Papenburg/Hannover Meyer Werft: Kann nun doch auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden?
Bei der Sanierung der Meyer Werft in Papenburg könnte vorerst auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden. Das sieht offenbar eine Einigung zwischen Arbeitnehmervertretern und Geschäftsleitung vor, die nach Informationen unserer Redaktion kurz vor dem Abschluss steht.
Nach Tagen der Unruhe auf der Meyer Werft in Papenburg konnten die Wogen offenbar einigermaßen geglättet werden: Auf einer Betriebsversammlung am Donnerstagvormittag soll die Belegschaft nach Informationen unserer Redaktion erfahren haben, dass sich Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter in einigen strittigen Punkten haben einigen können oder kurz vor einer Einigung stehen.
So soll eine Vereinbarung unterschriftsreif sein, die einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen vorsieht. An anderer Stelle sind dem Vernehmen nach Grundlagen für eine Mehrarbeit gelegt worden, die in den kommenden Monaten in einigen Bereichen der Werft notwendig werden könnte. Dies gilt beispielsweise für den Bau von Konverterplattformen.
Darüber soll der Betriebsrat die Meyer-Mitarbeiter am Donnerstag auf der nicht-öffentlichen Versammlung informiert haben. Offenbar steht die finale Unterschrift der Geschäftsleitung noch aus. Sie soll die dazugehörige Vereinbarung erst am Mittwochabend erhalten und sich Zeit erbeten haben, diese vor einer Unterschrift auch zu lesen. Die Arbeitnehmervertreter sollen sich aber zuversichtlich geäußert haben, dass betriebsbedingte Kündigungen nun vom Tisch seien.
Zuletzt war noch von etwa 50 bis 60 Stellen die Rede, die wegfallen könnten. Das entsprechende Abbauprogramm ist Teil des Sanierungsplans, den die Werft derzeit verfolgt. Darin ist der Abbau von 340 Arbeitsplätzen festgehalten, der bereits weit fortgeschritten ist. Die Möglichkeit betriebsbedingter Kündigungen stand aber weiter im Raum.
Die Einigung erfolgte dem Vernehmen nach auch auf Betreiben von Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies. Der SPD-Politiker soll sich in den vergangenen Tagen eingeschaltet haben, nachdem es öffentlich zu Auseinandersetzungen zwischen Werft-Leitung und Betriebsrat gekommen war.
Auch der Streit soll am Donnerstag thematisiert worden sein. Besonders ein Interview, das Sanierer Ralf Schmitz dem „Handelsblatt” gegeben hatte, wurde gerügt. Darin hatte sich Schmitz zur Qualität der Führungskräfte der Werft, dem Standort Papenburg sowie der schwierigen Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat geäußert.
„Diese mangelnde Bereitschaft, zu pragmatischen Lösungen zu kommen, ist einzigartig”, erklärte Schmitz in dem Interview mit Blick auf die Arbeitnehmervertretung. Insbesondere bei einer geplanten Ausweitung der Videoüberwachung auf der Werft haben sich die Seiten ineinander verhakt. Hier soll es nach wie vor keine Einigung geben.
Die Führungskräfte hatten sich nach Erscheinen des Interviews trotz Kritik hinter Sanierer Schmitz gestellt. „Unter seiner Führung wurde nicht nur die Finanzierung der Meyer Werft in kürzester Zeit in einem unglaublichen Kraftakt mit einer Vielzahl an Beteiligten auf neue Füße gestellt, sondern es wurden auch unterschiedliche Initiativen ins Leben gerufen für eine nachhaltige Veränderung der Unternehmenskultur, die auf Integrität, Verantwortung und Innovation basiert“, teilte die Werft im Namen der Führungsmannschaft mit.
Das Klima auf der Betriebsversammlung am Donnerstag soll laut Teilnehmern deutlich konstruktiver gewesen sein als zuletzt. Thomas Gelder, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg, sprach im Anschluss an die Versammlung von einem positiven Signal für die Belegschaft der Werft „und ein Zeichen, dass man wieder etwas ruhiger nach vorne schauen kann”.
Die Werft äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu der Veranstaltung. Kurz nach Ende erschien im Intranet des Unternehmens aber eine Nachricht der beiden Geschäftsführer Ralf Schmitz und Bernd Eikens, in der sie sich für den Austausch bedankten.