Mannheim Vom Popstar zum Verschwörungstheoretiker: Der komplizierte Fall des Xavier Naidoo
Xavier Naidoo stürzte vom gefeierten Popstar zum geächteten Verschwörungstheoretiker ab. Wie konnte es so weit kommen? Eine Chronik seiner Skandale.
Xavier Naidoo hat zwei Gesichter: Da ist der erfolgreiche Popstar, der in der Vergangenheit mit Songs wie „Wo willst du hin?“ oder „Sie sieht mich nicht“ regelmäßig die vorderen Plätze der Charts erreichte. Während der Fußball-WM 2006 spielte die deutsche Nationalmannschaft vor den Spielen seinen Hit „Dieser Weg“.
Doch da ist auch der Verschwörungstheoretiker, der im Internet Videos mit kruden Aussagen verbreitet, vor Mitgliedern der sogenannten Reichsbürger auftritt oder sich in Songs abfällig über Homosexuelle äußert. Aber wann genau nahm Naidoos Karriere eine derart skandalöse Wendung? Eine Chronik der wichtigsten Ereignisse.
Der Durchbruch gelang Xavier Naidoo im Jahr 1998 mit dem Album „Nicht von dieser Welt“. Neben dem Titeltrack konnte der Sänger mit Liedern wie „Frei sein“ und „20.000 Meilen“ seine ersten Hits landen. Doch bereits hier bekam die vielversprechende Karriere erste Makel. Vor einigen Jahren erzählte der Journalist Dirk Laabs, er habe 1998 eine Live-Sendung für MTV produziert, in der er Naidoo den Ton abstellen musste, da dieser die Legitimität der damaligen Bundestagswahl angezweifelt habe.
Im darauffolgenden Jahr erklärte Naidoo im Interview mit dem Magazin „Musikexpress“, er sei ein „Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe“. Weiter sagte er, er trete lieber für Mannheim ein, als „irgendwelchen Tieren oder Ausländern“ Gutes zu tun. Zudem sprach er über Lieder, die er bislang nicht veröffentlicht habe, da die Texte „zu krass rübergekommen wären“.
Ungeachtet dessen wurde Naidoo von Branche und Fans gleichermaßen hofiert, sackte zahlreiche Preise ein und spielte regelmäßig vor ausverkauften Konzerthäusern. Seine kruden Theorien verbreitete der Sänger derweil weiter, so auch auf dem Album „Alles kann besser werden“, das er 2009 veröffentlichte. Im Song „Raus aus dem Reichstag“ stellte er die Demokratie in Deutschland infrage und bediente antisemitische Stereotype.
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Deutschland sei laut Naidoo immer noch ein besetztes Land. So erklärte er 2011 im „ARD-Morgenmagazin“: „Wir sind immer noch ein besetztes Land, Deutschland hat keinen Friedensvertrag und dementsprechend ist Deutschland auch kein echtes Land.“
Seine Ansichten untermauerte er mit einem Auftritt vor sogenannten Reichsbürger am 3. Oktober 2014 in Berlin. Dort erklärte der Sänger, in Deutschland müsse „Ordnung geschaffen“ werden. Er spreche zu den „Menschen der Mahnwachen und zu den Menschen, die sich ‚Reichsbürger‘ nennen, weil es sind alles Systemkritiker so wie ich“. Naidoo wolle nach eigenen Angaben auf Menschen zugehen, auch auf Reichsbürger, auch auf die NPD.
Künstlerisch gelang Naidoo 2020 unterdessen nochmal ein Triumph. Der Fernsehsender RTL berief ihn in die Jury der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“. Lange hielt sich der Sänger dort jedoch nicht. Im Internet tauchte ein Video auf, in dem Naidoo über die angeblichen Gefahren singt, die von Migranten ausgehen. So lautete eine Zeile: „Was, wenn fast jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt?“
Auf Facebook erklärte Naidoo zwar, dass Rassenhass und Fremdenfeindlichkeit ihm völlig fremd seien, dennoch zog RTL Konsequenzen und warf den Musiker als DSDS-Juror raus. „Er bleibt dem Sender viele Antworten schuldig, zudem sind weitere Videos aufgetaucht, die in eine ähnliche Richtung gehen“, so der Fernsehsender damals.
Danach verschwand der Musiker zunehmend aus der Öffentlichkeit. Lediglich auf seinem Telegram-Kanal verbreitete er regelmäßig seine Ansichten und Verschwörungstheorien, so etwa zur Corona-Pandemie. Er lehnte unter anderem das Tragen von Masken ab, leugnete grundsätzlich die Existenz des Virus und kündigte an, die Bundesregierung wegen der Schutzmaßnahmen zu verklagen.
Doch im April 2022 gab es eine überraschende Wendung: Naidoo lud auf der Plattform Youtube ein Video hoch, in dem er eingestand, sich teilweise in Verschwörungstheorien verrannt zu haben. „Ich habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich teilweise befunden habe“, so der Sänger in dem Beitrag. „Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue.“
Kritiker bemängelten jedoch, dass sich Naidoo weder entschuldigte noch sich von vergangenen Aussagen wirklich distanzierte. Nach dem veröffentlichten Video wurde es zunächst wieder ruhig – bis zum 6. Juli 2025, als der Künstler auf Instagram ankündigte, im Dezember ein Konzert in Köln geben zu wollen, rund sechs Jahre nach seinem letzten Auftritt.