Gutachten zum brennenden Autofrachter Evakuierung der Crew der „Fremantle Highway“ kam viel zu spät
Vor fast zwei Jahren geriet der Autofrachter „Fremantle Highway“ auf der Nordsee in Brand. Nun liegt der Untersuchungsbericht des Sicherheitsrats der Niederlande zum Einsatz vor.
Rotterdam/Emden - Die Kommunikation und der Informationsaustausch zwischen der Küstenwache und den Rettungseinheiten an Land müssen dringend verbessert werden, um in Zukunft bei Notfällen auf See wie dem Brand des Autofrachters „Fremantle Highway“ effektiver agieren zu können. Zu diesem Ergebnis kommt der niederländische Onderzoeksraad voor Veiligheid – der Untersuchungsrat für Sicherheit. Die Experten hatten sich seit August 2023 mit dem Notfalleinsatz für die „Fremantle Highway“, insbesondere mit dem Ablauf der Evakuierung befasst und untersucht, ob alles korrekt abgelaufen ist.
Ein Crewmitglied kam ums Leben
Das 200 Meter lange und mit rund 3800 Autos beladene Schiff unter der Flagge Panamas war am Abend des 25. Juli in der Nordsee rund 27 Kilometer vor der Insel Ameland in Brand geraten. Auch in Ostfriesland wuchs in den Tagen nach der Havarie die Sorge vor einer Umweltkatastrophe – etwa, weil Treibstoff oder Fracht im Wattenmeer landen könnten. Nach tagelangen Löscharbeiten auf See gelang es Experten allerdings, die „Fremantle Highway“ nach Eemshaven zu schleppen, wo ein großer Teil der Ladung von Bord gebracht wurde.
Laut Untersuchungsbericht hat der Fokus bei dem Einsatz zu lange auf der Brandbekämpfung gelegen statt auf der Rettung der Menschen an Bord. Und so war die Besatzung schließlich „aufgrund der großen Rauchentwicklung nicht in der Lage, sich in Sicherheit zu bringen“, heißt es im Bericht. Sieben Besatzungsmitglieder sprangen aus großer Höhe von Bord und wurden dabei schwer verletzt, ein Mann starb an den Folgen seiner Verletzungen. 16 weitere Crewmitglieder wurden schließlich mit Hubschraubern evakuiert, auch sie benötigten medizinische Versorgung. Doch eine weitere Folge des mangelhaften Informationsflusses war laut den Gutachtern, dass diese 16 erst mit Verzögerung in Krankenhäuser gebracht werden konnten.
Mängel im Krisenmanagement auf See
Das Fazit des Sicherheitsrats: „Das wichtigste Ergebnis dieser Untersuchung ist, dass die Küstenwache im Falle eines komplexen Notfalleinsatzes nicht ausreichend in der Lage ist, die Kontrolle zu übernehmen.“ Das Gremium fordert deshalb, dass die Nothilfe auf See schnellstmöglich nach dem Vorbild des Krisenmanagements an Land aufgebaut wird. Dabei soll die Küstenwache in die Lage versetzt werden, die Einsatz-Koordination zu übernehmen. „Angesichts des gegenwärtigen und zukünftigen hohen Aktivitätsaufkommens in der Nordsee und der jüngsten geopolitischen Entwicklungen ist es durchaus denkbar, dass bald ein neuer Vorfall eintritt, der eine komplexe Unterstützungsanforderung nach sich zieht“, mahnt das Sicherheitsgremium.