Urteil in Wittmund  Vorsitzende plündert Tierschutz-Kasse

Imke Oltmanns
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Von Imke Oltmanns
| 17.06.2025 15:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Wittmunder Amtsgericht. Foto: Imke Oltmanns/Archiv
Das Wittmunder Amtsgericht. Foto: Imke Oltmanns/Archiv
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Fast fünf Jahre lang bediente sich die Vorsitzende eines Tierschutzvereins aus dem Vereinsvermögen. Das fiel auch deswegen nicht auf, weil ihr Partner Kassenwart war. Jetzt wurden beide in Wittmund verurteilt.

Wittmund - Um wie viel Geld es in diesem Untreue-Verfahren geht, überrascht auch den Richter: 152.000 Euro – das gehöre schon zu den größeren Schadenssummen, die ihm bisher begegnet seien, sagt Richter Benjamin Heimann am Dienstag, 17. Juni 2025, im Amtsgericht Wittmund. Auf der Anklagebank sitzen ein Mann und eine Frau – ehemals Partner und heute geschiedene Leute. Die beiden sollen diese Summe über einen Zeitraum von viereinhalb Jahren von einem Verein veruntreut haben, dem sie angehörten.

Überraschend ist die Summe wohl auch deshalb, weil das Geld aus dem Vermögen eines Tierschutzvereins stammt; einer Branche also, die oft auf Spenden angewiesen ist und wohl selten über große Summen verfügt. In diesem Fall geht es um einen Verein, der Hunde aus dem Ausland nach Deutschland vermittelt. Beide Angeklagte räumen übrigens alle Vorwürfe ein, konkret: alle 72 Fälle von Veruntreuung zwischen August 2017 und Januar 2022. Die Frau unter Tränen („Es tut mur leid“), der Mann eher kurz angebunden („Ich bereue die Tat“). Die Frau fungierte damals als Vorsitzende des Vereins, ihr Partner als Kassenwart. Beide leben in Ostfriesland.

Der Vorwurf

Nach Auskunft des Gerichts sollen die beiden Angeklagten – die heute 33-jährige Frau und der 37-jährige Mann – den Verein gegründet haben. Die sogenannte Schutzgebühr, die der Erwerber in Deutschland für das aus dem Ausland vermittelte Tier zahlt, wurde demnach häufig über PayPal geleistet. Der Verein habe dann aufgrund einer Namenskollision seinen Namen ändern müssen. Dafür sei auch ein neues PayPal-Konto erstellt worden.

Auf das alte hatten die beiden den Angaben zufolge aber weiterhin Zugriff. Wegen Geldschwierigkeiten hätten sie im weiteren Verlauf neuen Interessenten die alte PayPal-Adresse genannt und das Geld für sich selbst verwendet. Tatsächlich flossen die Summen auf das Konto der Frau. Für Hobbys beispielsweise, oder für Essensbestellungen, wie die Verteidigerin der 33-Jährigen vor Gericht erklärt. Im Zuge der Trennungsstreitigkeiten zwischen den beiden zeigte die Frau sich dann selbst an. So kam das Verfahren überhaupt erst in Gang.

Das Urteil

Den beiden Angeklagten bleibt das Gefängnis erst mal erspart – trotz der erheblichen Schadenssumme und des langen Zeitraums, über den das Geld in kleineren und größeren Summen veruntreut wurde. Beide, so hieß es vor Gericht, stünden voll im Leben, hätten neue Partner und Kinder und gingen einem geregelten Arbeitsleben nach. Die Frau wurde zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt, auf Bewährung. Dazu muss sie eine Geldauflage von 4000 Euro an einen Verein zur Kitzrettung zahlen.

Ihr ehemaliger Partner erhielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wird. Auch er muss 4000 Euro an eine Tierschutzorganisation zahlen. Außerdem müssen beide die veruntreuten Summen an den Verein zurückzahlen.

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