Schüler und Eltern sauer  Emder kämpfen für den Erhalt der Herrentorschule

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 02.06.2025 15:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sie wollen, dass ihre Herrentorschule erhalten bleibt: Emil Gendel (von links), Ronja Petri, Baran Mehmedali, Anike Kampen und Joris Heinz. Fotos: Mona Hanssen
Sie wollen, dass ihre Herrentorschule erhalten bleibt: Emil Gendel (von links), Ronja Petri, Baran Mehmedali, Anike Kampen und Joris Heinz. Fotos: Mona Hanssen
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Die Herrentorschule in Emden könnte zur Zweigstelle der IGS werden. Das ist ein Szenario der Schulentwicklungsplanung. Schüler, Lehrer und Eltern stemmen sich dagegen.

Emden - Sie steckten gerade in der heißen Vorbereitungsphase für den großen 95. Schul-Geburtstag, dann plötzlich die schlechte Nachricht: Die Emder Herrentorschule könnte aufgelöst werden. „Das hat mich aus den Socken gehauen“, sagt Joris Heinz in einem Pressegespräch am Montag, 2. Juni 2025. Der 16-Jährige ist Schülervertreter und will sich, wie andere Schüler, Eltern und Lehrkräfte, für den Erhalt der Oberschule einsetzen. Sie hätten erst am 20. Mai 2025 von dem möglichen Szenario erfahren, das in mehreren Workshops zur Schulentwicklungsplanung in Emden seit dem Frühjahr erarbeitet wurde.

Schüler, Eltern und Mitarbeitende der Herrentorschule hatten die Presse zu einem Gespräch eingeladen, weil sie ihre Schule erhalten möchten.
Schüler, Eltern und Mitarbeitende der Herrentorschule hatten die Presse zu einem Gespräch eingeladen, weil sie ihre Schule erhalten möchten.

Die Herrentorschule, so sieht es eins der entwickelten Szenarien vor, soll zur Zweigstelle der Integrierten Gesamtschule (IGS) werden. Hier sollen fünfte und sechste Klassen untergebracht werden. Die IGS soll dann achtzügig werden. Der Grund: Die IGS wird überrannt, Oberschulen wie die Herrentorschule verlieren seit Jahren massiv Schülerinnen und Schüler, heißt es immer wieder. Das sehen die Schüler und Lehrkräfte an der Herrentorschule anders. Emil Gendel, ebenfalls 16, sieht sich als klassisches Beispiel eines Schulwechslers. Von der fünften bis zur neunten Klasse war er auf dem Max-Windmüller-Gymnasium, doch schulisch passte es nicht mehr.

Sie stehen für ihr „Team OBS Herrentor“ ein: die Schülervertreter Emil Gendel (links) und Joris Heinz.
Sie stehen für ihr „Team OBS Herrentor“ ein: die Schülervertreter Emil Gendel (links) und Joris Heinz.

Schüler wechseln vom Gymnasium zur Herrentorschule

Was dann? Wiederholen, IGS oder Oberschule? Er wechselte auf die Herrentorschule – und wurde innerhalb eines Jahres Schulsprecher. „Ich wurde hier echt fabelhaft aufgenommen“, sagt er. In seiner Klasse seien mehrere Wechsler. Sie hätten Rückläufer ab der achten Klasse von den Gymnasien in ihre Realschul-Klassen, sagt Rektorin Susanne Rautmann. Die Anmeldezahlen vom Schuljahresbeginn veränderten sich im Laufe des Jahres also immer noch. Teilweise müssten Klassen dann geteilt werden, weil es zu viele Schüler würden. Und der Trend sehe gut aus: „Wir werden wohl wieder drei fünfte Klassen haben“, sagt sie.

Die Herrentorschule befindet sich in einem denkmalgeschützten Gebäude des Backstein-Expressionismus.
Die Herrentorschule befindet sich in einem denkmalgeschützten Gebäude des Backstein-Expressionismus.

Auf die Herrentorschule, die bis 2014 eine reine Realschule war, gehen etwa 440 Schülerinnen und Schüler, so Rautmann. Es ist die einzige Innenstadt-Oberschule. Die anderen befinden sich in Wybelsum und Borssum. „Es ist kleiner und überschaubar hier“, sagt die 13-jährige Anike Kampen. Für sie und die anderen Schüler in der Gesprächsrunde ist es unvorstellbar, dass ab dem Schuljahr 2026/27, sollte das politischer Wille sein, parallel zu ihrem Schulleben noch die IGS-Klassen bei ihnen untergebracht werden. „Wir sind gerade 95 geworden, wir wollen auch noch 100 werden“, sagt der zwölfjährige Baran Mehmedali aus der Schülervertretung. Auch sei gerade erst eine Millionen Euro in ihren Schulhof investiert worden, den sie – wie ursprünglich mal – mit einem Garten und Gemüsebeet ausstatten wollen.

Das markante Gebäude der Herrentorschule.
Das markante Gebäude der Herrentorschule.

Vorher waren zwei IGS-Standorte verpönt, jetzt nicht mehr?

Da das IGS-Konzept Gruppenräume vorsehe, wäre auch ein Umbau der Herrentorschule nötig, meint Rektorin Rautmann. Und das bei einem denkmalgeschützten Gebäude. Ihre Stundentaktung und Pausenzeiten seien auch anders als bei der IGS. Wie soll das gehen? Und: Das Gymnasium am Treckfahrtstief (GaT) war 2015 aufgelöst und als Max-Windmüller-Gymnasium (Max) in einem Neubau am Steinweg eröffnet worden, damit die IGS von Borssum aus in den Altbau ziehen konnte. Zwei Standorte sollte es auf keinen Fall geben, hieß es damals, sagt Herrentorschule-Sozialpädagogin Kerstin Klammt. „Das war damals das K.o.-Kriterium. Was ist jetzt anders?“

Was sie ärgert: „Der Elternwille wurde nie berücksichtigt“, sagt Elke Kampen aus der Elternvertretung. Dieter Janßen, Vorsitzender der Elternvertretung, hält den Prozess der Stadtverwaltung für intransparent und fragt sich, warum die Eile nötig sei. Nach seinen Informationen seien etwa 20 Schüler bei der IGS abgelehnt worden, weil für sie nicht genug Platz gewesen sei. Brauche es dann gleich einen zweiten Standort? Auch hätten sie am 20. Mai erst konkret von den Plänen für die Herrentorschule erfahren. Und schon am Dienstag, 3. Juni 2025, ist die Schulentwicklungsplanung und die Umwandlung der Herrentorschule Thema im Schulausschuss des Emder Rats. Auch wenn dann noch keine Entscheidung fallen sollte, sondern erst nach der Sommerpause im September, sei auch das knapp für eine so gewichtige Entscheidung.

In der Stadt sind Flyer für den Erhalt der Herrentorschule verteilt und aufgeklebt.
In der Stadt sind Flyer für den Erhalt der Herrentorschule verteilt und aufgeklebt.

Der Ausschuss tagt ab 17 Uhr im Ratssaal im Verwaltungsgebäude II an der Ringstraße. „Alle können kommen. Je mehr Fragen stellen, desto fundierter muss geantwortet werden“, sagt Dieter Janßen. Er und die anderen in der Runde hoffen auf viele interessierte Bürger in der Sitzung. In der Einwohnerfragestunde können Emder Fragen zu Punkten auf der Tagesordnung stellen, also auch zur Schulentwicklung. Viele Protest-Flyer und -Aufkleber sind schon in der Stadt verteilt. Eine Petition für den Erhalt der Herrentorschule hat aktuell 950 Unterschriften.

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