Osnabrück Migrationsquote an Schulen: So sieht es in Niedersachsen aus
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) feuert die Diskussion um eine Obergrenze für Schüler mit Migrationshintergrund an. Wie hoch ist deren Anteil an niedersächsischen Schulen?
Eine Obergrenze für Kinder mit Migrationshintergrund an Schulen: Für Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) ist das ein „denkbares Modell“, wie sie in einem Polittalk auf „Welt TV“ sagte. Und sie brachte auch mögliche Quoten ins Spiel – man müsste schauen, „ob das 30 Prozent oder 40 Prozent dann am Ende sind“, sagte die schleswig-holsteinische Politikerin. Aber wie hoch ist der Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund an Niedersachsens Schulen?
Das will derzeit der fraktionslose Abgeordnete Jozef Rakicky von der Landesregierung in Hannover wissen. Auch, in welchen Kommunen der Anteil dieser Schüler „überdurchschnittlich hoch“ ausfalle, wie es in der Kleinen Anfrage des früheren AfD-Parlamentariers heißt. Eine Antwort steht bislang noch aus, die Anfrage befindet sich in Bearbeitung, teilt das niedersächsische Kultusministerium auf Anfrage mit. Die aktuellsten öffentlich zugänglichen Zahlen liegen aus dem Jahr 2023 vor. Damals hatte die AfD eine ähnliche Anfrage gestellt.
Das Kultusministerium antwortete damals, dass im Schuljahr 2022/23 der Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund an vier allgemeinbildenden Schulen im Land bei mehr als 90 Prozent lag. Konkret waren das die Grundschule Heiligenweg in Osnabrück (97,9 Prozent), die Oberschule Ricklingen (Hannover, 97,4%) sowie die Grundschulen Mühlenberg (Hannover, 95,1 Prozent) und Gertrudenschule (Lohne, 90,7 Prozent).
An 31 allgemeinbildenden Schulen, davon 21 Grundschulen, lag der Anteil den Angaben des Ministeriums zufolge bei mehr als 75 Prozent, an 2216 Schulen unterhalb von 35 Prozent – was in etwa der von Ministerin Prien genannten Größenordnung entspräche. An 231 Schulen im Land sind Kinder mit Migrationshintergrund in der Mehrheit; wie sich dort eine solche Obergrenze durchsetzen ließe, ohne sie in andere Schulen zu zwingen, bleibt fraglich. Die Statistik für das genannte Schuljahr umfasst insgesamt 2718 Schulen.
Auch wenn sich am oberen Ende der Tabelle viele Grundschulen finden, liegt in der Gesamtbetrachtung dennoch nur jede fünfte Grundschule oberhalb der 35-Prozent-Marke, bei Haupt- und Realschulen sind es rund 40 Prozent. An Gymnasien spielen Schüler mit Migrationshintergrund eine deutlich geringere Rolle, fast alle lagen in dem Jahr unter 35 Prozent.
.Allerdings wies das Ministerium schon damals darauf hin, dass es für die Erstellung solcher Statistiken keine Definition gebe, „nach welchen Kriterien Schülerinnen und Schüler über einen Migrationshintergrund verfügen“ und dass die Daten „keine eindeutigen Rückschlüsse darüber zu(lassen), ob die Schülerinnen und Schüler über einen Migrationshintergrund verfügen“.
Bei der Antwort habe man sich nach einem Katalog der Kultusministerkonferenz gerichtet, demzufolge ein Migrationshintergrund dann anzunehmen sei, wenn auf den Schüler eines von drei Merkmalen zutreffe: Fehlen der deutschen Staatsangehörigkeit, nichtdeutsches Geburtsland oder „nichtdeutsche Verkehrssprache in der Familie“. Insbesondere letzterer Punkt dürfte in vielen Fällen dazu führen, dass Schüler, auch wenn sie hier geboren wurden, die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen und Deutsch sprechen, als Schüler mit Migrationshintergrund in die Statistik einfließen.
Diese Daten werden laut Ministerium seit 2019/20 erhoben. In jenem Jahr lag die Quote an 34 allgemeinbildenden Schulen oberhalb von 75 Prozent, an neun Schulen oberhalb von 90 Prozent. Das Niedersächsische Landesamt für Statistik zählte 2024 an allgemeinbildenden Schulen insgesamt 136.424 Schüler, die keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen – das entspricht einem Anteil von 15,5 Prozent an allen Schülern im Land.