Ostfriese hat neuen Job So lief der Start von Trainer Timo Schultz beim VfL Osnabrück
Der 47-Jährige wurde beim Traditionsklub aus der 3. Liga nun vorgestellt. Es ging auch um die einzige Rote Karte seiner Laufbahn und ein Freundebuch als Grundschüler in seiner Heimat Esens.
Osnabrück - Die Anzeichen verdichteten sich am Wochenende, nun ist es amtlich: Der Ostfriese Timo Schultz ist der neue Trainer des Fußball-Drittligisten VfL Osnabrück. Bei seiner Antritts-Pressekonferenz sprach der 47-Jährige über seine Vorstellungen von der Spielweise, seine Sicht auf den Kader und die einzige Rote Karte seiner Spielerkarriere, die er ausgerechnet gegen seinen neuen Vorgesetzten kassierte. Der Wahl-Hamburger Schultz stammt aus Esens und hat hier noch Familie und Freunde.
Sie kennen sich schon seit knapp 30 Jahren - nun arbeiten sie erstmals zusammen: Joe Enochs hat als Direktor Fußball des VfL Osnabrück mit Timo Schultz einen neuen Cheftrainer verpflichtet. Die Geschichte zwischen den beiden war in den Anfangsjahren durchaus speziell. Ende der 90er-Jahre begegneten sie sich regelmäßig während der Spiele in der Regionalliga Nord, wenn der VfL Osnabrück auf Werder Bremen II traf. Beide waren sie im zentralen Mittelfeld zuhause und scheuten sich nicht vor dem ein oder anderen härteren Zweikampf.
Enochs stolz auf Verpflichtung
Am 14. April 2000 kam es erneut zum Duell: Der VfL im Aufstiegskampf gegen starke Werder-Talente, Enochs bekämpfte Schultz über 90 Minuten beim wichtigen 2:1-Sieg auf dem Weg zum Aufstieg - bis Schultz kurz vor dem Schlusspfiff die Nerven verlor und den US-Amerikaner tätlich attackierte. Es folgte die einzige Rote Karte seiner Karriere. An diesem Dienstag, etwas mehr als 25 Jahre später, stellte Enochs den Gegner von damals als neuen Cheftrainer ein.
Was sich in den Tagen zuvor abzeichnete, wurde am Dienstagnachmittag offiziell, als die beiden Duellanten von damals gemeinsam mit VfL-Geschäftsführer Michael Welling und vor allem mit guter Laune den Pressekonferenzraum an der Bremer Brücke betraten. An den Platzverweis von vor 25 Jahren erinnerte sich Schultz selbstverständlich noch. „Es war meine einzige Rote Karte - und das auch noch an der Bremer Brücke, vollkommen zurecht. Zum Glück gibt es keine Bewegtbilder mehr, aber Joe war nicht unbeteiligt.“ Im Vorfeld hatte der neue Trainer ordentlich Vorschusslorbeeren seiner Vorgesetzten erhalten, wie er selbst feststellte. „Ich freue mich besonders, Timo neben mir sitzen zu haben. Es ist ein besonderer Tag für mich als Direktor Fußball einen so großartigen Trainer begrüßen zu dürfen“, sagte Enochs stolz. „Bei meiner Vorstellung habe ich gesagt, was der neue Trainer mitbringen soll: Wir wollen mutigen Fußball spielen, junge Spieler entwickeln und einen Trainer, der kommuniziert und teamfähig ist.“ Alle diese Aspekte bediene Schultz, so der 53-Jährige.
Das Freundebuch aus Esens
Das Trainer-Handwerk hatte Schultz beim FC St. Pauli gelernt - dem Verein, mit dem man seine Spielerkarriere auch maßgeblich verbindet, weil er von 2005 bis 2011 für die Profis spielte. Helmut Schulte, ehemaliger Sportlicher Leiter und Trainer beim Kiezclub, hatte ihm zur Trainerlaufbahn geraten - der Wunsch bestand aber offenbar schon früher. „In der Grundschule gab es Freundebücher. Da habe ich bei der Frage, was ich werden will, immer hineingeschrieben: Fußballprofi oder Lehrer. Jetzt bin ich Fußballlehrer“, sagte Schultz augenzwinkernd. Bis zur A-Jugend spielte er beim TuS Esens, spielte dann noch in der Werder-Jugend und kam als Profi über die Werder-Amateure schließlich zum VfB Lübeck, Holstein Kiel und dem FC St. Pauli.
Auf St. Pauli arbeitete er sich nach der Spielerlaufbahn hoch vom Co-Trainer der zweiten Mannschaft über die Profis, hin zum Cheftrainer der U17 und 19 und letztlich im Juli 2020 zurück als Chef der Profis. Nach zwei erfolgreichen Jahren, als St. Pauli zeitweise am Bundesliga-Aufstieg schnupperte, folgte eine durchwachsene Halbserie - und letztlich die Entlassung. Schultz erlebte eine missglückte Station in Basel: Beim Schweizer Rekordmeister, der sich damals im heftigen Umbruch befand, arbeitete er nur drei Monate. Anfang 2024 folgte das Engagement beim 1. FC Köln in der Bundesliga. Schultz stabilisierte eine taumelnde Mannschaft zwar, konnte den Abstieg mit 17 Punkten aus 18 Spielen aber nicht verhindern.
„Nicht die 3. Liga verwalten“
Schultz pausierte für eine Saison - ganz bewusst, wie er selbst sagte. Nachdem er in Basel und Köln inmitten der jeweiligen Saisons oder in „Extremsituationen“ übernommen hatte, hat er nun in Osnabrück den gewünschten Raum zur Entfaltung. „Ich kann jetzt vom Start an alles mitgestalten. Das liegt mir wesentlich mehr“, sagte Schultz.
Und obwohl sich der Trainer selbst und seinem Team etwas Geduld zum Beginn der Amtszeit erbeten hatte, trat er durchaus auch forsch auf - und gab eventuell auch einen kleinen Einblick in seine Vertragslaufzeit. „Für mich war klar, dass ich hier nicht Trainer werde, um zwei Jahre die 3. Liga zu verwalten. Auf der anderen Seite müssen wir Demut walten lassen nach der letzten Saison, aber auch klare Ziele setzen. Meins ist es, dass ich jedes Spiel gewinnen will.“