Hannover  Stromtarife an Ladesäulen: So vermeiden E-Auto-Fahrer teure Überraschungen beim Laden

Patrick Bellmer
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Von Patrick Bellmer
| 26.06.2025 11:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 9 Minuten
Was ist bei der Benutzung von Ladestationen und dazugehörigen Tarifen zu beachten? Der Ratgeber gibt Antworten. Foto: IMAGO/Herrmann Agenturfotografie
Was ist bei der Benutzung von Ladestationen und dazugehörigen Tarifen zu beachten? Der Ratgeber gibt Antworten. Foto: IMAGO/Herrmann Agenturfotografie
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Öffentliche Ladesäulen für E-Autos verursachen oft unerwartete Zusatzkosten wie Blockiergebühren oder Preisaufschläge je nach Anbieter. Hier ist ein Überblick, wie sich Nutzer vor erhöhten Stromtarifen schützen können.

Laden Sie Ihr Elektroauto ausschließlich zu Hause an der eigenen Wallbox oder an kostenlosen Ladestationen auf, haben Sie einen großen Vorteil: Die Kosten sind im Vorfeld bekannt, böse Überraschungen bleiben ebenso aus wie inkompatible Ladekarten oder -Apps. Denn genau damit werden Sie höchstwahrscheinlich konfrontiert, wenn das Auto an einer kostenpflichtigen öffentlichen Ladesäule steht. Zwar ist klar geregelt, wer unter welchen Bedingungen Strom verkaufen darf, einen Tarifdschungel verhindert das nicht.

So mag es kein riesiges Loch in Ihre Geldbörse reißen, wenn Sie auf dem Weg in den Urlaub für die Batterieladung 55 Euro statt wie zu Hause 40 Euro zahlen. Über das Jahr gerechnet summieren sich aber auch Unterschiede beim Strompreis im Zehntel-Euro-Bereich zu nennenswerten Beträgen – zumindest dann, wenn man öfter längere Strecken fährt und die öffentliche Ladeinfrastruktur nutzt. Hinzu kommt, dass so mancher Anbieter Zusatzgebühren verlangt, die häufig in den Fußnoten versteckt sind.

Fester Bestandteil vieler Ladetarife ist eine Blockiergebühr. Diese fällt an, wenn Sie eine bestimmte Ladezeit überschreiten. An Wechselstrom-Ladesäulen (AC-Laden), die typischerweise im städtischen Raum zum Einsatz kommen, erheben die Betreiber die Blockiergebühr in der Regel ab der fünften Stunde. Für jede weitere Minute müssen Sie dann einen Zuschlag zahlen, meist zwischen 5 und 10 Cent.

Teurer wird es an Gleichstrom-Ladesäulen (DC-Laden), zu denen etwa die Schnelllader entlang der Autobahnen oder Teslas Supercharger gehören. Hier kann die Blockiergebühr – wie im Falle Teslas – bis zu 1 Euro pro Minute betragen. Hinzu kommt, dass der Betreiber den Zuschlag oftmals bereits ab der zweiten Stunde einfordert.

Einen Aufpreis wird unter Umständen auch dann fällig, wenn Sie das falsche Zahlungsmittel wählen. Zahlen Sie bei Aral Pulse etwa per Kreditkarte statt über die Aral-App, verteuert sich die Kilowattstunde von 0,61 auf 0,79 Euro. Bei Shell Recharge beträgt der Aufpreis in einem solchen Fall 0,15 Euro pro Kilowattstunde.

Können Sie Ihr Elektroauto nicht an einer eigenen Wallbox laden, sollten Sie bei der Wahl des passenden Ladetarifs auf die Klauseln bezüglich der Blockiergebühr achten. Denn für den klassischen Laternenparker, der das Auto nachmittags oder abends nach Feierabend an der Straße parkt und erst am nächsten Morgen wieder losfährt, wird es sonst schnell teuer. Bei acht Stunden Standzeit und 5 Cent Blockiergebühr pro Minute ab der fünften Stunde würden 12 Euro zum eigentlichen Ladepreis hinzukommen. Ein relevanter Betrag.

Entsprechend sollten Sie entweder einen Tarif wählen, der keine Blockiergebühr enthält (etwa Eon Drive oder EWE Go) oder der zumindest in bestimmten Zeiten darauf verzichtet. Letztere Ausnahme bieten vor allem Stadtwerke an eigenen Ladesäulen. Ein Beispiel dafür ist Enercity, ehemals Stadtwerke Hannover. An den eigenen AC-Säulen entfällt die Blockiergebühr zwischen 22 und 6 Uhr. Laternenparkern kommt das entgegen.

Regionale Tarife wie etwa Horizont Mobil von Hamburg Energy können Sie nur in einer bestimmten Region an den Ladesäulen des Anbieters nutzen. Das beste Beispiel hierfür sind Ladestandorte von Stadtwerken. Roaming-Abkommen, die das Laden an Säulen anderer Anbieter ermöglichen, fehlen hier. In unserer Preisübersicht berücksichtigen wir sie deshalb nicht.

Bei überregionalen Anbietern verhält es sich anders. Diese betreiben in mehreren Regionen oder gleich deutschlandweit eine eigene Ladeinfrastruktur. Dazu gehören unter anderen Energieerzeuger wie Eon, EnBW und EWE. Aber auch Mineralölkonzerne wie Aral und Shell verfügen inzwischen über eigene Ladesäulen.

In der Regel können Sie davon ausgehen, dass die jeweils vom Betreiber der Ladestation angebotenen Tarife günstiger als Roaming-Tarife anderer Anbieter sind. So würden Sie Stand Anfang Juni 2025 an einem EnBW-Schnelllader (Gleichstrom, DC) mit dem EnBW-Ladetarif S pro Kilowattstunde 0,59 Euro bezahlen, an der gleichen Station mit einem Plugsurfing-Konto hingegen 0,96 Euro.

Einige überregionale Akteure bieten neben Tarifen ohne Grundgebühr auch solche mit Gebühr an. Hier sollten Sie im Vorfeld prüfen, ob sich ein Tarif mit Grundgebühr aufgrund der geringeren Kilowattstundenpreise lohnen kann. Beispiel EnBW: Laden Sie häufig an Ladesäulen des Betreibers, lohnt sich der Ladetarif M mit knapp 6 Euro Grundgebühr pro Monat bereits ab der 61. Kilowattstunde. Laden Sie hingegen im Schnitt 91 und mehr Kilowattstunden pro Monat, ist der Tarif L mit knapp 18 Euro Grundgebühr unter dem Strich günstiger als der kostenlose Tarif S.

Ladetarife mit monatlichen Grundgebühren schrecken zunächst ab. Je nach geladener Strommenge kann sich die Gebühr aber lohnen, wie das Beispiel EnBW zeigt.

Beachten sollten Sie, dass die Tarife überregionaler Anbieter zwischen eigener und fremder Infrastruktur entscheiden. Die Preise, die Sie mit einem Shell-Recharge-Tarif an einer Shell-Ladesäule bezahlen, können entsprechend von den Preisen an einer Eon-Ladesäule abweichen. Das sollten vor allem EnBW-Kunden berücksichtigen. Denn das Unternehmen bietet seit dem 5. Juni 2024 keine festen Roaming-Preise mehr an. Stattdessen hängt der Preis pro Kilowattstunde dann vom konkreten Betreiber des Ladepunkts, des Standorts und weiteren Faktoren ab.

Ionity betreibt entlang der deutschen Autobahnen ein dichtes Netz an Schnellladern für Elektroautos. Kunden können zwischen drei unterschiedlichen Tarifen wählen, die in zwei Fällen mit einer monatlichen Grundgebühr verbunden sind.

Gleich zwei preisbezogene Besonderheiten gibt es bei Tesla. Das Unternehmen betreibt mit seinen Superchargern ein eigenes Schnellladenetz, das auch Elektroautos anderer Hersteller offensteht. In letzterem Fall müssen Sie aber mit höheren Kilowattstundenpreisen rechnen. Der Aufpreis gegenüber dem Tesla-Tarif beträgt 0,15 bis 0,16 Euro pro Kilowattstunde.

Buchen Sie die Supercharging-Mitgliedschaft für knapp 10 Euro pro Monat, sinken die Preise auf das Tesla-Niveau. Die Grundgebühr lohnt sich somit, wenn Sie im Monat etwa 67 Kilowattstunden oder mehr am Supercharger laden.

An vielen Superchargern können Sie auch Elektroautos anderer Hersteller laden. Pro Kilowattstunden verlangt Tesla dann aber einen höheren Preis – sofern Sie sich nicht für eine Supercharger-Mitgliedschaft entscheiden.

Was Sie konkret bei Tesla bezahlen müssen, hängt aber vom Standort und der Uhrzeit ab. Denn Tesla orientiert sich mit seinen Preisen an der erwarteten Nachfrage. Das bedeutet: In Zeiten mit hoher Nachfrage zahlen Sie pro Kilowattstunde mehr als in Zeiten mit geringer Nachfrage. Anfang Juni 2025 lag die Differenz bei bis zu 0,12 Euro pro Kilowattstunde. Die Supercharger-Auslastung hat aber auch Einfluss auf die Blockiergebühr. Liegt die Auslastung bei 50 Prozent oder mehr, erhebt Tesla eine Gebühr von 0,50 Euro pro Minute, sobald der Fahrzeugakku vollständig geladen ist. Beträgt die Auslastung 100 Prozent, steigt die Gebühr auf 1 Euro pro Minute.

Neben Unternehmen wie EnBW, die eigene Ladesäulen betreiben und mit ihren Tarifen zusätzlich das Laden an fremder Infrastruktur ermöglichen, gibt es auch reine Roaming-Anbieter. Diese verfügen über keine eigenen Ladesäulen. Stattdessen kooperieren sie meist mit zahlreichen Infrastrukturbetreibern und bieten ihren Nutzern einen einheitlichen Preis. Die Kilowattstunde an der Eon-Drive-Säule kostet dann das gleiche wie an der Säule von Aral. Der Vorteil: Sie können mit einer einzigen Ladekarte oder App an mehreren Tausend Säulen laden. Der Nachteil: Die Preise können höher als bei den Tarifen des jeweiligen Ladesäulenbetreibers ausfallen. So kostet die Kilowattstunde am Schnelllader von EnBW im kostenlosen EnBW-Tarif 0,59 Euro, mit dem kostenlosen Maingau-Tarif hingegen 0,79 Euro.

In Bezug auf die Roaming-Tarife mit Grundgebühr gilt das Gleiche wie bei den Angeboten der überregionalen Anbieter. Auch hier sollten Sie prüfen, ob die geringeren Kilowattstundenpreise die Grundgebühr ausgleichen. So lohnt sich der Tarif Lichtblick Ladetarif L (etwa 10 Euro pro Monat) gegenüber dem kostenlosen Tarif Lichtblick Ladetarif S erst nach mindestens 141 Kilowattstunden.

Aber auch bei Roaming-Tarifen sollten Sie die Fußnoten beachten. Denn letztlich gelten die Bedingungen des Tarifs, den Sie zum Laden verwenden. Sieht der Tarif des Ladesäulenbetreibers keine Blockiergebühr oder Ladegrundgebühr vor, bringt Ihnen das bei anderslautenden Bedingungen des Roaming-Anbieters wenig. Das sollten Sie vor allem bei ADAC e-Charge beachten, da es hier an Schnellladern bereits ab 46 Minuten teurer wird.

Mit e-Charge bietet der ADAC einen eigenen Roaming-Ladetarif an. Dabei handelt es sich um eine Kooperation zwischen dem Automobilclub und – seit dem 1. August 2024 – Aral Pulse. Da e-Charge eine ADAC-Mitgliedschaft (ab 54 Euro pro Jahr) voraussetzt, beträgt die Grundgebühr 4,50 Euro pro Monat. Seit dem 1. Oktober 2024 zahlen Nutzer pauschal 0,57 Euro pro Kilowattstunde an allen Aral-Ladepunkten. An Ladepunkten anderer Anbieter kostet eine Kilowattstunde 0,75 Euro.

Wer das Elektroauto überwiegend zu Hause laden kann oder nur 200 oder 300 Kilometer pro Monat fährt, greift besser zu Ladetarifen ohne Grundgebühr. Die Ersparnis pro Kilowattstunde mag verlockend sein, doch die Gebühr müssen Sie erst mal wieder reinfahren. Somit bieten sich etwa der EnBW Ladetarif S und der Tarif EWE Go an.

Fahren Sie hingegen 1000 Kilometer oder mehr pro Monat und müssen regelmäßig öffentliche Ladesäulen nutzen, sind Tarife mit Grundgebühr die meistens insgesamt günstigere Wahl. Welchen Anbieter der für Sie beste ist, hängt in erster Linie von den üblicherweise angesteuerten Ladesäulen. Sind Sie viel auf Fernstraßen unterwegs, könnte ein Tarif-Pärchen die in Summe günstigste Wahl sein: fürs Schnellladen der Ionity Passport oder die Supercharging-Mitgliedschaft von Tesla, für alles andere der kostenlose EnBW- oder EWE-Tarif. Laden Sie nur selten an Fernstraßen, kommen je nach Verfügbarkeit eigener Säulen die beiden kostenpflichtigen EnBW-Tarife – bei bestehender ADAC-Mitgliedschaft entsprechend der e-Charge-Tarif – oder EWE Go infrage.

Mit den unterschiedlichen Anbietern und Tarifen sollten Sie sich möglichst schon vor dem Kauf eines Elektroautos auseinandersetzen, spätestens jedoch vor der ersten längeren Fahrt. Zwar ermöglichen fast alle Anbieter, ein Nutzerkonto online im Browser oder in der jeweiligen App zu erstellen, in einigen Fällen setzt das Laden aber eine physische Nutzerkarte oder einen anderen Autorisierungsgegenstand voraus. Oder schlicht die manuelle Freischaltung durch Mitarbeiter, die dann gegebenenfalls auch am Sonntagmorgen um 7 Uhr erreichbar sein müssen.

Aber auch wenn Sie schon seit Monaten oder Jahren mit dem Elektroauto unterwegs sind: Regelmäßige Tarifvergleiche lohnen sich. Denn die Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre hat gezeigt, dass die Kilowattstundenpreise schnell steigen und fallen können. 

Dieser Text erschien zuerst bei heise online.

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