Wirtschaft in Wiesmoor  Vermarktung des neuen Gewerbegebiets D11 startet

Nicole Böning
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Von Nicole Böning
| 26.06.2025 10:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Die offizielle Abnahme der Erschließungsarbeiten im neuen Gewerbegebiet D11: Dabei sind Baubetriebshofleiter Jann Wolters (von links), Hinrich Beekmann als Fachbereichsleiter des Bauamts, Bürgermeister Sven Lübbers, Dietmar Schon als Fachgruppenleiter des technischen Bauamts, Bauleiter Tobias Hinrichs und Christian B. Thoer vom Tiefbauunternehmen Koch in Westerstede. Foto: Nicole Böning
Die offizielle Abnahme der Erschließungsarbeiten im neuen Gewerbegebiet D11: Dabei sind Baubetriebshofleiter Jann Wolters (von links), Hinrich Beekmann als Fachbereichsleiter des Bauamts, Bürgermeister Sven Lübbers, Dietmar Schon als Fachgruppenleiter des technischen Bauamts, Bauleiter Tobias Hinrichs und Christian B. Thoer vom Tiefbauunternehmen Koch in Westerstede. Foto: Nicole Böning
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Ein Jahr später als geplant startet die Stadt Wiesmoor mit der Vermarktung des neuen Gewerbegebiets D11 an der Oldenburger Straße. Was Wiesmoorer und Unternehmen über das Projekt wissen müssen.

Wiesmoor - Es hat ein Jahr länger gedauert, als ursprünglich geplant. Doch mit dem Abschluss der Erschließung im ersten Abschnitt des neuen Gewerbegebiets D11 an der Oldenburger Straße in Wiesmoor ist die Stadtverwaltung jetzt in die Vermarktung der Flächen gestartet. Startschuss war die offizielle Abnahme mit dem Bauunternehmen Koch aus Westerstede am Freitag, 20. Juni 2025.

Einen Flächenpreis von 20 Euro pro Quadratmeter ruft die Stadt für die neuen Gewerbeflächen auf. Ein Preis, der nur dank erhaltener Fördermittel möglich ist. Doch wenn sich ein Unternehmen hier ansiedeln möchte, muss es gewisse Bedingungen erfüllen. Die wichtigsten Informationen zum neuen Gewerbegebiet in der Übersicht.

Wieso gab es ein Jahr Verzögerung?

Ein bisher nicht berücksichtigter Wald und ein extrem nasser Jahreswechsel 2023/24: Das führte laut Bürgermeister Sven Lübbers (parteilos) zu den Verzögerungen bei der Erschließung der Flächen. Der Wald hatte sich auf dem ehemaligen Gärtnereigelände von allein entwickelt und war nicht in den Planungen berücksichtigt worden. Das Problem: Der Raumordnungsplan fordert einen Abstand von 100 Metern zu Waldgebieten ab drei Hektar Größe.

Ein kritischer Blick: Baubetriebshofleiter Jann Wolters (von links), Bürgermeister Sven Lübbers, Hinrich Beekmann als Fachbereichsleiter des Bauamts, Dietmar Schon als Fachgruppenleiter des technischen Bauamts, Christian B. Thoer und Bauleiter Tobias Hinrichs vom Tiefbauunternehmen Koch in Westerstede. Foto: Nicole Böning
Ein kritischer Blick: Baubetriebshofleiter Jann Wolters (von links), Bürgermeister Sven Lübbers, Hinrich Beekmann als Fachbereichsleiter des Bauamts, Dietmar Schon als Fachgruppenleiter des technischen Bauamts, Christian B. Thoer und Bauleiter Tobias Hinrichs vom Tiefbauunternehmen Koch in Westerstede. Foto: Nicole Böning

Hätte sich die Stadt an die Vorgaben halten müssen, wäre ein großer Teil des Gewerbegebietes nicht nutzbar gewesen. Der Landkreis Aurich argumentierte, dass in Wiesmoor als deutlich „unterbewaldete Region“ auch auf Brachflächen der Waldschutz Vorrang vor der Entwicklung neuer Gewerbeflächen hat. Nach längerer Verhandlung wurde ein Kompromiss gefunden. Jetzt reichen 30 Meter Abstand.

Was ist bisher passiert?

Bereits im Juni 2019 hatte die Stadt Wiesmoor den Aufstellungsbeschluss für die notwendige Änderung des Bebauungsplans entlang der Oldenburger Straße erwirkt. Das war der Startschuss für das neue Gewerbegebiet D11. Das wurde notwendig, weil an der Ilexstraße der Platz knapp wurde. Nach einer längeren Planungsphase wurde der erste Teil des Gewerbegebietes D11 mit einer Fläche von zehn Hektar erschlossen.

Versorgungsleitungen und 800 Meter Straße sind bereits gebaut und wurden in der vergangenen Woche von der Stadt abgenommen. Die neue, in die Fläche führende Straße, trägt den Namen „Tureker Straße“. Die quer zur Oldenburger Straße verlaufende Straße heißt „Am Lorengleis“. Die Stadt Wiesmoor hat Mitte Juni mit der Vermarktung des Gewerbegebiets begonnen.

Was ist aus der geplanten Fernwärmeversorgung geworden?

Ursprünglich wollte die Verwaltung das Areal als „Grünen Gewerbecampus“ vermarkten. Dazu gehörte die Idee, die Betriebsgebäude über eine Fernwärmeleitung mit bislang ungenutzter Abwärme des etwa zwei Kilometer südlich gelegenen Biomasse-Kraftwerks in Hinrichsfehn zu versorgen.

Eine von der Stadt bei den Stadtwerken Bremen in Auftrag gegebene Studie war zum Ergebnis gekommen, dass eine Fernwärmeleitung technisch und wirtschaftlich machbar wäre. Die Stadt hat ihre europaweite Ausschreibung des Projekts allerdings zurückgezogen. Laut Hinrich Beekmann, Fachbereichsleiter im Bauamt, war die Ursache dafür eine unwirtschaftliche Angebotslage. Das Projekt hätte sich schlicht nicht gerechnet.

Was kostet das Gewerbegebiet der Stadt?

Zu den genauen Kosten für Erschließung und Planung schweigt die Stadtverwaltung. Allerdings bekommt Wiesmoor laut Beekmann für die Erschließung eine Förderung von 1,35 Millionen Euro über die GRW-Förderung von der NBank.

Diese Fördermittel für die „Gemeinschaftsaufgabe‚ Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur‘“ ist eine Initiative von Bund und Ländern zur Stärkung von Wirtschaftsstandorten in strukturschwachen Regionen. Übernommen werden 60 Prozent der Erschließungskosten. Sodass der Eigenanteil der Stadt für die Erschließung bei rund 0,9 Millionen Euro liegt.

Welche Firmen können sich Hoffnung machen?

Das Gewerbegebiet D11 an der Oldenburger Straße wurde mit Unterstützung der NBank über die GRW-Förderung entwickelt. Deshalb müssen die Betriebe, die sich dort ansiedeln möchten, gewisse Vorgaben erfüllen. Zu den GRW-Zielen gehört, Investitionen zu unterstützen, die die wirtschaftliche Entwicklung der Regionen fördern. Kleine und mittlere Unternehmen sowie bestimmte Branchen und Produkte werden dabei bevorzugt.

Bevorzugt werden ebenfalls regionale Unternehmen, die in Wiesmoor neue Arbeitsplätze schaffen. Im Fokus stehen laut Sven Lübbers auch der architektonische Entwurf sowie die Nachhaltigkeit. Auch die zu erwartenden Steuerzahlungen werden bei der Auswahl der Unternehmen berücksichtigt.

Wie groß ist das Interesse?

Bereits vor Beginn der Vermarktung waren bei der Stadt Wiesmoor laut Hinrich Beekmann etwa 50 Initiativbewerbungen für das neue Gewerbegebiet eingegangen. „Wir haben jetzt alle noch einmal angeschrieben und ihnen unseren Flyer für das neue Gewerbegebiet beigelegt“, so Beekmann. Erste Rückmeldungen habe es daraufhin bereits gegeben.

Allerdings müssen die Interessenten erst einmal den Bewerbungsbogen ausfüllen und mit einem Bewerbungsschreiben sowie einem Bebauungskonzept einreichen. Nur so können sie am Vergabeverfahren teilnehmen. Mit dem Bewerbungsbogen fragt die Stadtverwaltung unter anderem die finanzielle Situation und die Branche der Unternehmen ab – sowie die erwartete Entwicklung der Mitarbeiterzahlen und die benötigte Fläche.

Wie geht es weiter?

Wenn die ersten Bewerbungen zügig eingehen, hofft die Stadt Wiesmoor, bereits im September die ersten Flächen vergeben zu können. Wie viele Unternehmen sich ansiedeln und wie groß die zu vergebenen Flächen sein sollen, steht nicht fest. „Das legen wir in Absprache mit den einzelnen Unternehmen fest“, so Beekmann. Das letzte Wort bei der Grundstücksvergabe hat nach Prüfung der Vergabekriterien durch die Verwaltung der Verwaltungsausschuss der Stadt Wiesmoor.

Sind die jetzt erschlossenen zehn Hektar vergeben, sollen weitere zehn Hektar erschlossen werden. Netto steht in diesem Gewerbegebiet insgesamt eine Fläche von 16,7 Hektar zur Verfügung. Davon darf nur ein festgelegter Anteil für Einzelhandel genutzt werden. Ende des Jahres könnten erste Baumaßnahmen bereits starten. Die Stadt Wiesmoor hat weitere Hausaufgaben für die Entwicklung der Flächen auf dem Zettel. So soll die Sichtbarkeit der Gewerbeflächen erhöht werden. Die Hecke des Landkreises Aurich, die aktuell noch als Sichtschutz wirkt, soll zu Einzelbäumen entwickelt werden. So rücken die neuen Unternehmen stärker in den Fokus.

Was hat die Stadt Wiesmoor von diesem Gewerbegebiet?

Bei 16,7 Hektar verfügbarer Nettofläche und einem Quadratmeterpreis von 20 Euro kann die Stadt die Kosten decken. So ist jedenfalls der Plan. Rein rechnerisch ergibt sich bei einem Komplettverkauf ein Erlös von 3,34 Millionen Euro. Einen Gewinn darf die Stadt Wiesmoor damit nicht machen. Sollte Geld übrigbleiben, muss es an den Fördergeber zurückgezahlt werden.

Was für Wiesmoor ebenfalls zählt: Mehr Unternehmensansiedlungen bringen auch zusätzliche Gewerbesteuer-Einnahmen und über die Beschäftigten einen zusätzlichen Einkommenssteuer-Schub. Beides kann die Stadtverwaltung in Wiesmoor aktuell und künftig gut gebrauchen.

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