Berlin  Handschlag mit Trump: So hat Friedrich Merz die Feuerprobe bestanden 

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 06.06.2025 07:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Neue Freundlichkeit: Donald Trump lässt Friedrich Merz bei dessen Antrittsbesuch in Washington zwar kaum zu Wort kommen, doch die Chemie zwischen beiden scheint zu stimmen. Foto: dpa/Michael Kappeler
Neue Freundlichkeit: Donald Trump lässt Friedrich Merz bei dessen Antrittsbesuch in Washington zwar kaum zu Wort kommen, doch die Chemie zwischen beiden scheint zu stimmen. Foto: dpa/Michael Kappeler
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Friedrich Merz war gut vorbereitet auf sein erstes Treffen mit Donald Trump. Und er stellte etwas Wichtiges klar - als er dann doch noch zu Wort kam.

Friedrich Merz hatte schon in seiner Regierungserklärung angekündigt, alles dafür zu tun, um die USA unter Donald Trump in der Nato und im russischen Krieg in der Ukraine an der Seite der Europäer zu halten. Sein Antrittsbesuch bei US-Präsident Donald Trump war deshalb keine Kleinigkeit. Und der Zeitpunkt war günstig: Seit seine Friedensbemühungen in der Ukraine keine schnellen Erfolge zeigen, scheint Trump wieder offener für eine Kooperation mit den Europäern. Und Merz gelang das Kunststück, Trump etwas zu umgarnen, sich aber nicht vor ihm in den Staub zu werfen. Der US-Präsident schüttelte Merz lange die Hand - was er Angela Merkel schon einmal verweigert hatte. In rauen Zeiten wie diesen sind auch solche Zeichen wichtig.

Merz’ Gastgeschenk, ein Faksimile der Geburtsurkunde von Trumps Großvater Friedrich Trump aus Kallstadt in der Pfalz, war originell und erinnerte an die persönliche Verbindung Trumps zu Deutschland. Als Trump über das „Blutbad” in der Ukraine sprach, erinnerte Merz an den 6. Juni 1944, als die Alliierten in Frankreich landeten und sie Europa vom deutschen Nationalsozialismus befreiten. Auch heute, leitete Merz geschickt in die Gegenwart über, komme es wieder auf die USA an, um den Krieg in der Ukraine zu beenden.

Als Trump die Ukraine und Russland mit zwei Kindern im Sandkasten verglich, die man kämpfen lassen müsse, ganz so, als gäbe es da keinen, der angefangen habe, grenzte Merz sich aber deutlich ab. Deutschland stehe an der Seite der Ukraine, stellte er klar. Er nutzte die wenigen Gelegenheiten, die sich ihm boten, um seine Punkte zu machen. 

Über weite Strecken der Pressekonferenz war er nämlich ein Statist im Oval Office. Trump beantwortete minutenlang die Fragen von US-Journalisten zu den neuesten Einlassungen von Elon Musk zum Haushaltsplan. Es war geradezu unhöflich, wie Trump über die „großartigen” Maßnahmen seiner Regierung in allen Details sprach, als hätte er nicht gerade einen Staatsgast. Dass die US-Journalisten sich für den Gast aus Deutschland gar nicht interessierten, war außerdem ernüchternd: Deutschland spielt für die USA offensichtlich keine bedeutende Rolle mehr.

Eine positive Bilanz dieses Antrittsbesuchs kann man dennoch ziehen, weil vieles nicht passiert ist: Trump verzichtete darauf, Merz zu brüskieren. Sein Vizepräsident J. D. Vance schaltete sich nicht mit Belehrungen über Demokratie und Meinungsfreiheit ein. Stattdessen: Ein freundlicher Auftakt, der hoffen lässt, dass sich in den deutsch-amerikanischen Beziehungen vielleicht doch nicht alles zum Schlechteren wendet.  

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