an der Säbener Straße in München immer wieder gewerkelt. Rot-weiße Absperrungen umrahmen die Baustellen an wechselnden Standorten. Mal erhält der Fahrradweg einen neuen Asphalt, mal wird eine digitale Geschwindigkeitsanzeige installiert, die die Fußballer des FC Bayern und alle anderen Verkehrsteilnehmer ermahnt, sobald sie in der Zone 30 zu schnell unterwegs sind.
Die Baustellen vor dem Hauptsitz des deutschen Rekordmeisters wirken wie eine Metapher. Denn auch beim FC Bayern sind sie ja gerade dabei, einige Umbauten vorzunehmen. Die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany befindet sich zwar derzeit im Urlaub. Doch im Hintergrund wird natürlich weiter das Vorhaben verfolgt, den Kader zu renovieren.
So richtig voran ging es bisher allerdings nicht. Vor allem bei Florian Wirtz, 22, mussten die Münchner einen Tiefschlag hinnehmen, als sich der deutsche Nationalspieler für einen Wechsel zum FC Liverpool entschied. Von ihrem Bemühungen um Flügelspieler Nico Williams, 22, nahmen sie selbst Abstand, nachdem ihnen die Gehaltsvorstellungen des spanischen Nationalspielers zugetragen worden waren.
Dass sich bei der Klub-WM auch noch Jamal Musiala den linken Knöchel so sehr verrenkte, dass sein Wadenbein brach und dieses Kalenderjahr für ihn so gut wie gelaufen sein dürfte, vermasselte den Bayern endgültig die Sommerlaune.
Sportvorstand Max Eberl ließ danach sogar in der Klubmitteilung durchblicken, wie erschüttert er ist – und ebenso seine Kaderplanung. „Diese schwere Verletzung und der lange Ausfall sind ein echter Schock für Jamal und uns alle. Das trifft den FC Bayern“, sagte Eberl, „jeder weiß, wie immens wichtig Jamal für unser Spiel ist und was für eine zentrale Rolle er für unser Team hat.“
Zur Nebensache wurde dadurch sogar die sportliche Enttäuschung, in einem internationalen Wettbewerb wieder einmal deutlich den angestrebten Titel verpasst zu haben, in diesem Fall durch die 0:2-Niederlage im Viertelfinale gegen den Champions-League-Gewinner Paris Saint-Germain.
Es ist ein schwieriger Sommer für den FC Bayern. Die Verpflichtungen von Mittelfeldspieler Tom Bischof, 19, von der TSG Hoffenheim und von Innenverteidiger Jonathan Tah, 29, von Bayer Leverkusen gelangen für vergleichsweise geringe Gebühren zwar noch vor der Klub-WM.
Doch abgesehen davon stocken die Transferbemühungen. Bei den Abgängen tat sich dagegen mehr. Thomas Müller, 35, verabschiedete sich mit noch ungeklärtem Ziel nach 25 Jahren im Verein ebenso wie Leroy Sané (29/Galatasaray) und Eric Dier (31/Monaco), die jeweils ablösefrei weiterzogen.
Hinzu kamen weitere Abgänge von Talenten. Nennenswerte Einnahmen wurden aber nur mit dem Verkauf von Mathys Tel an Tottenham Hotspur für angeblich 35 Millionen Euro erzielt.
Immerhin aus Sicht der Bayern hellen sich die Signale für die angestrebten Verpflichtungen inzwischen auf. Das gilt vor allem bei Offensivspieler Nick Woltemade, 23. Das scheinbar kategorische Nein seines Arbeitgebers VfB Stuttgart wird immer deutlicher von Chiffren für eine Verhandlungsbereitschaft unterlegt.
Der Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle ließ jüngst wissen, er sei sicher, dass Woltemade auch in der kommenden Saison für den DFB-Pokalsieger spielen werde, „außer die Bayern machen wirklich etwas Außergewöhnliches, dann sind wir alle Profis genug, darüber zu sprechen.“
Sportvorstand Fabian Wohlgemuth ergänzte nun via Bild-Zeitung, es sei „das absolut wahrscheinlichste Szenario, dass Nick in der Saison 2025/26 unsere Farben tragen wird“. Allerdings könne „niemand in die Zukunft schauen und deshalb gibt es auch keine absoluten Aussagen“.
Wer absolut nicht verhandlungsbereit ist, braucht so etwas nicht zu sagen – schon gar nicht öffentlich. Und es ist wohl auch kein Zufall, dass die Bild im selben Artikel von einem Vorstandsbeschluss der Stuttgarter berichtet, wonach diese bei einem Angebot über 65 Millionen Euro bereit seien, sich mit den Münchnern an einen Tisch zu setzen.
Das ist deutlich weniger als die zunächst kolportierten 80 oder gar 100 Millionen Euro. Vorerst allerdings bleibt dem FC Bayern auch diese Baustelle erhalten, einen Monat vor dem ersten Pflichtspiel der Saison im Franz Beckenbauer Supercup beim: VfB Stuttgart.