Straßenverkehr  Gefahr durch E-Scooter in der Auricher Fußgängerzone

Eva van Loh
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Von Eva van Loh
| 10.07.2025 11:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zwei junge Frauen fahren mit ihren E-Scootern durch die Fußgängerzone. Eigentlich müssen sowohl Fahrräder als auch E-Scooter hier geschoben werden. Foto: Eva van Loh
Zwei junge Frauen fahren mit ihren E-Scootern durch die Fußgängerzone. Eigentlich müssen sowohl Fahrräder als auch E-Scooter hier geschoben werden. Foto: Eva van Loh
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E-Scooter erobern nicht nur die Großstädte. Auch in Aurich sind immer mehr Menschen damit unterwegs. Doch es entstehen auch Gefahren. Vor allem da, wo die E-Scooter eigentlich nicht fahren dürfen.

Aurich - Kaum ist man in der Auricher Fußgängerzone einen Moment unaufmerksam, schon sausen E-Scooter links und rechts vorbei. Solche Szenen werden zumindest von einigen unserer Leser beschrieben. E-Scooter-Fahrer fahren zum Beispiel zwischen Fußgängern entlang, rasen an ihnen vorbei oder schneiden ihnen den Weg ab. Dabei dürfen die Fahrzeuge in der Fußgängerzone eigentlich überhaupt nicht genutzt werden.

Neben E-Scootern sind auch viele Fahrräder in der Fußgängerzone unterwegs, obwohl für sie von 10 bis 18 Uhr ein Fahrverbot gilt. Doch anders als bei E-Scootern ist das Quietschen der Kette und das Klappern der Speichen eines Fahrrads meistens noch aus einiger Entfernung zu hören. E-Scooter bewegen sich ruhig und schnell, nur ein leises Summen geben sie von sich – leicht zu überhören in einer vielbesuchten Fußgängerzone. Außerdem sind die Scooter nicht mit Fahrrädern gleichgesetzt. Sie gehören zu den Elektrokleinstfahrzeugen. Das bedeutet, dass für sie rund um die Uhr das Fahren in der Fußgängerzone sowie auf Gehwegen verboten ist.

Zwei junge Männer fahren gemeinsam mit einem E-Scooter über den Auricher Marktplatz. Auch das Fahren zu zweit auf einem Scooter ist eigentlich verboten. Foto: Eva van Loh
Zwei junge Männer fahren gemeinsam mit einem E-Scooter über den Auricher Marktplatz. Auch das Fahren zu zweit auf einem Scooter ist eigentlich verboten. Foto: Eva van Loh

Vollbremsung kann zur Gefahr werden

Wegen der steigenden Anzahl der E-Scooter steigt auch die Zahl der Unfälle. Eine gesonderte Statistik dazu führt die Polizei Aurich aktuell noch nicht. In der Kreisstadt bleiben E-Scooter-Unfälle vorerst noch eine Randerscheinung. Hartmut Detmers, Sachgebietsleiter für Verkehr bei der Polizei Aurich, sagt jedoch, dass die Polizei die Roller durchaus kritisch sieht. Weder Fußgänger noch Autofahrer können sie besonders gut wahrnehmen oder ihre Geschwindigkeit einschätzen. Gerade in der Fußgängerzone, wo man nicht mit ihnen rechnet, jagen sie vielen Fußgängern beim Vorbeirasen einen Schrecken ein. Rast ein E-Scooter mit bis zu 25 km/h von der Norderstraße über die Lilienstraße in Richtung Marktplatz, könnte auch Autofahrern ein Schreck nicht erspart bleiben.

Auricher sehen Problem eher entspannt

Ein Gang durch die Fußgängerzone bestätigt bei der Recherche für diesen Beitrag die zunehmende Präsenz der E-Scooter. Schon nach kurzer Zeit kommen der Reporterin zwei Jugendliche gemeinsam auf einem E-Scooter entgegen – auch das ist verboten. Fehlverhalten wie dieses oder auch die Nutzung des Handys während des Fahrens kommt in Aurich durchaus häufiger vor, so Detmers. Wenn die Polizei einen Verstoß feststellt, werde dieser auch geahndet.

Die Auricher selbst scheinen das Problem mit den E-Scootern eher entspannt zu sehen. Eine Passantin habe zwar schon häufiger E-Scooter mit erhöhter Geschwindigkeit gesehen. „Aber das sind Jugendliche. Wären wir nicht auch so?“, sagt sie. Einem weiteren Passanten sind die E-Scooter in Aurich bis jetzt noch nicht besonders häufig aufgefallen. Eine dritte Passantin gibt zu, so gut wie gar nichts über die Regeln zu den E-Scootern zu wissen. „Das Einzige, was ich mich bei den Jugendlichen frage, ist, ob die denn keinen Helm brauchen? Die fahren ja schon sehr schnell.“

Stadt denkt über besondere Beschilderung nach

Die Stadt selbst denkt schon über Lösungsansätze zur E-Scooter-Problematik nach, berichtet Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht. „Eigentlich sollten sich alle Verkehrsteilnehmer darüber informieren, wo sie mit den Fahrzeugen fahren dürfen und wo nicht“, findet Lücht.

Doch auch er nimmt wahr, dass viele E-Scooter-Fahrer nichts von dem Fahrverbot wissen. Die Stadt denke deshalb darüber nach, Hinweisschilder aufzustellen, die direkt auf das Fahrverbot hinweisen. Auch wenn sie gesetzlich nicht erforderlich sind.

ADFC sieht Gefahr für Fahrer und für andere

Was viele E-Scooter-Fahrer außerdem nicht wissen: Ohne Training ist es schwierig, eine Gefahrenbremsung durchzuführen, ohne sich selbst zu verletzen. Wer unerwartet stark bremsen muss, landet schnell vor dem Scooter auf dem Asphalt, sagt Detmers. Aktuell werden solche Sicherheitstrainings in Aurich nicht angeboten. Der ADFC hat auch für die nähere Zukunft keine Schulungen geplant, sagt Vorsitzender Albert Herresthal. Der ADFC vertrete die Interessen von Fußgängern und Radfahrern. Für E-Scooter fühle er sich allerdings nicht zuständig, so Herresthal. Außerdem denke der ADFC, dass viele E-Scooter-Fahrer solche Trainings ohnehin nicht nutzen würden.

Gerade Jugendliche sind auch in Aurich häufig mit dem E-Scooter unterwegs. An vielen Fahrradständern sind sie in der Stadt zu finden, so wie hier vor der Rituals-Filiale in der Fußgängerzone. Foto: Eva van Loh
Gerade Jugendliche sind auch in Aurich häufig mit dem E-Scooter unterwegs. An vielen Fahrradständern sind sie in der Stadt zu finden, so wie hier vor der Rituals-Filiale in der Fußgängerzone. Foto: Eva van Loh

Da viele Fahrer die Fahrzeuge eben auch alkoholisiert oder zu zweit als "Spaßgerät" verwenden, sehe der ADFC auch eine Gefahr in den Fahrzeugen. Ein „pauschales E-Scooter-Bashing“ halte der ADFC allerdings trotdem für unangemessen. „Mit polizeilichen Mitteln kann schon einiges erreicht werden“, so Herresthal.

Emden und Leer kontrollieren regelmäßig

Aurich ist mit dem Problem nicht allein. Auch bei der Leeraner Polizei gehen Beschwerden über das Verhalten von E-Scooter-Fahrern ein. Das bestätigt Polizeioberkommissarin Vanessa Lepper auf Anfrage. Eine konkrete Anzahl könne sie aber nicht nennen. Die Polizei in Emden und Leer führe regelmäßig Kontrollen durch, die auch E-Scooter-Fahrer betreffen. Fehlverhalten werde konsequent geahndet.

Ungefähr 990.000 E-Scooter waren laut des Gesamtverbandes Deutscher Versicherer (GDV) 2023 auf Deutschlands Straßen unterwegs. Davon seien rund 210.000 Leih-Scooter gewesen, während die restlichen 780.000 Privatpersonen gehörten.

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