Abriss oder Erhalt? Gulfhof in Rysum eingestürzt – wie geht es weiter?
Nach dem Einsturz einer alten Scheune in Rysum ist die Zukunft des Gulfhofs ungewiss. Die Entscheidung der Denkmalpflegebehörde steht noch aus und verzögert die Pläne.
Rysum - Seit einigen Wochen schon ist das Warfendorf Rysum um eine Baustelle reicher: Eine alte Scheune nahe der Kirche im Ortszentrum ist eingestürzt. Mittlerweile wurde der Bereich um die Einsatzstelle weiträumig abgesperrt. Die Scheune gehört zu einem alten Gulfhof – für den hatte ein Investor große Pläne. Die ruhen nun erst einmal. Wie geht es weiter?
Bei dem Gebäude handelt es sich um den ehemaligen Gasthof Ohling/Janssen. Der vordere Teil steht noch, doch die Scheune im hinteren Teil ist komplett eingestürzt. Ein Sicherheitsrisiko, sagt die Gemeinde Krummhörn. „Es ist richtig, dass in Rysum der Gulfhof eingestürzt ist und wir dort ein Verkehrssicherheitsrisiko sehen, dem wir mit der Sperrung der Straße begegnen“, so Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) auf Nachfrage.
Sanierungsstopp wegen Denkmalschutz
Die Sperrung der betreffenden Straße, der Brake Lohne, sei lediglich eine Übergangslösung, so Looden. Denn aktuell sei der Eigentümer des Gulfhofes nicht in der Lage, an dem Gebäude tätig zu werden. Der Grund: Der alte Gulfhof steht unter Denkmalschutz. Und die zuständige Denkmalschutzbehörde hat noch nicht entschieden, wie es mit dem Rysumer Gulfhof weitergehen soll. „Solange keine abschließende Stellungnahme vorliegt, dürfen keine baulichen Maßnahmen oder Veränderungen durch den Eigentümer vorgenommen werden“, so Looden.
Bei dem Eigentümer handelt es sich um einen Unternehmer aus dem Raum Köln. Er hatte das Gebäude kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2019 gekauft. Der ursprüngliche Plan: „Ferienwohnungen“, so der Unternehmer im Gespräch mit dieser Zeitung. Der vordere Teil sei schon zu 90 Prozent fertig saniert gewesen. Ein weiterer Plan sei die Einrichtung eines kleinen Tante-Emma-Ladens für den Ort. „Hier gibt es ja sonst nichts“, so der Eigentümer. „Man kennt das ja, man kommt an und dann fehlt die Zahnpasta oder das Toilettenpapier oder die Flasche Wein.“ Für solche Kleinigkeiten würde man dann nämlich vielleicht nicht nach Emden fahren. Und auch eine Gastronomie könne sich der Kölner dort vorstellen. Entsprechende Anträge wurden bereits gestellt.
Abriss oder Erhalt? Entscheidung steht aus
Dann stürzte vor ein paar Wochen aber der hintere Teil der Scheune ein – die Pläne liegen nun erst mal auf Eis. „Es war gerade ein Statiker vor Ort, der hat sich das angesehen und die Informationen weiter an die Denkmalschutzbehörde gegeben.“ Aktuell warte man auf Antwort der Behörde. Denn die müsse entscheiden, ob die Scheune erhaltenswert sei oder ganz abgerissen werde. Dann könnte dort vielleicht etwas Neues entstehen, ein Gebäude, welches sich „schön in den Ort einfügen würde“, so der Eigentümer. Doch bis die finale Entscheidung über den Abriss und Neubau oder den Erhalt der Scheune falle, werde es wohl noch etwas dauern. Bis dahin bleibe er geduldig, so der Kölner Eigentümer.
Der Gulfhof an der Emsstraße 12 verfügt über Wohn- und Geschäftsräume. Der Wohnteil wurde nach Angaben des Denkmalschutzes vermutlich in zwei Bauphasen errichtet. Dabei wurde der Wohnteil des Gulfhofes in südwestlicher Richtung verlängert. In den 1870er und 1880er Jahren haben am Gebäude zudem einige Um- und Ausbauten stattgefunden. An dem Erhalt des Gulfhofes bestehe aus Sicht der Denkmalschutzbehörde ein öffentliches Interesse, aus orts- und siedlungsgeschichtlichen sowie aus städtebaulichen Gründen. Denn der Gulfhof präge das gesamte Ortsbild von Rysum und verfüge außerdem „über einen hohen Anschauungswert für die Geschichte des Ortes, die Entwicklung des Gulfhauses im späten 18. und 19. Jahrhundert und für die Kulturlandschaft der ostfriesischen Marschen“.