Parkraumkonzept in Emden Wer ohne Handy parkt, muss weit laufen
Die Stadt Emden führt ein neues Parkkonzept ein – aber was passiert mit Menschen ohne Handy? Es ist verwirrend.
Emden - Man stelle sich vor, es ist Samstag und die Schwiegereltern warten lieber noch einen Tag ab, um das von ihnen freundlicherweise von der Post abgeholte Paket bei den Kindern vorbeizubringen. Nicht etwa, dass nach der Abholung nun die Lieferung noch zu viel der Mühe gekostet hätte. Schuld ist nur das offenbar verwirrende neue Parkraumkonzept der Stadt Emden.
Das besagt nämlich, dass dort, wo die Kinder wohnen, seit dem 1. Juli 2025 nur noch sonntags Parken frei ist. Nun ist es auch nicht so, dass die Schwiegereltern zu knauserig wären, 50 Cent fürs Parken zu bezahlen. Sie wissen schlicht nicht, wie sie das tun sollen. Kein Handy, kein Smartphone und weit und breit kein Parkscheinautomat in Sicht, in den man die Münze stecken könnte. Und einfach illegal parken? Dann doch lieber bis zum Sonntag warten...
Autofreie Innenstadt
Was wie eine konstruierte Geschichte wirkt, ist die ganz reale Problematik für Menschen, die von den digitalen Anforderungen des alltäglichen Lebens überrollt werden. Seit einigen Monaten setzt die Stadt Emden nun ihr neues Parkraumkonzept Viertel für Viertel um. Im gesamten Innenstadtring soll mittelfristig das Parken gebührenpflichtig sein. Neben den erhofften Mehreinnahmen fürs Stadtsäckel soll das Konzept vor allem eines bewirken: Die Innenstadt soll autoärmer werden und vom Parksuchverkehr befreit werden. Zumindest von Montagfrüh bis Samstagabend.
Dort, wo bisher noch das Parken frei war, organisieren sich Anwohner besagter Viertel bei der Stadt nun Jahrestickets für 90 Euro. Besucher können per App oder SMS stunden- oder auch tageweise Parktickets bezahlen. Das empfiehlt auch die Stadt: „Die einfachste und komfortabelste Methode, um die Parkvorgänge zu bezahlen, ist Handyparken mit der App PayByPhone.“ Dennoch soll es immer möglich sein, „auch per SMS“ (also auch per Handy) „oder an den Parkscheinautomaten an Sammelparkplätzen zu bezahlen“, schreibt die Stadt auf Nachfrage.
Ab zu den Sammelparkplätzen
Wer also mit den digitalen Möglichkeiten nicht zurechtkommt, kann auch weiterhin per Münze bezahlen, jedenfalls so lange, wie die Barzahlung zu den „gängigen Bezahlfunktionen“ zählen wird. Alle modernen Automaten der Stadt sollen so künftig noch funktionieren, also bar, kontaktlos mit Karte oder Handy beziehungsweise Nahfeldkommunikation (NFC). An Sammelparkplätzen seien inzwischen drei Automaten durch diese multifunktionalen ausgetauscht worden, drei weitere werden in Kürze folgen, so die Stadt.
Aber wo befinden sich diese Automaten? Wer in einer der Seitenstraßen mit neuer Parkraumbewirtschaftung wohnt, muss offenbar weite Wege in Kauf nehmen, um noch analog per Münze einen Parkschein zu ziehen. Am Beispiel des zuletzt hinzugekommenen AOK-Viertels nennt die Stadt die Standorte „Am Bentinkshof“ und die Neutorstraße als Möglichkeiten. Vor dem Parken gelte es „natürlich, sich im Vorfeld über die Position der Parkscheinautomaten zu informieren“. Wo, das teilt die Stadt nicht mit. Auf den neuen Schildern, die an allen betroffenen Straßen aufgestellt wurden, gibt es dafür keine Hinweise.
Einen Kilometer bis zum Ticket-Automaten?
Zurück zu den Schwiegereltern: Sollten sie nochmals wochentags beispielsweise „Am Marienwehrster Zwinger“ als Paketbote oder einfach nur mal so parken wollen, müssen sie also einkalkulieren, dass sie knapp einen Kilometer laufen müssen, um ein Parkticket zu ziehen – und retour. Das alles, weil sie kein Smartphone besitzen. Nicht auszudenken, wenn sie dann auch noch mobilitätseingeschränkt, also schlecht zu Fuß wären. Diese Kombination ist offenbar gar nicht beim neuen Parkraumkonzept berücksichtigt worden, oder doch?
In weiten Teilen des innerstädtischen Bereichs gelten die neuen Parkregeln in drei Parkzonen mit unterschiedlich hohen Tarifen inzwischen. Bevor sie in weiteren Vierteln umgesetzt werden, „erfolgt nunmehr eine mit dem Rat vereinbarte erste Evaluierung des Konzepts“, teilt die Stadt mit. Über die Barrierefreiheit für analoge Nutzer wird dabei zu reden sein.
Und bis dahin kann man das Ticket für die Eltern auch gerne mal übernehmen. Ganz altmodisch per SMS. Dann klappt’s auch mit dem Besuch in der Woche.