Tel Aviv/Teheran  Welche Ausweichrouten Flugzeuge jetzt zwischen Europa und Asien nehmen

Maximilian Matthies
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Von Maximilian Matthies
| 20.06.2025 08:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine zwingen Airlines zu Umwegen – mit Folgen für Fluggäste in Europa und Asien. Foto: IMAGO/Björn Trotzki
Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine zwingen Airlines zu Umwegen – mit Folgen für Fluggäste in Europa und Asien. Foto: IMAGO/Björn Trotzki
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Längere Flugzeiten, Umwege und Flugstreichungen: Wegen der Kämpfe im Nahen Osten und in der Ukraine sind zentrale Lufträume gesperrt. Flüge nach Asien dauern länger – manche Ziele sind derzeit gar nicht mehr erreichbar.

Die anhaltenden Konflikte in Nahost und Osteuropa, insbesondere der Krieg zwischen Israel und dem Iran sowie der Ukraine-Krieg, haben gravierende Auswirkungen auf den globalen Flugverkehr. Zahlreiche Lufträume sind gesperrt, was Fluggesellschaften zu erheblichen Umwegen zwingt und die Reiseplanung für Passagiere verändert.

Der Luftraum über Iran, Irak und Israel ist aktuell gesperrt. Auch über der Ukraine verkehren seit 2022 kaum noch Passagierjets. Russland hat seinen Luftraum für viele westliche Airlines als Vergeltungsmaßnahme für die Ukraine-Sanktionen beschränkt, weshalb auch dort nur wenige Maschinen fliegen. Zudem meiden einige Airlines aufgrund militärischer Auseinandersetzungen zwischen Pakistan und Indien die Route über Afghanistan und Pakistan nach Indien.

Der Tracking-Dienst „Flightradar24“ bildet weltweit Flüge in Echtzeit ab. Auf Karten ist zu sehen, wie sich der Flugverkehr auf der Europa-Asien-Route aktuell in zwei Korridore aufteilt.

Die Auswirkungen der Umwege auf Passagiere und Airlines sind zwar nicht eklatant, aber durchaus spürbar. Deutschlands größte Airline Lufthansa bestätigte dem Portal „Reisevor9“, dass sich die Flugzeiten nach Asien um bis zu einer Stunde verlängern können. Laut eines Sprechers könne es durch die Umleitungen zu „Problemen bei der Einsatzplanung von Crews und Flugzeugen“ kommen.

Die europäischen Luftsicherheitsbehörde Eurocontrol warnte vor Kapazitätsengpässen und verspäteten Flügen im europäischen Luftraum durch vermehrte Umleitungen über Italien, die Schweiz und angrenzende Länder.

Einige Airlines haben ihre Verbindungen in die Krisenregion komplett eingestellt. Die israelische El Al hat den Betrieb vorübergehend ausgesetzt. Bei der Lufthansa fallen Flüge zu Zielen im Nahen Osten aus. Die Verbindungen nach Beirut (Libanon) würden bis 30. Juni nicht mehr bedient und Amman (Jordanien) sowie Erbil (Irak) würden bis 11. Juli nicht mehr angeflogen, teilte die Airline mit.

Die Flüge der Lufthansa Group von und nach Teheran sowie nach Tel Aviv bleiben „aufgrund der aktuellen Situation“ zudem bis Ende Juli ausgesetzt, wie es hieß. Israel fliegt die Lufthansa-Gruppe aus Sicherheitsgründen bereits seit Anfang Mai nicht an.

Die Flugstreichungen gelten demnach für die Airlines Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines, Eurowings, ITA Airways, Brussels Airlines sowie Lufthansa Cargo. Die Schweizer Lufthansa-Tochter Swiss habe zudem entschieden, ihre Flüge von und nach Tel Aviv bis Ende des Sommerflugplans am 25. Oktober auszusetzen sowie von und nach Beirut bis 31. Juli. Eurowings fliege Tel Aviv ebenfalls bis 25. Oktober nicht an und setze die Verbindung nach Beirut bis 11. Juli aus.

Das Auswärtige Amt rät seit der Eskalation zwischen Israel und dem Iran von allen nicht notwendigen Reisen in die gesamte Golfregion ab. Konkret betrifft die Verschärfung die Vereinigten Arabische Emirate mit Dubai, Saudi-Arabien, Bahrain, Katar, Kuwait, Oman und Jordanien. Die Sicherheitslage in der gesamten Region sei äußerst volatil, heißt es in den Reisehinweisen. „Es kann jederzeit zur Sperrung von Lufträumen kommen.“ Eine Reisewarnung gilt aktuell unter anderem für Israel und den Iran.

Die Fluggesellschaft Emirates führt nach eigenen Angaben die täglichen Flüge von München, Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg nach Dubai planmäßig durch. Das Drehkreuz Dubai für Flüge von Deutschland nach Asien, Australien oder Afrika sei nicht beeinträchtigt, so ein Unternehmenssprecher. 

Man empfehle Kunden, die vom Dubai International Airport abfliegen oder dort ankommen, aber, ihren aktuellsten Flugstatus auf emirates.com zu überprüfen.

Airlines weichen über die Polarroute und die Kaukasusroute aus, um die Sperrgebiete zu umgehen. Diese sind zwar länger, aber aktuell die sicherste Option. Gleichzeitig bleiben Flughäfen wie Dubai, Doha oder Abu Dhabi wichtige Umsteigepunkte – auch wenn sie näher an den Konfliktzonen liegen. Wer kurzfristig in die Region reisen möchte, sollte jedoch die aktuelle Sicherheitslage sowie mögliche kurzfristige Flugausfälle oder -umleitungen im Blick behalten.

Mit Material von dpa

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