Gesellschaft Bingo boomt im Rheiderland – nicht nur bei Senioren
Nach der Schließung von „Junior’s am Hafen“ gibt es in Weener wieder regelmäßige Bingo-Nachmittage. Das Angebot richtet sich nicht nur an Senioren und wächst stetig weiter – auch anderenorts.
Rheiderland - Carsten Willems hat lange in der Pflege gearbeitet. „Es gibt viele ältere oder alleinstehende Menschen, die niemanden haben, mit dem sie sprechen können“, sagt der Weeneraner. „Regelmäßige Veranstaltungen oder Treffpunkte für Senioren gab es hier ja bislang nicht.“ So entstand Ende vergangenen Jahres die Idee, einen Seniorennachmittag mit Bingospiel im Café „Junior’s am Hafen“ anzubieten. Das Angebot sprach sich herum und wurde dankbar angenommen, auch von Jüngeren. Umso größer war die Enttäuschung, als Salustiano Ramos-Schlüter das Lokal im Frühjahr aus persönlichen Gründen geschlossen hatte. Doch nun geht es weiter. Gespräche, Gesellschaft und neue Bekanntschaften können Bingo-Freunde nun im „Hafen 55“ finden.
Der erste Termin Ende Juni war mit mehr als 50 Teilnehmern sehr gut besucht, finden die Veranstalter. „Viele Ältere, die den Weg hierher gefunden haben, kannten den ,Hafen 55‘ noch gar nicht“, freut sich Hilmar Bockhacker, der mit seiner Frau Catharina das Lokal betreibt und selbst regelmäßig neue Veranstaltungs-Ideen rund um den Hafen ausheckt. Als sein Servicemitarbeiter Carsten Willems fragte, ob der Seniorennachmittag dort eine neue Heimat finden könnte, war er sofort offen. „Bis Silvester kann das Angebot hier stattfinden“, so Bockhacker. Danach müsse man sehen, wie es mit dem Hafen 55 im kommenden Jahr weitergeht.
Neue Gesichter und alte Bekannte
Einige neue Gesichter sind dabei, aber auch alte Bekannte, die schon bei den ersten Seniorennachmittagen dabei waren. Wie Ute Maas, die Chefin an der Bingo-Trommel. Sie ruft die Zahlen aus und begeistert immer mehr Menschen fürs Bingo-Spiel. „Weihnachten haben wir immer Bingo gespielt, damit keine Langeweile aufkommt“, erzählt die 62-Jährige. Den Frauenkreis Midlum hat sie von dem Spiel schon begeistert. „Neulich haben wir auch in Jemgum einen Bingo-Nachmittag gemacht“, sagt die Midlumerin und ist ein bisschen stolz auf die Resonanz. Bis vor einigen Jahren gab es auch in Wymeer Bingo. Nachdem das „Wymeester Eck“ geschlossen hat, gab es das Angebot nicht mehr.
In den USA und Australien ist dieses Spiel besonders beliebt. Das Spiel ist einfach und sorgt für Nervenkitzel und schnelle Erfolgserlebnisse. Alle Teilnehmer erhalten eine Karte mit einem Raster aus zufällig verteilten Zahlen. Aus der Trommel lässt der Spielleiter die Kugeln rollen, auf denen Nummern stehen. Wer die gezogene Zahl auf seiner Karte hat, markiert sie. Sobald jemand eine waagerechte, senkrechte oder diagonale Reihe hat, ruft er „Bingo!“ und ist Gewinner dieser Runde. Die Spannung steigt, wenn nur noch eine Zahl in einer Reihe fehlt. Ein großer Reiz ist das Gemeinschaftserlebnis, denn in den kurzen Spielpausen gibt es die Möglichkeit zu plaudern und neue Leute kennenzulernen.
Bingo-Boom in Moormerland
Auch Moormerland hat das Bingo-Fieber gepackt. Aus dem Kreise des Ortsrats und der Ü 60-Treffen kam die Idee zu einer Bingo-Veranstaltung. „Die Veranstaltung Ende Juni wurde hervorragend angenommen“, freut sich Ortsbürgermeister Martin Janßen. Mit von der Partie war „Bingo-Bär“ Michael Thürnau. „Das hat natürlich gezogen“, so Janßen. Zum Bingo-Nachmittag im Zelt auf dem Festplatz in Hatshausen seien 400 Teilnehmer gekommen, von Hochbetagten bis zu jüngeren Bingo-Spielern, die noch gar nicht am Glücksspiel teilnehmen dürften. „Allerdings sind 90 Prozent der Karten über die Seniorenkreise vergeben worden.“ Schließlich richtete sich das Angebot in erster Linie an diesen Personenkreis. Nach Worten von Janßen hätten Sponsoren geholfen, die Veranstaltung zu realisieren. Mit mehreren Bussen wurden die Teilnehmer aus allen Teilen der Gemeinde abgeholt. „Allein der Einsatz der Busse hat 3000 Euro gekostet.“ Eines ist jetzt schon klar: Es soll in Moormerland nicht der letzte Bingo-Nachmittag gewesen sein.
Carsten Willems liegt es sehr am Herzen, dass das Angebot in Weener nicht abreißt. „Wir haben Bewohner von Altenheimen angesprochen“, erzählt der Mit-Initiator der Veranstaltung. Einige seien nach seinen Worten damals nicht zu den Nachmittagen bei „Junior’s am Hafen“ gekommen, weil das Lokal nicht barrierefrei war. Das „Hafen 55“ sei für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl problemlos zugänglich. Und es gibt dort noch weitere Angebote gegen Langeweile und Einsamkeit. Der weitgereiste „Hafen 55“-Betreiber Hilmar Bockhacker bringt die Bingo-Spieler in der Spielpause mit allerlei Seemannsgarn zum Mitmachen und Mitraten zum Lachen.
Sonntagsgespräche am Hafen
Bis September gibt es außerdem jeden zweiten Sonntag im Monat um 11.30 Uhr am Hafen eine Talkshow mit einem besonderen Gast. Will Bockhacker den Gottesdiensten Konkurrenz machen? „Auf gar keinen Fall“, betont er, „auch wenn wir über Gott und die Welt reden, soll das keine religiöse Talkshow werden.“ Erster Gast beim Auftakt im Juni war Volker Kraft, der Mit-Initiator des Brotkorbs Rheiderland und des sozialen Kaufhauses in Weener. Neben der Moderation können auch die Zuschauer Fragen stellen.
Die nächsten Bingo-Nachmittage sind jeweils donnerstags, am 24. Juli und 28. August 2025 in der Zeit von 14 bis 17 Uhr. Anmelden kann man sich für die Seniorennachmittage im „Hafen 55“ unter der Telefonnummer 04951/9477567.