Ambulant  Hausarzt am Wochenende – neues System in Ostfriesland

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 23.06.2025 07:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Ärztin hört der Patientin aufmerksam zu. Symbolfoto: Pixabay
Die Ärztin hört der Patientin aufmerksam zu. Symbolfoto: Pixabay
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Am Feiertag, nachts oder am Wochenende: Die ambulante Versorgung durch Hausärzte ist gefährdet. Nun wurde das neue System für Ostfriesland in Leer vorgestellt. Wir fassen zusammen.

Leer - Ärztemangel ist – gerade im ländlichen Bereich – ein Thema. Warten auf Termine, teils lange Fahrten, um überhaupt einen Arzt zu sehen. In der ambulanten Versorgung der Patientinnen und Patienten am Wochenende beispielsweise, drohte es, noch enger zu werden.

„Die Nachhaltigkeit der ambulanten Versorgung ist gefährdet“, sagte Dieter Krott, Leiter der Bezirksstelle Aurich der Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen. Er stellte im Ausschuss des Kreises Leer für für Arbeit, Soziales und Gesundheit nicht nur die aktuelle Situation vor, sondern auch ein neues System. Es sei geschaffen worden, um die Bereitschaft neu aufzustellen – in ganz Niedersachsen. Ostfriesland ist seit Anfang Juni dabei. Wir fassen die Antworten auf die wichtigsten Fragen zusammen.

Welche Zeiten betrifft das – Was wird genau geändert?

„Der Bereitschaftsdienst deckt die Zeit von 19 bis 7 Uhr morgens ab, das Wochenende und Feiertage“, erklärt Krott.

Wer am Wochenende oder abends medizinischen Rat benötigt, hatte bislang zwei Möglichkeiten: Die meist an Krankenhäuser angegliederten Bereitschaftspraxen oder die Rufnummer 116 117, über die man um einen kurzfristigen Hausbesuch bittet, den sogenannten Fahrdienst. Der Fahrdienst ist nun neu geregelt. Bei den Praxen bleibt alles gleich.

Der Arzt gibt per Videoschalte Tipps, wie die Patientin schnell wieder fit wird. Symbolfoto: Pixabay
Der Arzt gibt per Videoschalte Tipps, wie die Patientin schnell wieder fit wird. Symbolfoto: Pixabay

Wie ist der Ablauf denn nun geregelt – Was ist neu?

Es wurde nichtärztliches Personal verpflichtet, so Krott. Dazu habe die KVN einen Vertrag mit der Johanniter-Unfall-Hilfe in Niedersachsen geschlossen. Der Ablauf ist so: Unter der Rufnummer 116 117 befrage nun ein medizinisch geschulter Disponent den Patienten – oder Angehörigen, erklärt Krott. Dieser schätze ab, wie es weitergehe. Viele Dinge seien am Telefon oder per Videoschalte lösbar. „Ein E-Rezept erhalten oder eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung“, nennt er Beispiele. So werde schnell die Verbindung zum Arzt hergestellt, hierfür sollten Patienten ihre Versichertenkarte bereithalten.

Ab dem 1. Juli solle es flächendeckend in Niedersachsen möglich sein, die Video-Live-Schalte mit einem Arzt oder einer Ärztin zu nutzen. Wer das nicht möge, kein Gerät dafür habe oder keine ausreichende Verbindung, könne telefonieren. Komme der Arzt zu dem Ergebnis, dass eine Behandlung per Telefon oder Video nicht ausreicht, veranlasst er einen Hausbesuch. „Dieser erfolgt durch medizinisch qualifiziertes Personal der Johanniter“, so Krott. Stellen die Johanniter vor Ort fest, dass ein Hausarzt benötigt wird, kommt dieser zum Hausbesuch oder wird zugeschaltet. Immer dabei ist der Disponent, der alles erklärt und moderiert. Nicht nur das Personal hat sich geändert, auch die Gebiete sind verändert worden, so Krott. Der Kreis Leer und ganz Ostfriesland gehören zum Bereich Weser-Ems.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe in Niedersachsen ist nun involviert. Symbolfoto: Jan Woitas/dpa
Die Johanniter-Unfall-Hilfe in Niedersachsen ist nun involviert. Symbolfoto: Jan Woitas/dpa

Wie läuft es bislang?

Gut, sagt Krott. „Bislang haben wir fast nur positive Berichte erhalten, auch Patienten haben das so zurückgemeldet.“ Das bestätigt auch Hausärztin Mareike Grebe, die eine Praxis in Hesel führt. Sie ist Vorsitzende der Bezirksstelle Aurich der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN): „Das ist bislang sehr gut angelaufen. Wir haben auch tatsächlich keine negativen Rückmeldungen von Patienten bekommen.“

Wozu das Ganze – Welche Probleme werden gelöst?

Die Versorgung der Patienten funktioniere so schneller, die Ärztinnen und Ärzte seien entlastet. Die Anzahl der Ärztinnen und Ärzte in Niedersachsen über 60 Jahre liege bei 34,6 Prozent, Tendenz steigend – gerade für sie sei die Belastung durch den Bereitschaftsdienst hoch. Die Zahl der Mediziner sinke weiter. „Der Nachwuchs fehlt“, sagt Krott.

„Wir müssen niemanden mehr zu einem Dienst verdonnern“, so Krott. Das sei zunehmend schlecht angekommen bei jungen Ärztinnen und Ärzten. „Das war schon ein Hemmnis, wenn es um eine Niederlassung ging“, so Krott. Nun müsse die KVN keine Bescheide mehr verschicken und Dienste „erzwingen“, denn: „Es gibt Ärzte und Ärztinnen, die den Dienst gern freiwillig übernehmen. Das klappte bis jetzt sehr gut“, sagte er.

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