Die Vögel in Stapelmoor Krähenterror im Park – Anwohnern reicht es endgültig
In Stapelmoor sorgen Tausende Saatkrähen für Lärm und Frust bei den Anwohnern. Trotz politischer Versprechen bleibt die Situation angespannt. Wie reagiert die Stadt auf die wachsende Belastung?
Stapelmoor - Von wegen lauschiger Park: In Stapelmoor haben sich Hunderte – wenn nicht gar Tausende – Saatkrähen in der Grünfläche, die eigentlich der Erholung dienen sollte, breitgemacht. „Wenn die Viecher morgens oder abends im Schwarm aufsteigen, ist der Himmel ganz schwarz“, beschreibt Nico Kehlmann im Gespräch mit unserer Redaktion das, was ihn und andere Anwohner des Stapelmoorer Parks jeden Tag in Wallung bringt. Darüber, dass die Saatkrähen gemeinhin unter die Rubrik Singvögel fallen, können die Anwohner bestenfalls müde lächeln. Lärm-Terror, Dauergekrächze, eine Beschallung, die nicht nur ab dem frühen Morgen den Schlaf raubt, sondern auch wie eine tonnenschwere Last den Anwohnern auf die Seele drückt, so beschreibt Franz Kula den Alltag rund um den Stapelmoorer Park.
Neu ist das Problem nicht. Seit Jahren schon setzt sich Ortsvorsteher Bernhard Siemons (SPD) für die in seinen Augen berechtigten Interessen der Anwohner ein. „Als Ortsvorsteher sind mir schon lange die Argumente gegenüber den Anwohnern ausgegangen“, sagt Siemons, der sich seit gut einem Jahrzehnt mit dem Federvieh und der Langmut der Politik gegenüber der „schwarzen Pest“ herumärgert. „Die Menschen hier rund um den Stapelmoorer Park fühlen sich von der Politik im Stich gelassen“, klagt der Ortsvorsteher.
Bis zu 80 Dezibel gemessen
Und es ist nicht nur der Lärm der Krähenkolonie, der die Nerven der Anwohner bis zum Zerreißen strapaziert. 70 bis 80 Dezibel hat Kehlmann in der Spitze gemessen, wenn die Horde aufsteigt, wie er sagt. 60 bis 65 Dezibel als Dauerbeschallung, wenn die Tiere ihren Nachwuchs aufziehen. 80 Dezibel entsprechen in etwa dem Rasenmäher des Nachbarn. Es ist auch der Dreck, den die Vögel hinterlassen. „Zwei, drei Mal die Woche muss ich mein Auto waschen“, ärgert sich Kelmann. Das gehe auf Dauer ganz schön ins Geld. Wer zu Fuß unterwegs sei, müsse jederzeit damit rechnen, dass der Krähendreck auf Pullover oder Jacke lande. Bei gutem Wetter wabere der Gestank durch den Park und die umliegenden Gärten.
„Vernünftig draußen sitzen, das schöne Wetter genießen. Das funktioniert bei uns nicht mehr“, zeigt sich auch Rainer Bonk genervt. „Draußen zu grillen ist kaum möglich“, sagt Kehlmann. Und das habe auch Auswirkungen auf das soziale Umfeld. „Freunden und Bekannten ist es unangenehm, zu uns zu kommen“, ergänzt Bonk. Auch hier wirkten sich die Krähen spürbar aus, vertrieben gern gesehene Gäste. Andererseits: „Wenn wir mal ein Wochenende woanders sind, fällt einem spürbar die Last von den Schultern“, betont Kehlmann.
Saatkrähen unter besonderem Schutz
Verärgert ist Ortsvorsteher Siemons, weil seit Jahren nichts passiert. Dabei seien noch vor der vergangenen Kommunalwahl gleich mehrere Politiker vor Ort gewesen, hätten sich die Lage angeschaut und das Gespräch mit Anwohnern und Landwirten gesucht. Bewegt habe sich seither aber nichts. Auch ein TV-Bericht im Jahr 2021 habe nur kurzzeitig für Aufmerksamkeit gesorgt, berichtet Siemons. „Der Frust ist hier groß. 90 Prozent der Krähen müssen weg“, fordert er. Wie, sei den Anwohnern egal, Hauptsache die Tiere wären weg. Ob vergrämen oder abschießen, die Hauptsache sei, dass sich endlich was bewege.
Doch ganz so einfach dürfte das nicht werden. Denn nach wie vor stehe die Saatkrähe in Deutschland unter besonderem Schutz und sei nicht dem Jagdrecht unterworfen, wie Stefan Schmitz, stellvertretender Fachbereichsleiter im Bauamt der Stadt Weener bei einer Präsentation im Ausschuss für Klima, Umwelt und Naturschutz betonte. Das schränke die Handlungsmöglichkeiten massiv ein. Ein Abschuss der Krähen dürfte nur sehr schwer zu erreichen sein.
Gutachten und Lärmmessungen
Mit einem Antrag hatten die Sozialdemokraten die Krähenplage im Stapelmoorer Park erneut zum Thema der Stadtpolitik gemacht. Neben einer weiteren Zählung der Tiere und einer Schallmessung im betroffenen Gebiet forderten die Sozialdemokraten in ihrem Antrag, dass die Stadtverwaltung mit dem Landkreis über geeignete, konkrete Maßnahmen zur Vergrämung sprechen und entsprechend handeln solle.
Auch Bürgermeister Heiko Abbas (CDU) unterstützte ein zielgerichteteres Vorgehen in der Diskussion mit dem Landkreis Leer. Nachdem ein Antrag der Stadt auf eine Ausnahmegenehmigung zur Vergrämung der Saatkrähen in den vergangenen Jahren im Sande verlaufen war. „Wir haben zwei Jahre stille Post mit dem Landkreis gespielt, das hat uns nichts gebracht“, sagte Abbas während der Ausschusssitzung. Ziel sei jetzt die Genehmigung für eine letale Entnahme – also den Abschuss – durch die beim Landkreis angesiedelte Untere Naturschutzbehörde.
Eine Anfrage gab es bereits im Mai, wie der Präsentation im Ausschuss zu entnehmen war. Die Behörde des Kreises reagierte mit Forderungen: Eine Begründung durch geeignete Nachweise sollte her, zudem eine Begründung, das zumutbare Alternativen nicht gegeben sind oder alternative Maßnahmen als unzumutbar verworfen wurden und schlussendlich belastbare Dokumente oder ein Gutachten.
Letzteres soll jetzt kommen, wie der Ausschuss beschlossen hat. Das Ziel: Eine rechtssichere Lösung zur Reduzierung der Belastungen der Anwohner des Stapelmoorer Parks durch die Saatkrähen aufzuzeigen. Dabei sollen insbesondere die Lärmbelastungen – zu messen in der nächsten Brutperiode – und die Frage mangelnder Alternativstandorte für die Saatkrähenkolonie beleuchtet werden. „Lassen wir uns überraschen, was der Landkreis dazu sagt“, sagte Abbas.