Ärger und Widerstand  Emder Herrentorschule soll schon wieder aufgelöst werden

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 30.05.2025 13:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Schon 2014 demonstrierten Schüler für den Erhalt der Herrentorschule. Jetzt gibt es erneut eine Debatte über die Auflösung der Schule. Das Gebäude könnte als Außenstelle der IGS genutzt werden, ist ein Vorschlag der Stadt. Foto: Archiv
Schon 2014 demonstrierten Schüler für den Erhalt der Herrentorschule. Jetzt gibt es erneut eine Debatte über die Auflösung der Schule. Das Gebäude könnte als Außenstelle der IGS genutzt werden, ist ein Vorschlag der Stadt. Foto: Archiv
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Die Stadt Emden plant bei den Schulen neu. Die Herrentorschule soll dabei zur Zweigstelle der IGS werden. Dagegen sammelt sich schon Widerstand. Welche Schulen sind noch genannt?

Emden - Bei der Feier zum 95-jährigen Bestehen der Herrentorschule in Emden soll es schon zwischen Rektorin Susanne Rautmann und Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) gekriselt haben in dieser Woche. Der Grund: Die Oberschule soll aufgelöst, das Gebäude als Zweigstelle für die Integrierte Gesamtschule (IGS) in Emden genutzt werden, die dann achtzügig sein könnte. Dabei ist aber noch nicht das letzte Wort gesprochen. Schon 2013 wurde darüber diskutiert, die damalige Realschule aufzulösen. Danach meldeten sich 2014 überraschend viele Schüler im Herrentor an, die Debatte war erst mal vom Tisch.

Jetzt ist sie neu entbrannt. Das liegt an den aktuellen und prognostizierten Anmeldezahlen. Die Oberschulen verlieren seit Längerem massiv Schülerinnen und Schüler. Die IGS und die Gymnasien werden weiterhin überrannt. Zum Vergleich: Für das Schuljahr 2023/24 wollten 150 Schüler zur IGS, 30 zur Herrentorschule. 2024/25 waren es 55 für die Herrentorschule, 135 bei der IGS. Nur fürs Johannes-Althusius-Gymnasium (JAG) gab es mit 137 Anmeldungen mehr Nachfragen. Für die meisten Eltern ist es das Ziel, dass ihr Kind aufs Gymnasium geht – ungeachtet der Noten.

Petition zum Erhalt der Herrentorschule hat 904 Unterschriften

Gegen die Pläne zur Auflösung beziehungsweise Umwandlung der Herrentorschule hat sich schon Widerstand gebildet. Eine Petition für den Erhalt hat bereits mehr als 900 Unterschriften. „Die Elternschaft, Schülerinnen und Schüler sowie Unterstützerinnen und Unterstützer der OBS Herrentor wenden sich entschieden gegen die Pläne, die Oberschule Herrentor in eine Integrierte Gesamtschule (IGS) umzuwandeln oder mit einer solchen zusammenzuführen“, heißt es in der Petition.

Wir haben bei der Elternvertretung dazu nachgehakt. Dieter Janßen antwortet für die Eltern, dass sie erstmals am 21. Mai über die Pläne informiert worden seien. Gemeinsam mit der Schülerschaft und den Lehrkräften hätten sie ein Positionspapier erarbeitet, in dem sie vorschlagen, die Oberschule in eine reine Realschule umzuwandeln. Das hätten sie auch den Fraktionen vorgelegt. Für die Eltern stellen sich viele Fragen, schreibt Janßen. Unter anderem: „Warum muss es unbedingt die Herrentorschule sein? Die Herrentorschule ist die einzige zentrumsnahe, weiterführende Schule außer der IGS – sollen dann zukünftig alle Emder Kinder, welche nicht in die IGS eingeschult werden möchten, in den Bus steigen und quer durch die Stadt fahren? Das Bussystem ist ja nun schon überlastet.“

Auch bemängeln sie die „große Eile“. „Der ganze Prozess ist aus unserer Sicht völlig intransparent – so stellen wir uns Mitsprache in einem demokratischen System nicht vor“, heißt es im Schreiben der Elternvertreter. In der Online-Petition heißt es auch: „Die IGS-Struktur vermischt Leistungsniveaus, anstatt gezielt zu fördern.“ Es bestehe kein Bedarf für eine weitere IGS in Emden – es gebe bereits Angebote. „Die OBS Herrentor ist eine Schule mit Identität, Vertrauen und Tradition, die nicht aufgegeben werden darf“, so die Petitionssteller. Eltern und Schüler forderten Klarheit, Verlässlichkeit und Struktur – keine pädagogischen Experimente.

Schulausschuss des Rats spricht Dienstag über Pläne

Im Schulausschuss des Emder Rats soll am Dienstag, 3. Juni 2025, die Schulentwicklungsplanung vorgestellt werden. Die Stadt hat bereits eine Beschlussvorlage verfasst, in der die Umwandlung der Herrentorschule enthalten ist. Eine Entscheidung werde dann aber noch nicht erwartet, erklärt CDU-Ratsherr Wilke Held gegenüber dieser Zeitung. Ihnen sei zugesagt worden, dass das Thema zunächst in die Fraktionen zur Besprechung zurückgehe. Auch sollen die Schulvertreter noch weiter gehört werden. Im September soll es dann wieder auf die Tagesordnung beim Verwaltungsausschuss und im Rat kommen, so Held.

Die Sitzung ab 17 Uhr im Verwaltungsgebäude II an der Ringstraße ist öffentlich. In der Einwohnerfragestunde können Emder Fragen zu Punkten auf der Tagesordnung, also auch die Schulentwicklung, stellen. Die Stadtverwaltung schlägt in der Beschlussvorlage nicht nur die Änderung an der Herrentorschule vor, sondern auch beispielsweise, dass das Max einen Anbau bekommt, damit Vierzügigkeit ermöglicht werden kann.

Die Sporthalle der ehemaligen Barenburgschule soll für den Schulsport an der IGS wieder in Betrieb genommen werden, heißt es in der Beschlussvorlage weiter. Für die Oberschule Borssum könnte ein Modellprojekt initiiert und umgesetzt werden, das dem an der Osterburgschule in Oldenburg ähnelt. Diese ist eine Profilschule, lässt sich auf der Schul-Website nachlesen. Das bedeute, dass für die unterschiedlichen Lerntypen (Schülerprofile) unterschiedliche Lernangebote gemacht werden. Das geschehe einerseits über vielfältige Projekt- und Praxisangebote und andererseits über die Wahlmöglichkeit von Profilschwerpunkten.

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