Berlin Triumph für Bas, Klatsche für Klingbeil: Ist die SPD noch zu retten?
Auferstehen aus Ruinen, darum sollte es für die SPD nach dem Wahldebakel auf ihrem Parteitag in Berlin gehen. Vor allem auf Bärbel Bas, der neuen Frau an der Parteispitze, ruhen jetzt die Hoffnungen. Aber Lars Klingbeil erhielt eine böse Klatsche, was einen dunklen Schatten auf den Neustart der Genossen wirft.
95 Prozent für Bärbel Bas! Sie ist also die neue Hoffnung der SPD. Die Bundesarbeits- und Sozialministerin aus Duisburg steht jetzt neben dem Dominator der vergangenen Wochen. Lars Klingbeil wurde mit 64,9 Prozent brutal abgestraft: Ein ganz bitterer Denkzettel für den Mann, der, so hieß es zumindest bis zu diesem Freitag, gerne der nächste Kanzlerkandidat der Genossen werden möchte.
Klingbeils desaströses Wahlergebnis vermurkst den ersehnten Neustart für die ohnehin schwer angeschlagenen Sozialdemokraten, die es bei der Wahl im Februar nur auf 16,4 Prozent geschafft hatten. In den Umfragen ging es seitdem noch weiter nach unten.
Verwundern konnte das kaum. Denn auf dem Weg zum Neustart freute sich die Partei nicht über die Erfolge bei den Koalitionsverhandlungen und beim Regieren - Stichwort Klingbeils Investitionsbooster. Nein, sie frönte mal wieder ihrem liebsten Laster, der Selbstbeschäftigung: Da wurden munter Grabenkämpfe über den Umgang mit Putin geführt. Da zofften sich Verteidigungsminister Boris Pistorius und Fraktionschef Matthias Miersch über die Rückkehr zur Wehrpflicht. Und da wurde auf die Mindestlohnkommission gestarrt wie das Kaninchen vor der Schlange, ob diese auch bloß ein Ergebnis ausspucke, das dem steilen 15-Euro-Versprechen nahekommt.
Der geballte Frust der Delegierten entlud sich im Klingbeil-Votum. Mit nicht mal 65 Prozent wurde der starke Mann der letzten Monate abgewatscht. Das verheißt nichts Gutes für Kingbeils Versuch, die SPD vom Image als einer Partei zu erlösen, die sich vor allem um Rentner und Leistungsempfänger kümmert.
Welchen Kurs die SPD einschlagen wird, das hängt jetzt umso stärker von Bärbel Bas ab. Wenn es jemanden gibt, der den Genossen wieder zu Glaubwürdigkeit in der arbeitenden Mitte verhelfen könnte, ohne diejenigen zu verprellen, die den Sozialstaat brauchen, dann wäre sie es mit ihrer Doppelrolle als Arbeitsministerin und Co-Parteichefin.
Wenn Bas das Anti-Klingbeil-Votum als Auftrag des linken Flügels versteht, die Finger lieber von schmerzhaften Reformen zu lassen, dann dürfte die SPD noch mehr Wähler verlieren. Denn im Regierungsbündnis mit der Union wird es für die Sozialdemokraten zwar darauf ankommen, ihren Markenkern der Solidarität zu bewahren. Als Partei der Besitzstandswahrer wird sie aber keine große Zukunft mehr haben.