Besuch aufm Hof  „Das beste Fleisch der Welt“ gibt es auch in Diele

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 22.06.2025 13:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Hans-Joachim von Dankelmann hat eine besondere Verbindung zu den Tieren. Die Rinder werden meist mit der Flasche aufgezogen, weil die Milch ihrer Mütter nicht ausreicht. Foto: Klaus Ortgies
Hans-Joachim von Dankelmann hat eine besondere Verbindung zu den Tieren. Die Rinder werden meist mit der Flasche aufgezogen, weil die Milch ihrer Mütter nicht ausreicht. Foto: Klaus Ortgies
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Neben den ostfriesischen schwarz-bunten Milchkühen gibt es im Rheiderland auch exotische Rinderrassen. Wir besuchten einen Hof, wo Rinder gezüchtet werden, deren Fleisch als das beste der Welt gilt.

Diele - Schwarzbunte Kühe grasen bei strahlendem Sonnenschein auf der sattgrünen Weide in Diele – ein Bild wie aus einer Werbebroschüre für Urlaub in Ostfriesland. Die schokobraunen Rinder, die gelassen auf der Nachbarweide wiederkäuen, sind nicht typisch ostfriesisch, sondern echte Exoten. Martina und Hans-Joachim von Ankelmann züchten und vermarkten Wagyu-Rinder.

Die Rinderrasse kommt ursprünglich aus Japan. Bei Gourmets werden Kobe-Rinder besonders geschätzt, einige behaupten es sei „das beste Fleisch der Welt“. „Als Kobe-Rinder werden nur Tiere aus der Region Kobe in Japan bezeichnet“, erklärt Martina von Dankelmann. In anderen Ländern seien sie als Wagyus bekannt.

Wagyu-Rinder zeichnen sich durch ihr ruhiges Gemüt aus. Als Kälber können sie aber auch ganz schön eigen sein. Foto: Tatjana Gettkowski
Wagyu-Rinder zeichnen sich durch ihr ruhiges Gemüt aus. Als Kälber können sie aber auch ganz schön eigen sein. Foto: Tatjana Gettkowski

Wie kam die Familie auf diese Rasse?

Auf die Idee mit den Wagyu-Rindern habe sie ein Onkel ihres Mannes aus Düsseldorf gebracht. „Der erzählte uns, dass das Fleisch dieser besonderen Rasse in Düsseldorf der Renner ist.“ Die von Dankelmanns machten sich schlau und fingen an neben dem Milchviehbetrieb eine Wagyu-Zucht aufzubauen. Den Hof an der Pollstiege im Weeneraner Ortsteil Diele betreibt die Familie bereits in vierter Generation. „Wir haben hier 140 Milchkühe“, erzählt die 48-Jährige. Der Start mit der neuen Rasse stellte sich als gar nicht so einfach heraus.

Die Schwarz-bunten und die Wagyu-Rinder verstehen sich. Foto: Klaus Ortgies
Die Schwarz-bunten und die Wagyu-Rinder verstehen sich. Foto: Klaus Ortgies

Was ist der Unterschied zu Milchkühen?

Die Tiere sind deutlich kleiner und kompakter als das in Ostfriesland bekannte Milchvieh. Wagyus seien nicht für eine hohe Milchleistung oder eine hohe Fleischmenge gezüchtet. „Neu geborene Kälber wiegen gerade einmal 20 Kilogramm, also die Hälfte von dem, was die Kälber unserer Milchkühe wiegen“, erzählt Hans-Joachim Dankelmann. Und die Kälbchen haben einen eigenen Kopf. Weil die Muttertiere nicht mehr als 1,5 bis 2 Liter Milch geben, müssen sie mit der Flasche oder später aus dem Eimer zugefüttert werden. Und die Kleinen können ganz schön eigen sein: „Manche trinken einfach nicht aus einem Eimer, aus dem sich schon ein anderes Tier bedient hat“, erzählt Martina von Dankelmann lachend. Dass die Aufzucht so aufwändig sein würde, hätten sie sich nicht vorgestellt.

Hans-Joachim und Martina von Dankelmann aus Diele haben einen Milchviehbetrieb, züchten aber auch Wagyu-Rinder. Foto: Klaus Ortgies
Hans-Joachim und Martina von Dankelmann aus Diele haben einen Milchviehbetrieb, züchten aber auch Wagyu-Rinder. Foto: Klaus Ortgies

Wie leben die Tiere in Diele?

Weil die Milch keine Rolle spielt, dürfen die Wagyu-Kälber lange bei ihren Müttern bleiben. Die Tiere leben auf dem Hof in einem Offenstall. Sie können wählen, ob sie auf der Weide grasen oder geschützt vor Regen und Hitze im Stall ruhen oder fressen wollen. Im Alter von drei bis vier Jahren erreichen die Tiere Schlachtreife. „In den nächsten fünf Jahren, können wir jedes Jahr drei Tiere schlachten“, erzählt Martina von Dankelmann.

Wo werden die Wagyus geschlachtet?

Die Tiere werden in Weener bei der Fleischerei Leggedör geschlachtet und zerlegt. Dort werden die Stücke portioniert und größtenteils vakuumiert. Verkauft wird das Fleisch allerdings nur im Hofladen in Diele und im Hofladen des Spargelhofs Santen. Ziel sei es, möglichst alle Teile zu verwerten. Neben Steaks, Rouladen, Gulasch und Beinscheiben finden sich in den Gefrierschränken im Hofladen auch Rinderzungen und die sind – typisch Wagyu – auf der Oberseite blau, was aber nichts mit der gefürchteten Blauzungenkrankheit zu tun hat.

Was zeichnet das Wagyu-Fleisch aus?

“Wagyu- oder Kobe-Rinder sind eine Rasse, die genetisch bedingt eine besonders hohe Fetteinlagerung haben“, erklärt Markus Leggedör, Obermeister der Fleischerinnung Leer, aus Weener. Das stark marmorierte Fleisch sei besonders gesund, weil es reich an Omega-3-Fettsäuren sei. „Das Fett ist ein Geschmacksträger und das macht den intensiven Geschmack des Fleisches aus“, sagt Leggedör. „Allein vom Mundgefühl ist es nicht mit normalem Rindfleisch vergleichbar. Es ist sehr fettreich und saftig. Das muss man mögen“, sagt der Fleischermeister. Die meisten Wagyu-Fans schwören auf die Steaks. So auch Hans-Joachim von Dankelmann. „Am besten schmeckt es mir, etwas mehr durch als medium“, sagt der Landwirt. Seiner Frau schmeckt Wagyu-Gulasch am besten. Einen Nachteil habe die Zubereitung allerdings. „Wenn man das Fleisch in der Pfanne zubereitet, hält sich der Geruch ziemlich lange in der Küche“, beschreibt sie ihre Erfahrungen.

Das Fleisch der Wagyu-Rinder wird ausschließlich im Hofladen der Familie von Ankelmann in Diele verkauft. Foto: Tatjana Gettkowski
Das Fleisch der Wagyu-Rinder wird ausschließlich im Hofladen der Familie von Ankelmann in Diele verkauft. Foto: Tatjana Gettkowski

Wie kommt das Fleisch in Ostfriesland an?

Das Fleisch findet zwar immer mehr Liebhaber in der Region, viele schreckt der höhere Preis ab. „Das Fleisch von Wagyu-Rindern kostet in der Regel doppelt oder dreimal so viel, wie das von herkömmlichen Rindern“, berichtet Markus Leggedör- Im Hofladen in Diele gibt es Wagyu-Burgerpatties für fünf Euro. Für viele ein erster Annährungsversuch an dieses Fleisch. An der Hauptstraße in Diele weist ein Schild auf den Wagyu-Hofladen hin. „Daher kommen viele Touristen zu uns, auch mit dem Wohnmobil.“ Stammkunden hat der Hofladen inzwischen in ganz Ostfriesland. „Anfangs haben wir mal gedacht, wir könnten von der Wagyu-Zucht leben“, sagt Martina von Dankelmann. Doch dafür reiche der Absatz nicht. „Wagyu-Fleisch wird nie ein Massenprodukt, allein schon wegen des Preises“, sagt Hans-Joachim von Dankelmann. Für ihn sei die Wagyu-Zucht ein zusätzliches Standbein für den landwirtschaftlichen Betrieb und so wie es aussieht, geht der auch noch in die fünfte Generation. Die Tochter macht eine Ausbildung zur Landwirtin, um den elterlichen Hof vielleicht eines Tages zu übernehmen.

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