Preis für Landwirtschaft Wie Bio-Ziegen in Großefehn den Boden gesund halten
Die Froschauers sind für ihren Bio-Betrieb in Großefehn mit dem „Gemeinsam Boden gut machen“-Preis ausgezeichnet worden. Was macht ihre Ziegen so bodenfreundlich – und was können Gartenbesitzer lernen?
Großefehn - Es geht an der Grundstücksgrenze entlang über zwei Stege. Dann steht Klaas Froschauer auf der neuen Weide für die Muttertiere seiner Ziegenherde. Endlich kann er die Anglo-Nubier-Ziegen mit den markanten großen Schlappohren im Stall melken und trotzdem jeden Tag auf eine Weide bringen. Vorher musste sich seine Familie den Garten mit den Tieren teilen. Während der nebenberufliche Landwirt seine Ziegen krault, nickt er in Richtung der vereinzelten Binsen in der Mitte der Weide.
Wie ein Biobetrieb wie die „Ziegenmanufaktur Ostfriesland“ in Akelsbarg bodenschonend unliebsame Pflanzen wie diese loswird, darum geht es ihm an diesem Tag. Passend zum „Gemeinsam Boden gut machen“-Preis, den Christina und Klaas Froschauer am 1. Juni 2025 in Berlin erhalten haben. Mit diesem Preis werden landwirtschaftliche Betriebe ausgezeichnet, die auf ökologische Landwirtschaft umgestellt haben. Es ist eine Anerkennung für ihren Einsatz für den Erhalt von Arten und fruchtbaren Böden.
Die Umstellung ist für die Froschauers noch nicht lange her. Der Weg zum Bioland-Siegel war lang. Zwei Jahre hat er gedauert – im vergangenen Jahr konnten sie die Plakette endlich anbringen. „Die Landwirte müssen viel Neues lernen und viel beachten“, sagt Cäcilia Hagenow. Sie ist Pressesprecherin beim Nabu (Naturschutzbund Deutschland), der den Preis gemeinsam mit Partnern seit zehn Jahren vergibt. „Um die Betriebe auf diesem Weg zu entlasten, vergeben wir den Preis“, so Hagenow. Insgesamt zwölf Betriebe wurden in diesem Jahr ausgezeichnet. Doch was macht ökologische Landwirtschaft so bodenfreundlich? Hier drei Beispiele:
Wie wird man unliebsame Pflanzen ohne Pestizide los?
Da die Ziegenmanufaktur der Froschauers biozertifiziert ist, darf der Betrieb ungeliebte Pflanzen nicht mit Pestiziden bekämpfen. „Wenn Pflanzen wie Binsen oder Sauerampfer überhandnehmen, pflügen wir den Boden um und sähen neues Kleegras an“, sagt Klaas Froschauer. Dieses Verfahren ist besser für die Insekten als Pestizide, ebenso besser für die Vielfalt an Pflanzen und damit auch für die Bodengesundheit.
„Wir fügen für eine größere Pflanzenvielfalt auch noch andere Kräutersamen zur Saatmischung hinzu“, so Froschauer. Denn je vielfältiger die Pflanzen auf einer Fläche sind, desto mehr Insekten bietet sie ein Zuhause, ergänzt Cäcilia Hagenow: „Das gilt auch für Gärten und zwar sowohl für die Tiere im Boden als auch für die an der Oberfläche.“
Richtig mähen – aber wann?
Insgesamt 9 Hektar bewirtschaften die Froschauers. Drei Bereiche werden von den Muttertieren, der weiblichen Nachzucht und den Böcken beweidet. Auf dem Rest der Flächen wird gemäht und das Heu für den Winter eingelagert. „Weil wir nicht nur ökologisch wirtschaften, sondern auch ein extensiver Betrieb sind, mähen wir spät und nur zweimal im Jahr“, sagt Klaas Froschauer. „So sind die Bodenbrüter schon aus dem Gröbsten heraus, wenn wir mit dem Mähen anfangen.“
Statt eines Kreiselmähers, der beim Mähen einen Sog erzeugt und für Insekten zu seiner tödlichen Falle wird, nutzt er lieber einen Mäher mit Doppelmesser. „Der schneidet das Gras sauber ab. Das heißt zwar nicht, dass alle Insekten die Mahd überleben, aber zumindest ein größerer Teil.“ Auch in Gärten kann der Rasen zum Wohl der Insekten seltener gemäht werden, so Cäcilia Hagenow. „Man kann Rasen und Kräuter ebenfalls in einigen Bereichen stehenlassen. So haben Nutzinsekten wie Marienkäfer einen Zufluchtsort.“
Was ist mit Dünger?
Kunstdünger sind in der biologischen Landwirtschaft nicht erlaubt. „Wir düngen mit dem Ziegenmist aus unserem Kompostierstall“, sagt Klaas Froschauer. Als Streu nutzt er Elefantengras und Sägespäne. Damit der Mist trotz der kleinen Ziegenhufe schön locker bleibt, gräbt er ihn jeden Tag um. „Einmal im Jahr bringen wir den Mist auf die Weiden“, sagt Klaas Froschauer. „Dann ist er schön locker und durchkompostiert. Wir haben allerdings nicht genug Mist für alle Flächen.“
Mist ist ein natürlicher Langzeitdünger und liefert wertvolle Nährstoffe, sagt Cäcilia Hagenow. Er verbessert die Bodenstruktur und bietet den Bodenorganismen mit seinen zahlreichen Nährstoffen eine gute Nahrungsgrundlage. So fördert er das Bodenleben. Die organische Substanz im Mist verbessert die Wasserspeicherfähigkeit und den Lufthaushalt des Bodens: „Auch im Garten sollte man die Düngung an die Pflanzen anpassen und einen Dünger wählen, der wie Mist das Bodenleben aktiviert.“
Was für „Gemeinsam Boden gut machen“ noch zählt
Den Preis hat die Ziegenmanufaktur nicht nur wegen der ökologischen Landwirtschaft erhalten. „Auch mit der Direktvermarktung konnten Christina und Klaas Froschauer punkten“, sagt Cäcilia Hagenow. Während Klaas Froschauer sich vor allem um die Tiere kümmert, verarbeitet Christina Froschauer die Milch der Tiere – in Handarbeit. In der durch ein Crowdfunding finanzierten Käserei des Hofes stellt sie verschiedene Käsesorten, Joghurt und Ziegenmilcheis her.
Die Produkte sind von März bis Oktober unter anderem im eigenen Hofladen erhältlich. Ab September gibt es Wurst und Fleisch von der Jungziege. Darüber hinaus verkauft die Ziegenmanufaktur Ziegenfelle und Schnittblumen, die im Sommer und Herbst verfügbar sind. Christina und Klaas Froschauer legen großen Wert auf umweltfreundliche Verpackungen und Mehrwegsysteme. Zudem betreiben sie muttergebundene Lämmeraufzucht und eine hofeigene Bockaufzucht.
So entstand die Idee der Ziegenmanufaktur
Für Klaas Froschauer, der als Kind oft die Ferien bei Verwandten in Ostfriesland verbrachte, war Landwirt schon seit der Kindheit ein Traumberuf. Nach dem Umzug von Frankfurt nach Großefehn verwirklichten Klaas und Christina Froschauer im Jahr 2020 den Traum von einer eigenen, ökologischen Landwirtschaft und gründeten die „Ziegenmanufaktur Ostfriesland“. Als Quereinsteiger in der Landwirtschaft haben sie in den vergangenen Jahren vieles ausprobiert und auch aus Fehlern gelernt.
Schritt für Schritt bauten sie ihren kleinen Betrieb auf, der ihre Werte widerspiegelt: Respekt vor der Natur, deren Boden sie nutzen dürfen, und den Tieren, die für sie arbeiten. „Wir wünschen uns, dass wir mit unserer Arbeit das Verständnis für die Zusammenhänge in der landwirtschaftlichen Produktion verbessern können“, sagt Klaas Froschauer. Dazu gehört auch, dass ein Milchviehbetrieb ein Problem hat, wenn die Milchprodukte zwar gut laufen, aber niemand das Fleisch der Nachzucht essen möchte, ohne die es gar keine Milch gäbe. „Am Ende muss sich der Kreislauf schließen.“
Wie geht es weiter?
Das nächste Projekt der Ziegenmanufaktur ist der Onlineshop. Einen Teil des Preisgeldes von 10.000 Euro wollen die Froschauers dafür verwenden. Dann kann eine Auswahl an Käse innerhalb Deutschlands bestellt werden. Die Froschauers sind noch nicht am Ziel, aber auf einem guten Weg. Aktuell werden auf ihrem Hof 20 Ziegen gemolken. „Damit sich alles rechnet, müssen wir auf 32 Ziegen wachsen“, sagt Klaas Froschauer. Das Ziel ist nicht weit entfernt. Wenn der Nachwuchs von diesem Jahr in zwei Jahren selbst Nachwuchs bekommt, ist die Zahl erreicht.
„Wir haben in den letzten Jahren auch gelernt, dass wir mit den Produkten immer präsent sein müssen, um die Nachfrage hochzuhalten“, sagt Klaas Froschauer. Deshalb finden seit zwei Jahren Veranstaltungen mit der Kreisvolkshochschule Aurich statt. Angeboten werden Hofführungen und Verkostungen. „Es gibt zum Beispiel ein Frühstücksbuffet und einen Burger-Abend mit Ziegenhack.“
Außerdem sind sie bei der „Genussmesse“ in Aurich präsent und wollen Märkte wie den Frühlingsmarkt an der Evenburg in Leer nutzen, um sich vorzustellen. Auf Vorurteile gegenüber Ziegenprodukten trifft Klaas Froschauer immer wieder. „Einen komischen Beigeschmack, wie ihnen nachgesagt wird, gibt es nicht“, sagt Klaas Froschauer. „Aber wir müssen unsere Produkte immer wieder vorstellen, um die Menschen davon zu überzeugen.“