Polizei ermittelt Giftköder gefressen? – Nortmoorer trauern um ihre Katze
An einem Abend war sie noch munter, am nächsten Tag war sie tot: Die Katze von Karin und Jesco Dädelow aus Nortmoor ist plötzlich gestorben. Sie vermuten eine Vergiftung. Das sagt eine Tierärztin.
Nortmoor - Die vergangenen Tage waren hart für Karin und Jesco Dädelow aus Nortmoor. „Unsere Katze Luzie ist am Dienstag gestorben“, sagt Jesco Dädelow im Gespräch mit unserer Redaktion. Doch die beiden vermuten, dass eine Fremdeinwirkung den Tod der knapp drei Jahre alten Katze herbeigebracht haben könnte. „Sie ist vergiftet worden“, sind sie sich sicher – und das mehr oder minder vor der eigenen Haustür im Pillkampsweg.
Noch am Montagabend, 23. Juli 2025, sei Luzie putzmunter gewesen. Am Dienstagmorgen, 24. Juli 2025, sei sie zunächst nirgendwo zu finden gewesen. Dann gegen 11 Uhr gab es einen Anruf vom Nachbarn. „Sie lag völlig kraftlos am Boden. Sie fing an zu schreien, wenn man sie anfasste“, sagt der Nortmoorer. Ihm kommen die Tränen, als er die Situation schildert. Das Paar sei direkt mit der Katze zum Tierarzt nach Loga gefahren. „Ich hatte sie während der Fahrt im Arm“, sagt Karin Dädelow.
Atemnot, Untertemperatur und Blut im Speichel
Die Katze sei desorientiert, mit geweiteten Pupillen, Atemnot und einer niedrigen Temperatur eingeliefert worden, wie eine Mitarbeiterin, die bei der Behandlung dabei war, schildert. Außerdem sei Blut im Speichel zu erkennen gewesen. Luzie wurde stationär aufgenommen. Karin und Jesco Dädelow seien dann nach Hause gefahren. Knapp zwei Stunden später gab es dann die traurige Erkenntnis: Luzie ist tot.
Dr. Insa Rulffes hat Luzie behandelt. „Das Tier ist an einem akuten Herzkreislaufversagen gestorben“, sagt Rulffes. Eine Vergiftung könne die Tierärztin nicht ausschließen. Gleichzeitig heiße das nicht, dass es zwingend eine Vergiftung gewesen sein muss. Es könne beispielsweise auch etwas Genetisches sein oder mit den schwankenden Temperaturen zusammenhängen. Was Luzie getötet hat, hätte durch eine Obduktion in Oldenburg ermittelt werden können. Davon haben die Besitzern allerdings abgesehen. „Es kommen auch Giftstoffe in der Natur vor“, sagt Rulffes. Die Katze müsse also nicht gezielt vergiftet worden sein. „Freigänger sind nun mal größeren Risiken ausgesetzt“, so die Tierärztin.
Giftköder ausgelegt – immer bei Polizei melden
Die Trauer sitzt tief. Etwas anderes als einen Giftköder, das ihre Katze getötet hat, können sich Karin und Jesco Dädelow nicht vorstellen. Nun setzt das Paar alles daran, auf die Gefahrenlage aufmerksam zu machen. „Hier ist ein Wald direkt in der Nähe. Viele sind hier mit dem Hund unterwegs“, sagt Karin Dädelow. Die beiden stellten ein Warnschild am Anfang der Straße auf. Auf der Plattform Facebook veröffentlichten sie zudem eine Warnung – mit dem Hinweis: „Bitte passt auf Eure Tiere auf!“
Wer einen Giftköder ausgelegt haben könnte, können die Nortmoorer nicht sagen. Sie haben aber eine Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Polizei bestätigt auf Nachfrage den Eingang der Anzeige. Weitere Meldungen gebe es aktuell nicht. Eine Anzeige zu stellen, sei laut der Polizeisprecherin immer der richtige Weg. Das Auslegen von Giftködern stelle einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar. „Das ist eine Straftat. Wir haben ein Interesse daran, den Täter zu ermitteln, damit keine weiteren Tiere zu Schaden kommen“, heißt es. Im gleichen Zug weist die Sprecherin aber auch auf eine Problematik hin: Anwohner würden sich oft nicht bei der Polizei melden. Oft erfuhren die Beamten es erst über Dritte, die einen Beitrag in den sozialen Medien gesehen haben.
Katze verstorben – Ein Ort zum Trauern
Luzie bringt das alles allerdings nicht zurück. Ihr Bruder Cosmo, der ebenfalls Karin und Jesco Dädelow gehört, bleibt allein zurück. „Wir haben eine Decke von Luzie und das T-Shirt, das ich auf dem Weg zum Tierarzt anhatte, in unser Wohnzimmer gelegt“, sagt die Nortmoorerin und erklärt: „Auch Tiere brauchen einen Ort zum Trauern.“ Die Angst, dass dem Kater ebenfalls etwas passieren könnte, beschäftigt die beiden. Aber Cosmo einsperren? Das wäre auch falsch, findet das Paar, das sich als „Mama und Papa“ der Katzen sieht.
Karin und Jesco Dädelow hätten sich schon auf die Suche nach Giftködern gemacht – bisher erfolglos. Eine Nachbarin hätte ein Stück Toast im Gras gefunden. Ob das etwas damit zu tun hat, wissen sie allerdings nicht. „Uns ist jetzt einfach wichtig, dass die Leute hier Bescheid wissen und aufpassen“, sagt Jesco Dädelow.
So kann man sich vor Giftködern schützen
Die Anwaltskanzlei Ackenheil hat sich auf Tierrecht spezialisiert. Sie bietet bundesweite Beratung an. Auf der Internetseite ist nachzulesen, was Haustierbesitzer tun sollten, wenn ihr Schützling einen Giftköder gefressen hat:
- Tier schnellstens beim Tierarzt oder in der Tierklinik behandeln lassen
- Strafanzeige bei der Polizei (§ 11 Tierschutzgesetz), notfalls gegen Unbekannt, erstatten
- Meldung an das örtlich zuständige Veterinäramt und Tierheim zur Info
- in sozialen Medien sachlich über den Vorfall berichten und andere Tierhalter warnen
Zudem können insbesondere Hundehalter ihre Tiere vor Giftködern schützen:
- Gassi-Gemeinschaften bilden und aufpassen, dass die Hunde nichts fressen, was sie nicht vom Halter bekommen haben
- nach Möglichkeit nicht im Dunkeln mit dem Hund spazieren gehen (Taschenlampe)
- nach aktuellen Giftköder-Meldungen sehen und die Hunde in einem gemeldeten Giftköder-Gefahrengebiet nicht von der Leine lassen
- Hunde auf solche Situationen trainieren, kein Futter aufzunehmen
- im Einzelfall dem Hund einen Maulkorb anlegen (extra Maulkorb gegen die Aufnahme von Giftködern)
Wer Giftköder auslegt, macht sich nach dem Tierschutzgesetz strafbar, heißt es von der Kanzlei. Aber: Die Strafverfolgung von Personen, die Giftköder auslegen, erfolge nur, wenn der geschädigte Tierbesitzer Anzeige bei der Polizei erstellt. Es können dann Geldstrafen bis zu 25.000 Euro verhängt werden – dazu könnten auch Schmerzensgeld und die Übernahme der Behandlungskosten kommen.