Berlin  Nach Stopp von Plänen für "grünen" Stahl: IG Metall übt scharfe Kritik an Arcelor Mittal

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Von afp
| 20.06.2025 11:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
<p>Das Stahlwerk an der Weser im Sonnenaufgang. Das Stahlwerk von ArcelorMittal in Bremen soll nun doch nicht auf die Produktion von sogenanntem grünen Stahl umgestellt werden. (zu dpa: «IG Metall will Stahlgipfel: «Geht um Tausende Arbeitsplätze»»)</p> Foto: Sina Schuldt/dpa
<p>Das Stahlwerk an der Weser im Sonnenaufgang. Das Stahlwerk von ArcelorMittal in Bremen soll nun doch nicht auf die Produktion von sogenanntem grünen Stahl umgestellt werden. (zu dpa: «IG Metall will Stahlgipfel: «Geht um Tausende Arbeitsplätze»»)</p> Foto: Sina Schuldt/dpa
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Der Stahlkonzern ArcelorMittal will seine Produktion in Bremen nun doch nicht auf sogenannten „grünen“ Stahl umstellen. Die Industriegewerkschaft Metall und der Betriebsrat des Bremer Stahlwerks kritisieren das Unternehmen dafür scharf.

Die Industriegewerkschaft Metall und der Betriebsrat des Bremer Stahlwerks von ArcelorMittal haben den Stahlkonzern scharf für den Stopp seiner Pläne für umweltfreundlich produzierten Stahl kritisiert. „Die IG Metall Bremen und die IG Metall Betriebsräte werten diese Entwicklung als ernsthafte Bedrohung der Zukunft des Bremer Werkes“, erklärten sie am Freitag. Die für kommende Woche geplanten Betriebsversammlungen seien abgesagt, stattdessen sei die Belegschaft zu einer Kundgebung aufgerufen.

Am Donnerstag hatte ArcelorMittal bekanntgegeben, dass es seine Pläne zur Dekarbonisierung der beiden Flachstahlwerke in Bremen und Eisenhüttenstadt in Brandenburg „leider nicht weiterverfolgen" könne. Grund seien die Marktsituation und die fehlende Wirtschaftlichkeit einer CO2-reduzierten Stahlproduktion.

Die Ampel-Regierung hatte 2024 Fördergelder in Milliardenhöhe für die industrielle Transformation in Deutschland bereitgestellt – darunter für die Umstellung von Produktionsprozessen auf neue Energieträger. ArcelorMittal sollte für die Standorte Bremen und Eisenhüttenstadt 1,3 Milliarden Euro Fördergeld bekommen. Insgesamt sollte das Gesamtprojekt 2,5 Milliarden Euro kosten.

Dafür sollten Elektrolichtbögen gebaut werden, die mit erneuerbarem Strom und einem erhöhten Einsatz von Recyclingschrott Stahl produzieren. In Bremen sollte zudem eine Direktreduktionsanlage entstehen, in der aus Eisenerz zunächst mit Erdgas und langfristig mit grünem Wasserstoff ein Stahl-Vorprodukt hergestellt wird. Grüner Wasserstoff wird mit erneuerbaren Energien hergestellt.

„Die Absage an eine Direktreduktionsanlage deutete sich bereits an, aber die Ankündigung, bis auf Weiteres keinen Elektrolichtbogenofen in Bremen zu bauen, hat die Glaubwürdigkeit des Unternehmens gegenüber der Belegschaft, der Bremer Politik und der Bremer Bürgerinnen und Bürger erschüttert“, erklärten IG Metall und Betriebsrat in Bremen nun.

Das Konzept für den Bau eines solchen Ofens habe längst gestanden, die Pläne hätten nur noch auf die Umsetzung gewartet – doch der Konzern habe sich nach und nach zurückgezogen. „Mit dieser Absage an die eigene Dekarbonisierungsstrategie soll der Druck auf die politischen, energie- und marktbezogenen Rahmenbedingungen nochmals erhöht werden“, hieß es.

Linken-Chefin Ines Schwerdtner sprach von einem „schweren Schlag für die betroffenen Regionen“ und einem „Alarmsignal für den Industriestandort Deutschland“. Die Entscheidung zeige, „dass Konzerninteressen über Beschäftigungssicherung, Nachhaltigkeit und regionale Entwicklung gestellt werden“, erklärte sie. Es sei jedoch klar, dass es „ohne Transformation keine Zukunftsfähigkeit“ gebe.

„Ob es sich um ein taktisches Manöver zur Durchsetzung weiterer Subventionen handelt oder um eine endgültige Kehrtwende, ist offen“, fuhr Schwerdtner fort. Sie forderte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dazu auf, „die Zukunft der Stahlindustrie endlich zur Chefsache zu machen, internationalen Konzernen ihre Grenzen aufzeigen und die öffentliche Kontrolle des Stahlsektors ausbauen“.

Weiterlesen: So will die Salzgitter AG Friedrich Merz eines Besseren belehren

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