Krise im Einzelhandel  Ostfriesen geben weniger Geld aus

Petra Herterich
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Von Petra Herterich
| 14.07.2025 08:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bundesweit halten sich die Kunden beim Einkaufen zurück. Foto: Skolimowska/dpa
Bundesweit halten sich die Kunden beim Einkaufen zurück. Foto: Skolimowska/dpa
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„Das Kaufverhalten hat sich drastisch verändert“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Ostfriesland. Das hat auch Konsequenzen für die Innenstädte.

Leer - Im Einzelhandel ist die Stimmung gedrückt. Rund 70 Prozent berichten laut einer Umfrage von sinkenden Kundenzahlen. Viele Menschen in Deutschland sind auf Sparkurs – achten aufs Geld und halten sich beim Einkaufen spürbar zurück. Das ist in Ostfriesland nicht anders. Doch die Touristen sorgen hier gerade jetzt für Lichtblicke in den Geschäften.

„Wir spüren auch in Ostfriesland seid geraumer Zeit eine gewisse Kaufzurückhaltung. Die Touristen reißen es aber noch raus. Die Urlaubssaison hilft dem Einzelhandel in Ostfriesland enorm“, sagt Jörg Thoma, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Ostfriesland. „Wir können heilfroh sein, dass wir die Touristen haben“, betont auch Jan-Wilhelm Dörries, Geschäftsführer von Ceka und Vorsitzender der Leeraner Werbegemeinschaft. „Im Urlaub sparen die Menschen nicht so sehr, wie sie es im Alltag tun würden“, erklärt er.

„Preisattraktive Angebote ziehen die Kunden stärker an“

„Aber die generelle Lage, dass die Menschen aufgrund der unsicheren Lage – sowohl in Deutschland als auch in der ganzen Welt – vorsichtig sind mit größeren Geldausgaben, gilt auch in Ostfriesland. Das Kaufverhalten hat sich auch hier drastisch verändert. Die Menschen schauen eher mal auf Angebote oder auch im Internet und vergleichen die Preise. Spontane Geldausgaben für schöne Produkte hier vor Ort sind eher selten“, sagt Thoma.

„Preisattraktive Angebote ziehen die Kunden stärker an. Das merken wir schon ganz deutlich“, beobachtet auch Dörries in seinen Geschäften. Die Kunden seien beim Geldausgeben einfach vorsichtiger geworden.

Einkaufen muss zum Erlebnis werden

Wie der Einzelhandel aus dieser Krise kommen kann? „Nur mit Beratungsqualität und einer Art Eventcharakter“, sagt Thoma. „Dazu braucht es eine hohe Aufenthaltsqualität in den Städten. Nur dann kann der stationäre Einzelhandel gegenüber dem Onlinehandel auch wirklich punkten.“ Es müsse ein „Einkaufserlebnis“ geben. „Wenn in den Innenstädten was los ist, dann kommen die Menschen auch“, so Thoma.

Darauf setzt auch die Leeraner Werbegemeinschaft. „Gerade mit diversen Aktionen locken wir die Menschen in die Stadt. Deshalb blicken wir in Leer auch optimistisch ins zweite Halbjahr, wenn auch der Weihnachtsmarkt wieder in der Stadt stattfindet“, so Dörries.

„Es wird sicher auch Geschäftsaufgaben geben“

Die ostfriesischen Einzelhändler hofften laut Thoma jetzt aber erstmal – auch Dank der Touristen – auf eine gute Sommersaison. Dann nähere man sich „in großen Schritten dem Weihnachtsgeschäft“. „Wir hoffen, dass das dann den Umsatz nochmal rausreißt“, sagt Thoma. „Die Hoffnung stirbt ja zuletzt.“ Er sei aber „skeptisch, ob wir dieses Jahr wirklich mit einem Plus beenden“. Die Voraussetzungen dafür seien bisher nicht in Sicht.

„Mit Geschäftsaufgaben im großen Stil rechne ich für die Region aber nicht“, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Ostfriesland. „Es wird aber sicher hier und da auch altersbedingte Geschäftsaufgaben geben. Und da müssen wir eingestehen, dass wir gerade im Einzelhandel in den Innenstädten ein Nachfolgeproblem haben“, sagt Thoma. Das sei ein ganz schwieriges Thema.

Kaum Nachfolger für Geschäftsinhaber in Sicht

„Man findet heutzutage kaum noch junge Menschen, die sich im Einzelhandel selbstständig machen möchten. Das liegt auch daran, dass die Anforderungen, was die Bürokratie oder auch die Kosten betrifft, es schwierig machen, ein gewinnbringendes Geschäft zu führen. Das ist durchaus problematisch.“

Erschwerend für den Handel vor Ort komme hinzu, dass die Städte vermehrt versuchten, die Autos aus den Innenstadtbereichen fernzuhalten. „Innenstadtnahes Parken ist ein großes Thema, das muss gerade hier im ländlichen Raum attraktiver werden. Das ist auch für die Touristen wichtig.“ Niemand müsse sein Auto direkt vor dem Geschäft abstellen und verkehrsberuhigte Zonen seien für die Aufenthaltsqualität wichtig – aber parken müsse innenstadtnah zu günstigen Konditionen möglich sein, fordert Thoma.

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