Sprache im Vordergrund 20 Jahre Integrationsarbeit in Leer – Erfolg und Unsicherheit
Als Schnappi die Charts stürmte, startete die VHS in Leer ihre Integrationskurse. Jetzt wurde gefeiert – doch die Zukunft ist noch ungewiss.
Leer - Als Schnappi, das kleine Krokodil, die Spitze der Charts erklomm, starteten bei der Volkshochschule (VHS) in Leer die ersten Integrationskurse. Zwei Jahrzehnte ist das nun her. Das wurde kürzlich mit 200 Gästen bei der Haneburg in Leer groß und bunt gefeiert. Unzählige Sprachen waren dabei zu hören, es gab Reden, Sketche, Gedichte – Teilnehmende aus den Kursen stellten mächtig was auf die Beine, Verantwortliche von der VHS, dem Kreis Leer und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) waren dabei.
2005 berichtete diese Zeitung über den ersten Kurs: „Die Sprache stand im Vordergrund“ lautete die Überschrift. „Der Kurs richtete sich hauptsächlich an Spätaussiedler“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der VHS Jörg Furch. Die Idee: Zugewanderten helfen, sprachlich, gesellschaftlich und kulturell in Deutschland anzukommen. Fachkräftemangel, Integration, Schicksale – es hat sich in den vergangenen 20 Jahren einiges getan, wir fassen zusammen.
Was sollen die Kurse denn bringen?
Wie 2005 in der Überschrift geht es noch immer um Sprache. „Sie ist Grundlage für alles. Wie begleitet man sonst seine Kinder im Kindergarten oder der Schule? Nur durch Sprachkenntnisse kann man sich nicht ausgegrenzt fühlen“, erklärt Sabine Kasimir, pädagogische Leiterin der VHS. Die Sprache sei außerdem der Weg in die Arbeitswelt. „Es geht in den Kursen aber auch um den Rechtsstaat, die Demokratie, die deutsche Geschichte und Kultur“, sagt sie. „Es geht darum, dass wir das Land gemeinsam gestalten können. Es geht aber auch um die Sicherung der Rente, wenn man den größeren Zusammenhang sieht“, sagt sie.
Was kommt nach dem Kurs?
Integrationskurse seien dafür zunächst nur ein wichtiger erster Schritt. Im Sprachkurs erlernen die Teilnehmenden die deutsche Sprache bis zum Niveau B1, schreibt das Bamf. „Das ist wichtig, um Arbeit zu finden, Anträge ausfüllen oder sich im Alltag verständigen zu können.“ Aber die VHS will danach weiter Ansprechpartner sein. Bei Schwierigkeiten beim Übergang in die Ausbildung oder Ähnliches weiterhin helfen. „Wir bieten auch Maßnahmen zur Weiterbildung zur Hilfskraft in der Pflege oder zur sozialpädagogischen Hilfskraft“, sagt Ursula Behrends, Fachbereichsleitung Integration und Teilhabe.
„Viele von ihnen haben vorher den Integrationskurs gemacht und uns darüber kennengelernt. Wir haben da hohe Erfolgsquoten“, sagt sie. Und das wolle man weiterhin in die Welt tragen. Gleichzeitig höre man immer wieder von Firmen, die ins Ausland reisten, um Menschen anzuwerben für gewisse Branchen. „Das ist doch widersinnig. Die Menschen mit Potential sind doch schon hier. Es fehlt, wie mir gesagt worden ist, allerdings an Verbindungsstellen zwischen Arbeitswelt und den Leuten“, sagt Furch.
Wie haben sich die Kurse entwickelt?
2005 bis 2015 wurden rund 70 Integrationskurse durchgeführt, 2015 bis 2025 waren es 150. „Die Anzahl hat sich in diesem Jahrzehnt verdoppelt“, sagt Behrends. Auch das Angebot hat sich erweitert. Die Flüchtlingsbewegung 2015, der Krieg in der Ukraine, die Pandemie – viele Ereignisse hatten Einfluss auf die Kurse. Das ist auch aktuell wieder der Fall. Es warten noch immer Menschen auf Wartelisten auf einen Kurs, aber die Zahl gehe leicht zurück. „Man spürt, dass sich die Grenzen schließen“, so Behrends.
Der Bundestag beschloss vor einigen Tagen, dass eingeschränkt Schutzberechtigte, zu denen viele Bürgerkriegsflüchtlinge gehören, nur noch in Härtefällen Ehepartner, Kinder und als Minderjährige die Eltern nachholen dürfen – das betrifft 380.000 Menschen in Deutschland. „Das löst großen Kummer aus“, sagt Behrends. Ebenfalls aktuell sei die Frage nach der Finanzierung der Kurse, sagen die Verantwortlichen. Durch den Regierungswechsel sei nun einiges unklar. Aktuell sei die Finanzierung der Integrationskurse nur bis Ende 2025 gesichert. Rund 363.000 Kursteilnehmende begannen im Jahr 2024 mit einem Integrationskurs, teilt das zuständige Bamf im Juni 2025 mit.