Tierschutz  Das Problem mit den Auslandshunden

Imke Oltmanns
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Von Imke Oltmanns
| 03.07.2025 09:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zwei Hunde in einem Zwinger im Tierheim. Das Foto entstand allerdings nicht im Ausland, sondern in Eisenhüttenstadt in Brandenburg. Foto: Patrick Pleul/dpa
Zwei Hunde in einem Zwinger im Tierheim. Das Foto entstand allerdings nicht im Ausland, sondern in Eisenhüttenstadt in Brandenburg. Foto: Patrick Pleul/dpa
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Die Zahl der Hunde, die aus dem Ausland an die Küste gebracht werden, ist enorm gestiegen. Die meisten Neu-Besitzer wollen sie retten – und sind dann überfordert. Aber was dann?

Wittmund - Ein Verfahren vor dem Amtsgericht Wittmund hat kürzlich ein Schlaglicht auf eine spezielle Nische des Tierschutzes geworfen: den Import von Hunden aus dem Ausland; um ihnen hier ein vermeintlich besseres Leben zu ermöglichen. Das bleibt offenbar nicht ohne Folgen: „Auslandshunde sind ein zunehmendes Problem bei uns“, sagt etwa Sonja Lindemann, Vorsitzende des Vereins Aktive Tierfreunde. Eine Ansicht, die vom Veterinäramt Jade-Weser geteilt und auch mit Zahlen belegt wird.

Im dem gerichtlichen Verfahren ging es um zwei Mitglieder eines Vereins, der Hunde und Katzen aus dem Ausland nach Deutschland bringt und hier für eine „Schutzgebühr“ an Privatleute abgibt. Beide hatten in die Vereinskasse gegriffen und Geld veruntreut. Beide wurden verurteilt.

Auslandshunde – die Zahlen

Tatsächlich, bestätigt das Veterinäramt Jade-Weser auf Nachfrage, wird eine „anhaltend hohe Anzahl an Hunden über die Vereine aus dem Ausland nach Deutschland verbracht“. Der Zweckverband ist für die Kreise Wittmund, Friesland, Wesermarsch und die Stadt Wilhelmshaven zuständig. Für den Kreis Wittmund gibt es konkrete Vergleichszahlen: 2015 kamen hier demnach sechs Importhunde an. 2024 seien es dann schon 50 gewesen. Die Zahl hat sich also innerhalb weniger Jahre verachtfacht.

Das Veterinäramt sieht das kritisch, aus gleich mehreren Gründen: Zum einen seien da die langen Transporte über mehrere Tage. Dann würden auch Hunde vermittelt, die nicht für das Leben im engen Kontakt mit Menschen sozialisiert seien. Das Veterinäramt spricht hier beispielhaft von sogenannten Angsthunden. „Dies ist tierschutzwidrig, da diese Hunde aufgrund der dauerhaften Überschreitung ihrer Anpassungsfähigkeit erheblich leiden“, schreibt der Zweckverband. Und dann die Zusammenführung an sich: Meist würden die Tiere quasi im Internet „bestellt“. Weder die Hunde noch die neuen Besitzer hätten also die Möglichkeit, sich erst mal kennenzulernen.

Auslandshunde – was mit ihnen geschieht

Sonja Lindemann kennt das Problem mit Auslandshunden aus eigener Beobachtung. Eine ihr bekannte Familie, schildert sie, habe einen Hund aus Rumänien aufgenommen. Nach wenigen Tagen sei dann klar geworden, dass das Zusammenleben nicht klappt. Der vermittelnde Verein habe das Tier nicht zurücknehmen wollen und auch die Tierheime hatten keinen Platz. Wohin also mit dem Hund? Wie es in diesem Fall ausging, weiß Lindemann nicht. Sie sagt aber auch: Irgendwann landen solche Hunde dann im Internet bei den Kleinanzeigen.

Lindemann betont aber auch, dass der Import von Hunden aus dem Ausland an sich nicht falsch sei. Es gebe sehr wohl Tötungsstationen für Hunde im Ausland und Vereine oder Einzelpersonen, die diese Tiere retten und deswegen nach Deutschland bringen würden. Dafür gebe es viele positive Beispiele. Es gebe aber eben auch schwarze Schafe. Sie rät Interessenten, Auslandshunde nur von seriösen Vereinen zu übernehmen.

Auslandshunde – wie man’s richtig macht

Vereine, die Hunde aus dem Ausland nach Deutschland vermitteln und bringen, brauchen dafür eine tierschutzrechtliche Erlaubnis, schreibt das Veterinäramt. Um diese zu bekommen, müsse der Verein auch mindestens eine verantwortliche Person benennen, die zuverlässig und sachkundig sei. Man kann sich als Interessent also nach einer solchen Erlaubnis erkundigen.

Auch sollte das Aussuchen und Kennenlernen des Hundes nicht nur per Foto oder Video erfolgen, sondern möglichst auf einer Pflegestelle oder im Tierheim. Hund und Mensch sollten sich also erst mal kennenlernen können, bevor Fakten geschaffen werden.

Und ganz wichtig: „Vorsicht bei emotionaler Erpressung durch den Verein“, schreibt das Veterinäramt. Wenn es etwa heiße, der Hund müsse gerettet werden, andernfalls würde er getötet. Das sei nun wirklich unseriös.

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