Hohe Besucherzahlen So lief das Filmfest Emden-Norderney
Das 35. Internationale Filmfest Emden-Norderney ist vorbei. Trotz hoher Temperaturen kamen gut 21.000 Gäste. Aber eine schwierige Frage bleibt.
Emden/Norderney - Auf Norderney zog es Filmfans bei gutem Wetter hin und wieder an den Strand statt ins Kurtheater, dennoch zeigt sich Festivalleiter Edzard Wagenaar insgesamt zufrieden mit dem Ergebnis des 35. Internationalen Filmfests Emden-Norderney. Gut 21.000 Besucherinnen und Besucher hätten sie über die Woche verzeichnet. Damit lägen sie in etwa auf Vorjahresniveau. Wäre Nora Tschirner gekommen, hätten sie sicher noch ein paar Hundert mehr Gäste gehabt, sagt Wagenaar im Gespräch mit dieser Zeitung.
Die Schauspielerin, die eigentlich am Sonntag beim Film-Talk und bei der Preisverleihungsgala hätte zu sehen sein sollen, hatte kurzfristig krankheitsbedingt abgesagt. Das Wegbleiben der Berlinerin habe das Festival „nicht verhagelt“. Für die Promi-Faktor habe unter anderem der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger gesorgt. Steinberger war nach Emden gekommen, um seine Dokumentation „Typisch Emil“ vorzustellen. Er überzeugte mit viel Charisma und Energie. Am Samstag führte ihn Otto Waalkes durch sein Otto-Huus, die beiden sind alte Bekannte. Auch das sorgte für große Augen bei einigen Touristen, die zufällig vor Ort waren.
Deutlich mehr Schüler beim Filmfest
Die Steigerung der Besucherzahl sei irgendwann auch begrenzt, meint Wagenaar. Die Säle in Emden und auf Norderney hätten ja nicht endlos Platz. Gleichzeitig seien sie sehr froh darüber, so schreibt auch Filmfest-Geschäftsführerin Birgit Momberger in einer Pressemitteilung, dass es „deutlich gestiegene Zahlen“ im Schulprogramm gegeben habe. Natürlich stünden sie – wie viele in der Kulturbranche – vor der schwierigen Herausforderung, wie mehr junge Menschen ins Kino und Theater gelockt werden können.
Die Menschen der älteren Generation, die insbesondere das Filmfest besuchen, seien es gewohnt, dass sie ins Kino gehen und ein Ticket kaufen. Die jüngere Generation sei damit aufgewachsen, vieles kostenlos oder günstig streamen zu können. Man müsse sich also andere Formate überlegen, so Wagenaar. Das kostenlose Freiluft-Kino beim Stephansplatz, das es 2023 erstmals gegeben hatte, war überrannt worden. 2024 aber hatte der Regen die Pläne durchkreuzt. Dieses Jahr war es nicht geplant gewesen. Das könnte sich aber fürs nächste Mal ändern, lässt Wagenaar durchblicken.
Internationale Filme begeistern das Publikum
Auf die Frage, ob man angesichts des guten Wetters im Juni das Filmfest nicht in den Herbst verlagern könnte, damit mehr Leute in die Säle kommen, erklärt Wagenaar: „Es gibt einen Festivalkalender.“ Den Termin zu ändern sei schwierig, weil es sonst zu starke zeitliche Überschneidungen gebe. Auch gefalle ihm die Atmosphäre des frühen Sommers mit langen, warmen Nächten beim Grand Café, bei dem viele Abend- und Nacht-Talks stattfinden.
51 Lang- und 28 Kurzfilme wurden dem Publikum in insgesamt sechs Spielstätten präsentiert. „Wir haben eine sehr gute Resonanz auf unsere Filmauswahl bekommen“, wird Edzard Wagenaar in der Bilanz-Pressemitteilung zitiert. Vor allem Filme aus Kanada dominierten in diesem Jahr mit insgesamt vier Preisen die Wettbewerbe – zwei davon konnte der Regisseur Nik Sexton mit seinem Filmdrama „Skeet“ für sich entscheiden. „Das belegt die Richtigkeit unserer Entscheidung, unseren Fokus um Kanada zu erweitern“. Weitere internationale Gewinnerfilme kamen aus Finnland, Island, Belgien und Frankreich.
Begeisterte Rückmeldungen habe es auch von den zahlreichen deutschen und internationalen Gästen gegeben. „Die Filmemacherinnen und -macher waren vor allem von der Aufgeschlossenheit und dem Interesse unseres Publikums beeindruckt“, so Wagenaar. Zahlreiche Sonderveranstaltungen und Kooperationsformate sorgten darüber hinaus auch in diesem Jahr für vielfältige neue Angebote beim Internationalen Filmfest. „Wir sind auf einem sehr guten Weg, das Filmfest in den nächsten Jahren gleichermaßen zu einem internationalen Treffpunkt für Filmkunst wie auch für Filmwirtschaft zu etablieren.“
→ Der Termin fürs 36. Internationale Filmfest Emden-Norderney steht schon fest. Es findet im kommenden Jahr vom 3. bis 10. Juni statt.